Diese drei Villen in Biebrich gehörten Großindustriellen

Direkt am Fluss gelegen war Biebrich im 20. Jahrhundert ein beliebter Wirtschaftsstandpunkt. Die Industriellen genossen außerdem das Flair des Rheins als Zuhause und bauten große Villen, die noch heute das Stadtbild prägen.

Diese drei Villen in Biebrich gehörten Großindustriellen

Am Biebricher Rheinufer flanierten die Wiesbadener schon vor mehr als 100 Jahren gerne. Wer es sich leisten konnte, ließ sich dort sogar nieder. Von längeren Aufenthalten bekannter Persönlichkeiten wissen dabei nicht nur die Biebricher selbst.

Merkurist-Leser Marcel fällt ganz spontan ein, dass Komponist Richard Wagner im Jahr 1862 eine Villa am Rheinufer bewohnte. Eine Gedenktafel an der Gartenmauer erzählt noch heute, dass Wagner in den Räumen am Wasser Teile der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ schrieb.

Doch neben Künstlern waren es um die Jahrhundertwende vor allem Industrielle, die die Nähe zur Wasserstraße und ihren Werkshallen als Wohnort aussuchten. Zwischen der Oranier Gedächtniskirche und dem Zollamt reihen sich gleich drei große Villen direkt aneinander. Die Häuser prägen nicht nur bis heute das Straßenbild, ihre Bewohner waren auch wichtige Akteure in der Industriegeschichte der gesamten Region.

Rheingaustraße 180

In der Rheingaustraße 180 ließ sich Kommerzialrat Karl Ludwig Dyckerhoff nieder. Er trat 1896 in die Firma seines Großvaters ein und wurde 1911 Geschäftsführer der bis heute existierenden Zementwerke. Im gleichen Jahr begann er auch seine politische Tätigkeit als Stadtverordneter der Stadt Biebrich. In dieser Funktion setzte er sich vor allem für das Wohl der Bevölkerung in der Nachkriegszeit ein, etwa durch das Einrichten einer „Volksküche“. So fasst das Stadtlexikon sein Wirken zusammen. Das Unternehmen ist bis heute von Amöneburg aus weltweit tätig.

Rheingaustraße 182

Sein Nachbar hieß ab 1901 Heinrich Albert. Der Gründer der „Chemischen Werke Albert“ zog ins Nachbarhaus, nachdem er bereits 1858 begonnen hatte, in der Region Düngemittel herzustellen. Die Produktion verlegte er schon in den 1860er Jahren in den Nachbarstadtteil Mainz-Amöneburg. Der Grund dafür: Herzog Adolph, der selbst zu dieser Zeit in Biebrich lebte, fürchtete, dass die Biebricher Luft durch Abgase verschmutzt werden könnte, wenn Albert seine Hallen in Biebrich aufzieht. Als Wohnort wählte Albert aber den herzöglichen Stadtteil.

Rheingaustraße 184

Auch die Familie von Wilhelm Kalle ließ sich in der Biebricher Rheingaustraße nieder. In der Hausnummer 184 bewohnte die Familie nicht nur eine Villa, sie machte sie sogar zu ihrem Stammsitz. Das Unternehmen brachten sie in Biebrich schnell voran. Während 1863 alles mit drei Arbeitern begann, die in den Farbwerken drei Farbstoffe herstellten, hatten die Werke nur ein Jahr später schon 16 im Angebot. Bereits 1913, also nur 50 Jahre nach der Gründung, zählte das Unternehmen fast 770 Angestellte. Als Arbeitgeber war Kalle dabei besonders beliebt: Er gründete schon früh eine Arbeitersparkasse und ein Rentensystem innerhalb seiner Werke. Bis heute wird diese Tradition von der Dr. Wilhelm-Kalle-Stiftung fortgeführt: Sie vermittelt Stipendien an Studenten, die sich ihre Fachausbildung ohne Unterstützung nicht leisten könnten. (ms)

Die berühmtesten Villen der Stadt

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