Aktenzeichen XY: Als der 'Schlümpfe-Vergewaltiger' in Wiesbaden sein Unwesen trieb

In 53 Jahren „Aktenzeichen XY... ungelöst“ standen einige Fälle aus Wiesbaden im Mittelpunkt. Manche von ihnen konnten gelöst werden, andere sind bis heute ungeklärt. Wir stellen Euch einen dieser Fälle vor.

Aktenzeichen XY: Als der 'Schlümpfe-Vergewaltiger' in Wiesbaden sein Unwesen trieb

Seit 1967 unterstützt das ZDF mit der Sendung Aktenzeichen XY Ermittler dabei, Verbrechen aufzuklären. Die Sendung gehört damit zu den erfolgreichsten Formaten im deutschen Fernsehen. In mehr als 500 Episoden wurden seit dem über 4600 Fälle gezeigt, etwa 40 Prozent von ihnen wurden laut dem ZDF aufgeklärt. Dabei waren auch immer wieder Straftaten aus und mit Bezug zu Wiesbaden zu sehen. Wir stellen Euch einige der bewegendsten Fälle vor. Den Anfang macht ein Verbrechen aus dem Jahr 1980.

Am Abend des 9. Juni 1979 besucht die 29-jährige Claudia* mit zwei weiteren Freunden eine Kneipe in der Wiesbadener Innenstadt. Claudia entscheidet sich, gegen 1 Uhr den nicht allzu weiten Heimweg zu Fuß anzutreten und das Geld für ein Taxi lieber zu sparen. Eine Entscheidung, die sie später bereuen würde. Denn kurz vor ihrer Haustür am Rande der Innenstadt spricht sie ein unbekannter Mann an. Trotz ihrer Aufforderung, sie in Ruhe zu lassen, gelingt es dem Mann, die 29-Jährige mit einem Messer dazu zu bewegen, in sein Auto zu steigen.

Das Unheil nimmt seinen Lauf

Claudia hat keine Chance zu fliehen, die Türen sind verriegelt. Der Unbekannte zwingt die Frau, sich hinzulegen und den Kopf während der Fahrt in den Wiesbadener Stadtwald unten zu behalten. Dabei entdeckt sie zahlreiche Aufkleber der Schlümpfe, die im Fahrzeuginnern verteilt sind. Ein Hinweis, der später zur Identifizierung des Täters führen wird.

Während der Fahrt durch die Innenstadt versucht Claudia mehrfach vergeblich, andere Autofahrer durch Winken auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Als der Täter dies bemerkt, schlägt er mehrmals brutal auf die Frau ein.

Mehrfache Vergewaltigung

Im Wald misshandelt der Täter die Frau, schlägt sie und vergewaltigt die 29-Jährige mehrmals. Als der Täter schließlich von ihr ablässt, verwickelt Claudia ihn in ein Gespräch, das ihr wahrscheinlich das Leben gerettet hat. Sie überzeugt den Mann davon, nicht zur Polizei gehen zu wollen. Mit Erfolg: Der Unbekannte fährt sie sogar zurück in die Wiesbadener Innenstadt, anstatt sie als gefährliche Zeugin womöglich sogar umzubringen.

Der Mann schaute sich vorher noch Claudias Ausweis an, um sie einzuschüchtern. Sollte sie doch zur Polizei gehen, werde er sie „besuchen kommen“. Auf Umwegen erfährt die Wiesbadener Kriminalpolizei aber doch von dem Fall und die 29-Jährige wird als Zeugin vernommen. Zwar kann sich Claudia nicht mehr an das genaue Fahrzeugmodell oder gar die Kennzeichen erinnern, wohl aber an die vielen Schlümpfe-Aufkleber im Wageninnern.

Schlümpfe überführen den Täter

Dieser Hinweis ist es, der die Ermittler der Kriminalpolizei auf eine heiße Spur bringt. Nur wenige Monate zuvor war in Wiesbaden schon einmal ein Sexualstraftäter mit der gleichen Masche auffällig geworden und auch in diesem Fall konnte sich das Opfer an die vielen Schlumpf-Aufkleber erinnern. Die Polizei ermittelt unter Hochdruck, denn die Beamten sind sich sicher, dass der Mann wohl erneut zuschlagen wird. Sie vermuten außerdem, dass der Täter von Mal zu Mal brutaler vorgehen wird.

Und tatsächlich: Fünf Wochen später, in der Nacht zum 30. Juli 1979, ist der Vergewaltiger wieder in der Innenstadt unterwegs. Als er die 18-jährige Schülerin Gudrun* gegen 1 Uhr auf ihrem Heimweg entdeckt, zerrt er auch sie in sein Auto. Wieder zückt der Täter ein Messer und fährt mit seinem Opfer in den Wald, wo er die junge Frau vergewaltigt — noch einmal brutaler als zuvor. Anschließend fährt er die durch die Tat schwer verletzte Gudrun zurück in die Innenstadt.

Erfolg kurz nach der Ausstrahlung

Die Ermittlungen der Polizei führten zunächst nicht zum Erfolg. Ein Jahr später, am 18. April 1980, wurde der Fall dann in der ZDF-Sendung vorgestellt. Mit Erfolg: Nur eine Stunde nach der Ausstrahlung konnte der Serien-Vergewaltiger festgenommen werden. Ein Anrufer konnte sich an das Fahrzeug mit den auffälligen Aufklebern im Innenraum erinnern und auch den entscheidenden Hinweis zum Fahrer liefern. Der Tipp führte nicht nur zur Ergreifung des Täters, sondern brachte dem Anrufer auch noch 3000 Mark ein. Diese wurden zuvor von der Polizei auf Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung des Täters führen.

*Namen von der Redaktion geändert

(nl/lp)

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