Der Rheingauer Weinbauverband übt scharfe Kritik an neuen Dokumentationspflichten, die ab dem 12. August 2026 für Winzer gelten. Anlass ist die europäische „Packaging and Packaging Waste Regulation“ (PPWR), die Verpackungen EU-weit nachhaltiger machen soll. Aus Sicht des Verbandes führt die Regelung jedoch zu einem enormen bürokratischen Aufwand.
„Während Brüssel und Berlin seit Jahren den Abbau von Bürokratie versprechen, erleben unsere Weingüter genau das Gegenteil. Mit der PPWR entsteht das nächste Bürokratiemonster“, erklärt Peter Seyffardt, Präsident des Rheingauer Weinbauverbandes. Den Betrieben würden erneut Dokumentations-, Nachweis- und Verwaltungspflichten auferlegt.
Kritik an Mehraufwand
Die Deutsche Industrie und Handelskammer (DIHK) erklärt zur neuen Regelung: „Ziel ist es, den Verpackungsverbrauch in der EU deutlich zu reduzieren, die Recyclingfähigkeit zu verbessern und die Kreislaufwirtschaft zu stärken.“ Dementsprechend gilt künftig für Verpackungen beispielsweise, dass sie grundsätzlich reycyclebar seien müssen und minimale Größe haben, um „Mogelpackungen“ zu verbieten. Die Hersteller tragen die Verantwortung für den Großteil der Umsetzung. So sind sie unter anderem für die Kosten für Sammlung, Kennzeichnung und Analyse von Verpackungsabfällen verantwortlich.
Die neue Verordnung verlangt auch, dass Hersteller für alle Verpackungsbestandteile umfangreiche Informationen entlang der Lieferkette dokumentieren. Bei einer Weinflasche betrifft das nicht nur das Glas selbst, sondern auch den Verschluss, das Etikett und die Kapsel. Der Verband hält dies für unverhältnismäßig.
„Eine Weinflasche wird dadurch nicht nachhaltiger, weil ihre Bestandteile noch aufwendiger dokumentiert werden“, ergänzt Vize-Präsident Frank Schönleber. Die Betriebe würden bereits seit Jahren etablierte und recyclingfähige Verpackungen verwenden. Die zusätzlichen Nachweise verursachten lediglich Kosten und bräuchten zusätzliches Personal.
Verband fordert Regel zu streichen
Besonders kleine und mittelständische Weingüter seien von den Vorgaben betroffen, da sie oft keine eigenen Verwaltungsabteilungen haben. „Unsere Winzerinnen und Winzer wollen Wein erzeugen – keine Aktenordner füllen“, so Geschäftsführer Dominik Russler.
Der Weinbauverband stellt den ökologischen Nutzen der neuen Regeln grundsätzlich infrage und sieht den Verwaltungsaufwand in keinem angemessenen Verhältnis zum erwarteten Effekt. Daher fordert der Verband die Bundesregierung und die Europäische Union auf, die Auswirkungen der PPWR auf den Weinbau kritisch zu prüfen und unnötige Dokumentationspflichten zu streichen.