Rente mit 67? Warum das für Wiesbadener Bauarbeiter utopisch ist

Die Gewerkschaft IG BAU fordert flexible und faire Lösungen.

Rente mit 67? Warum das für Wiesbadener Bauarbeiter utopisch ist

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Wiesbaden-Limburg übt scharfe Kritik an den Rentenplänen der Bundesregierung. Für die meisten Beschäftigten auf dem Bau sei es gesundheitlich nicht möglich, bis zum regulären Rentenalter zu arbeiten.

Aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur für Wiesbaden stützen diese Einschätzung: Von den rund 2.730 Bauarbeitern in der Stadt sind nur etwa 110 älter als 63 Jahre. „Ob Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer: Sie machen harte körperliche Arbeit. Und das bei Wind und Wetter – bei Hitze und Frost“, sagt Klaus Döring, Vorsitzender der IG BAU Wiesbaden-Limburg. Für die meisten sei schon vor dem 60. Lebensjahr Schluss, da sie die Arbeit gesundheitlich nicht mehr bewältigen könnten.

Die Gewerkschaft hält ein Arbeiten bis 67 oder länger auf dem Bau für unrealistisch. „Es schafft kaum einer, auf dem Bau bis 67 zu arbeiten. Wenn es demnächst dann noch länger gehen soll: keine Chance“, so Döring. Er fordert eine „Flexi-Rente“, die faire Übergänge in den Ruhestand ermöglicht, besonders in Branchen mit hoher körperlicher Belastung.

Sorge um die Baby-Boomer

Ein weiterer Kritikpunkt ist das mögliche Aus für die Rente mit 63. „Das wäre gerade für viele Baby-Boomer ein Schlag ins Gesicht. Es macht ihnen nämlich einen dicken Strich durch ihre Lebensplanung“, erklärt Döring. Laut Berechnungen des Pestel-Instituts, auf die sich die IG BAU beruft, gehen in Wiesbaden in den kommenden zehn Jahren 40.900 Baby-Boomer in Rente.

Viele von ihnen hätten ihre 45 Beitragsjahre voll und damit eine lange Zeit ihres Lebens gearbeitet. Ihnen die Rente mit 63 zu nehmen, würde politisches Vertrauen kosten.

Stabiles Rentenniveau gefordert

Die IG BAU kritisiert zudem, dass in den Vorschlägen der Rentenkommission eine garantierte Haltelinie beim Rentenniveau fehle. „Der Staat darf den Baby-Boomern ab 2031 kein Absenken des Rentenniveaus unter 48 Prozent zumuten“, betont Döring. Langfristig müsse das Rentenniveau wieder auf mindestens 53 Prozent steigen.

Die Gewerkschaft appelliert an die Bundestagsabgeordneten der Region, die Pläne der Bundesregierung zu korrigieren. Eine faire Rente müsse an den „Härtegrad der Arbeit“ angepasst werden, um die Attraktivität harter Berufe nicht zu gefährden.