'Aktenzeichen XY': Raubmord im Nerotal

In 53 Jahren „Aktenzeichen XY... ungelöst“ standen auch einige Fälle aus Wiesbaden im Mittelpunkt. Manche von ihnen konnten gelöst werden, andere sind bis heute ungeklärt. Wir stellen Euch einen dieser Fälle vor.

'Aktenzeichen XY': Raubmord im Nerotal

Seit 1967 unterstützt das ZDF mit der Sendung Aktenzeichen XY Ermittler dabei, Verbrechen aufzuklären. Die Sendung gehört damit zu den erfolgreichsten Formaten im deutschen Fernsehen. In mehr als 500 Episoden wurden seit dem über 4600 Fälle gezeigt, etwa 40 Prozent von ihnen wurden laut dem ZDF aufgeklärt. Dabei waren auch immer wieder Straftaten aus und mit Bezug zu Wiesbaden zu sehen. Wir stellen Euch einige der bewegendsten Fälle vor.

Raubmord im Nerotal

Traude Pagenstecher wohnt in einem Bungalow im Wiesbadener Nerotal. Es ist eine schöne Gegend, in der die pensionierte Lehrerin mit ihrem Mops Pummel lebt. Ihr Mann ist nun zwei Jahre tot, doch die 67-Jährige kommt gut zurecht. Sie ist bekannt im Nerotal, nicht zuletzt durch ihre vielen Spaziergänge mit Pummel. Und so ist sie auch am Donnerstag, den 27. November 1986 mit ihrem Hund unterwegs und wird von mehreren Anwohnern dabei gesehen.

Dabei trifft Traude auch eine Nachbarin, mit der sie ein Stück des Weges zurücklegt. Ihr erzählt sie, dass sie später noch ein wenig im Garten arbeiten möchte. Am gleichen Tag beobachten außerdem zwei Spaziergänger, wie ein Mann in den Abendstunden auffällig um einige Hauseingänge herumschleicht. Das gleiche Pärchen sieht später auch, dass Traude an diesem Abend allein in ihrem Wohnzimmersessel sitzt. Gut möglich, dass auch der mysteriöse Mann Einblick in das Wohnzimmer der alleinstehenden Frau erlangt. Denn eine weitere Zeugin sieht genau so einen Mann gegen 22 Uhr in der Nähe des Bungalows.

Mordkommission steht vor Rätsel

Was danach geschieht, kann die Wiesbadener Mordkommission zunächst nicht vollständig rekonstruieren. Fest steht nur, dass Traude in der Nacht für ihren Hund noch einmal die Terrassentür geöffnet hat. Unbemerkt kommen nicht nur Pummel, sondern auch ein Unbekannter ins Haus. Von der Tat selbst bemerken die Nachbarn nichts. Wohl aber davon, dass am nächsten Tag die Vorhänge noch geschlossen und das gelieferte Mineralwasser auch zur Mittagszeit noch immer nicht ins Haus gebracht wurde. Also beschließt eine Nachbarin, die auch einen Schlüssel zu Traudes Haus hat, nach dem Rechten zu sehen.

Im Haus angekommen, findet sie die tote Traude Pagenstecher. Der Täter hatte sie brutal niedergeschlagen, gefesselt und geknebelt. Wie sich später herausstellt, fehlten im Anschluss mehrere Schmuckstücke und Wertgegenstände, darunter Ringe, Ketten und Uhren.

Brutale Vorgehensweise

Erst viel später wurde klar, dass der Täter jedoch nicht wie zunächst vermutet durch die Terrassentür kam. Er klingelte bei der alleinstehenden Frau und begann sofort damit, die 67-Jährige mit Schlägen und Tritten anzugreifen. Gestorben war Traude aber nicht durch diese brutale Gewaltanwendung. Der Täter knebelte die Frau so brutal mit einer Strumpfhose, dass sein Opfer erstickte. „Was der Angeklagte wusste und wollte“, wie später das Gericht befand.

Aufmerksam wurde man auf den Täter Jörg W. aber nicht durch die ZDF-Sendung, sondern einen Handabruck an Traudes Bett. Dieser passte zu einem Handabdruck W’s, der wegen eines Betrugsdelikts in Fulda von ihm genommen wurde. Daraufhin gelang es den Ermittlern, die beiden Fälle zu verbinden und 2005 — 22 Jahre nach der Tat — den Täter doch noch zu ermitteln. Er wurde zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. (lp)

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