Ungewöhnliche Krake am Wiesbadener Rheinufer geplant

Am Biebricher Rheinufer soll künftig eine „RheinKrake“ auf Plastikfang gehen. Wie sie funktioniert, wer dahintersteht und warum Schirmherr Thomas Ranft für das Projekt wirbt.

Ungewöhnliche Krake am Wiesbadener Rheinufer geplant

In Biebrich könnte am Ufer des Rheins künftig eine schwimmende Müllfalle ihren Dienst aufnehmen: Die „RheinKrake Wiesbaden“ soll autonom Abfälle aus dem Wasser fischen. Das gemeinsam mit „CleanupWiesbaden“ von der Initiativgruppe Ideen für Biebrich e.V. getragene Projekt wird zugleich von Aufklärungsarbeit und einer Kampagne für saubere Gewässer begleitet.

Ziel ist es, „ein starkes Zeichen gegen die zunehmende Verschmutzung des Rheins“ zu setzen, so die Initiativgruppe auf ihrer Website. Wie eine Langzeitstudie mit dem Kölner Vorbild-Modell zeigt, treiben im Rhein pro Jahr bis zu 4.700 Tonnen Müll – meist Plastik – in Richtung Nordsee. Das sei deutlich mehr als bislang angenommen, so das Fazit von Forschenden der Uni Bonn.

Müll sammeln mit der Strömung

Nach Angaben der Biebricher Initiativgruppe soll die Krake in Wiesbaden noch dieses Jahr ins Wasser gehen. Das Prinzip ist relativ einfach: Die RheinKrake soll an einem Steg am Rheinufer in Biebrich, links vom Schloss in Richtung Schierstein, festgemacht werden und die natürliche Strömung des Rheins nutzen. Treibender Abfall wird dabei in Auffangkörbe geleitet. Ein zusätzlicher Fangarm soll den Bereich vergrößern, in dem die Anlage Müll aufnehmen kann, so das Vorhaben der Initiativgruppe. Energiezufuhr ist dafür nicht erforderlich – die Müllfalle arbeitet passiv und ausschließlich mit der Kraft des fließenden Wassers.

Wie bei der Kölner K.R.A.K.E steht vor allem schwimmender oder knapp unter der Wasseroberfläche treibender großer Abfall (Makroabfall) im Mittelpunkt. Dazu zählen etwa Verpackungen, Plastikteile und andere Gegenstände, die über Ufer, Regenwasser oder illegale Ablagerungen in den Fluss gelangen. Größere Baumstämme und Treibholz müssten bei einer solchen Konstruktion gesondert berücksichtigt werden. Das Kölner Vorbild verfügt dafür über einen massiven Rechen am Bug.

TV-Moderator übernimmt Schirmherrschaft

Die Auffangkörbe sollen regelmäßig geleert werden. Neben der Entsorgung hat das Projekt einen weiteren Nutzen: Der gesammelte Müll kann sortiert, dokumentiert und ausgewertet werden. So entsteht ein genaueres Bild davon, welche Abfälle im Rhein unterwegs sind und in welcher Menge sie an einem bestimmten Standort anfallen.

Unterstützt wird das Vorhaben von Thomas Ranft. Der Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator, bekannt unter anderem aus den Sendungen „Alles Wissen“ und „alle wetter!“ hat die Schirmherrschaft übernommen. Mit seinem Engagement verleiht er dem Projekt öffentliche Aufmerksamkeit. Bei der Vorstellung des Konzepts im September 2024 erklärte Ranft, die Verschmutzung der Gewässer sei kein Problem, das sich auf entfernte Meere beschränke. Der Rhein beginne vor der eigenen Haustür – und damit auch die Verantwortung für seinen Schutz.

Begrenzt aber öffentlichkeitswirksam

Die RheinKrake könnte Müll aus dem Wasser holen, bevor er weiter rheinabwärts in Richtung Meer gelangt. Das Kölner Beispiel zeigt zugleich die Grenzen solcher Anlagen: Eine Müllfalle erfasst nur einen begrenzten Teil der Flussbreite und vor allem schwimmende Abfälle. Sie kann deshalb weder den gesamten Eintrag stoppen noch die Ursachen der Vermüllung beseitigen.

Die Anlage könnte jedoch sichtbar machen, was sonst unbemerkt mit der Strömung verschwindet – und den Zusammenhang zwischen achtlos weggeworfenem Müll, Rhein und Nordsee vor Ort veranschaulichen.

Nach der Installation ist eine langfristige Kooperation mit dem Studiengang Umweltwissenschaften der Uni Mainz etwa zur Mikroplastikforschung geplant. Zudem können Schulklassen die RheinKrake besuchen und aktiv lernen, Plastik zu vermeiden. „Wir möchten, dass die Menschen verstehen, was Plastik mit unserer Umwelt – und mit uns selbst – anstellt“, sagt Dr. Sibylle Bimmermann, Vorstandsmitglied der Initiativgruppe Ideen für Biebrich e.V.

Finanzierung steht und Genehmigungsprozess läuft

Die Kosten von rund 40.000 Euro für das Modellprojekt sind gesichert. Es wird vollständig von privaten Sponsoren finanziert, darunter die Wepa-Stiftung und die Stiftung Flughafen Frankfurt. „Es war uns wichtig, unabhängig von Steuergeldern zu bleiben“, so Vorstandsmitglied Thomas Krebs.

Ob die RheinKrake Wiesbaden tatsächlich bald im Rhein schwimmen wird, hängt nun vom weiteren Planungs- und Genehmigungsprozess ab.

Wer sich intensiver mit der Thematik befassen möchte, für den bietet die Kampagne „Klar zum Wandel – Wiesbaden für sauberes Wasser“ vom 5. bis 27. September ein Programm mit Events, Aktionen, Workshops und Ausstellungen in der Orangerie im Biebricher Schloßpark.