Weingut weist Obdachlosen ab und erntet Shitstorm bei Facebook

Trotz Pfandmarke soll ein Weingut am Wochenende einem Obdachlosen kein Geld bei der Flaschenrückgabe ausgezahlt haben. Als die Geschichte bei Facebook erzählt wurde, entwickelte sich aus einer Diskussion ein regelrechter Shitstorm gegen das Weingut.

Weingut weist Obdachlosen ab und erntet Shitstorm bei Facebook

Auf einen Riesling, oder zwei haben sich am Wochenende viele Wiesbadener auf der Rheingauer Weinwoche getroffen. Doch die Freude am Feiern verging vielen Facebook-Nutzern am Montagvormittag. Dort erzählte ein Wiesbadener von einem Vorfall, der ihm auf dem Fest gar nicht gefallen hat. „Leider mussten wir gestern miterleben, dass das Weingut Höhn auf dem Weinfest einem Obdachlosen die Pfandauszahlung verweigerte“, beschrieb der Wiesbadener die Situation. Er habe beobachtet, wie ein Mann, der wie ein Obdachloser aussah, Flaschen mit dazugehörigen Pfandmarken am Stand abgegeben wollte. Doch hinter dem Tresen habe man es verweigert, ihm das Geld auszuzahlen.

Shitstorm und schlechte Bewertungen bei Facebook

„Der Mann wird das Pfand geschenkt bekommen haben.“ - Vermutung einer Facebooknutzerin

In den sozialen Medien sorgte der Post schnell für Aufsehen. Etliche Male wurde der Beitrag geteilt, und jedes Mal aufs Neue kommentiert. „Der Mann wird das Pfand geschenkt bekommen haben, von Leuten die keine Zeit/Lust hatten sich anzustellen und dem Obdachlosen was Gutes tun wollten“, vermutete eine Facebook-Nutzerin und urteilte: „Unmöglich wenn er trotz vorhandener Pfandmarken kein Geld zurück bekommt.“ Andere kommentierten, dass sie bei zukünftigen Festen den Stand bewusst meiden wollen.

Auch auf der Facebookseite des Winzers, der selbst am Vormittag telefonisch nicht für eine Stellungnahme erreichbar war, dauerte es nicht lange, bis sich plötzlich schlechte Bewertungen häuften. Diese bezogen sich nicht auf die Qualität des Weines oder der Speisen im Restaurant des Guts, sondern standen alle im Zusammenhang mit dem erzählten Vorfall auf der Rheingauer Weinwoche. Ob alle, die einen Kommentar hinterließen, tatsächlich selbst die Situation beobachten konnten, steht dabei nicht fest.

Öffentliche Entschuldigung

„Wir haben daraus gelernt“ - Weingut Höhn

Die Betreiber des Weingutes äußerten sich schließlich mit einem Post auf ihrer Seite. Dabei stritten sie den Vorfall nicht ab, entschuldigten sich aber ausdrücklich und schreiben: „Es tut uns leid was gestern vorgefallen ist. Es war nicht unsere Absicht, Obdachlosen kein Geld beziehungsweise Pfandgeld auszuzahlen. Wir haben daraus gelernt.“

Dem Wiesbadener, der den Vorfall selbst erlebt hatte, reichte die ehrliche Entschuldigung. Als er die Stellungnahme gelesen hatte, löschte er seinen Post. Auch eine andere Nutzerin lobte das Weingut für seine Reaktion. „So unschön die ganze Sache auch war, Hut ab davor, dies hier quasi öffentlich zuzugeben. Fehler macht jeder und daraus zu lernen ist der erste Schritt in die richtige Richtung.“ (nl/ts)

Logo