Geleakte Chatverläufe aus „Gelbwesten“-Gruppe sorgen für Aufregung

Offen rechts und ausländerfeindlich präsentieren sich die Mitglieder der Telegram-Gruppe „Gelb Westen Hessen“ - das sagt zumindest die Recherchegruppe Wiesbaden und Umgebung. Die Veranstalterin der Demo dementiert die Vorwürfe und spricht von Fakes.

Geleakte Chatverläufe aus „Gelbwesten“-Gruppe sorgen für Aufregung

Am vergangenen Sonntag hat die Recherchegruppe Wiesbaden und Umgebung auf ihrem Blog einen Artikel mit Screenshots aus einer angeblichen Telegram-Gruppe der hessischen „Gelbwesten“ veröffentlicht. Viele der Gruppenmitglieder gehen auch für die Wiesbadener „Gelbwesten“ auf die Straße, am Samstag um 13 Uhr steht die nächste Demo an.

Die Screenshots offenbaren hetzerische und beleidigende Nachrichten der Mitglieder, die sich gegen Muslime, politische Gegner und sogar Lokaljournalisten richten. Auch vom „Schlachten“ politischer Gegner wird gesprochen, ihnen Suizid nahegelegt, Vernichtungsfantasien werden offen geäußert und ernten Lob der anderen Mitglieder in Form von „Daumen Hoch“- oder gar Lach-Emojis. Außerdem wird sich offen als „Rechtsradikal“ bezeichnet, überlegt, ob man Schweineblut über Moscheen ablassen oder die muslimischen Gotteshäuser mit einer selbstgebastelten Rakete mit Schweinefleisch beschießen könne. Doch sind die Screenshots echt? Und stammen sie tatsächlich aus einer Chatgruppe der Gelbwesten?

Diskussion um Echtheit

„Alle veröffentlichten Screenshots sind echt.“ - Recherchegruppe Wiesbaden

„Ja“, so ein Mitglied der Recherchegruppe, das anonym bleiben möchte. „Alle veröffentlichten Screenshots sind echt, unbearbeitet und liegen uns, wie auch weitere, vor.“ Auch der Twitter-User @Korallenherz hat ähnliche Inhalte veröffentlicht, auch sie stammen aus der Telegram-Gruppe „Gelb Westen Hessen“. Dort ist etwa zu lesen, wie sich ein Mitglied mit der Argumentation des rechtsextremen neuseeländischen Christchurch-Attentäters identifiziert. Die Gruppe, in der sich laut Screenshots 105 Mitglieder befanden, wurde mittlerweile jedoch gelöscht.

„Die Chatverläufe sind gefälscht.“ - Sandra Scheld, Wir sind viel mehr

Sandra Scheld, Initiatorin der Facebook-Gruppe „Wir sind viel mehr“, aus der auch die Wiesbadener Gelbwesten hervorgegangen sind, bestreitet die Vorwürfe der Recherchegruppe und spricht von einer Hetzkampagne gegen die Bewegung. „Diese Hetze der Recherchegruppe basiert auf verdrehten Tatsachen und immer wieder werden gefälschte Chatverläufe in den Umlauf gebracht“, sagt sie. Die „Gelbwesten“ seien Bürger der Mitte, „und nicht die NSDAP“, so Scheld.

Zu den Vorwürfen, dass immer wieder Personen bei den „Gelbwesten“ mitlaufen, die eindeutig dem rechten bis extrem rechten Spektrum zuzuordnen sind, sagt Scheld: „Es ist nicht möglich, Personen, die nicht gegen das Gesetz verstoßen, von öffentlichen Demos auszuschließen. Von rechtsradikalem Gedankengut haben wir uns bis jetzt bei allen Demos distanziert.“

Nähe zur Identitären Bewegung?

„Wir sind weder links noch rechts“ - Sandra Scheld

Neben den geleakten Chatverläufen, deren Echtheit Merkurist nicht endgültig feststellen konnte, wurden in dem Beitrag der Recherchegruppe auch Fotos veröffentlich, die einen Mann an einem AfD-Stand zeigen, der Flyer für die Demonstration der „Gelbwesten“ in Wiesbaden verteilt. Eine Nähe zu der Partei hatte die Initiatorin stets abgestritten und tut dies auch heute noch. „Wir sind weder rechts noch links“, so Scheld. Brisant ist das Foto auch, da der Mann ein blaues Poloshirt der „Identitären Bewegung“ trägt.

Dabei handelt es sich um eine Bewegung, die immer wieder in Berichten des Verfassungsschutzes auftaucht. Von mehreren Mitgliedern ist bekannt, dass sie Verbindungen in die rechtsextreme Szene pflegen. Auch gehörten einige Führungsaktivisten zuvor rechtsextremistischen Organisationen an. Die Aktionen der Bewegung richten sich meist gegen die Regierung, gegen Asylsuchende und gegen offene Grenzen und tragen Namen wie „Defend Europe“.

Für Sandra Scheld ist der Mann in dem Shirt aber durch das bloße Tragen noch lange kein Sympathisant oder gar Mitglied der Bewegung: „Diese Vorwürfe sind haltlos. Das T-Shirt, das hier angeprangert wird, könnte jeder Hartz-IV-Empfänger in der Kleiderkammer erhalten, wenn er sich eine neue Garderobe besorgt.“ Für sie sind die Vorwürfe an den Haaren herbeigezogen. „Es ist das Einfachste, den Menschen einen braunen Stempel zu verpassen. Unsere Ziele sind die Menschen aufzuwecken und der Regierung das Signal zu senden, dass es so nicht weitergeht.“ (ab)

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