Onlineportal nennt Wiesbaden hässlich

In einem Ranking des Onlineportals „Meine Orte“ zu den hässlichsten Städten des Landes, landet Wiesbaden auf dem dritten Platz. Nur zwei andere Städte seien demnach hässlicher. Wie kommen die Betreiber darauf?

Onlineportal nennt Wiesbaden hässlich

Das Nizza des Nordens, Spießbaden, oder einfach nur Landeshauptstadt — Wiesbaden hat viele Spitznamen, „dritthässlichste Stadt Deutschlands“ gehört aber eigentlich nicht dazu. Wenn man dem Onlineportal „Meine Orte“, in dem es um Städtereisen geht, Glauben schenkt, ist das aber so. In einem Ranking zu den hässlichsten Städten des Landes landet Wiesbaden auf Platz drei von 24. Nur Fürth und Neumünster sollen noch hässlicher sein. Merkurist-Leser Günter fragt sich in einem Snip, wie das Portal zu diesem Entschluss kommt.

Andere Merkurist-Leser rätseln bereits mit. „Zum Thema Schönheit gehört zwar noch etwas mehr, etwa bei der Herzlichkeit der Menschen hapert es für mein Empfinden etwas, aber die Architektur und die Landschaft sind sehr schön", schreibt Jens. „Die Architektur und die Landschaft machen Ecken wie den Luisenplatz leider nicht wett. Vielleicht rührt dieses Urteil genau daher?“, entgegnet Lili. Auch Müll und Lärm könnten den Lesern zufolge zu dem vernichtenden Urteil geführt haben. Doch was war es denn nun wirklich?

Keine Begründung, wenig Informationen

Das Onlineportal begründet das Ranking nur so: Das typische Bild einer schönen Stadt sei gezeichnet von vielen Grünflächen, Parks, einer schönen Altstadt, Wasser und vielen Freizeitangeboten. Hässliche Städte seien demnach genau das Gegenteil davon. Als Quellen für das Ranking nennt das Portal „diverse Foren und Rankings“, in denen immer die „gleichen Übeltäter“ genannt werden würden.

Wiesbaden verdiene seinen dritten Platz demnach aus folgendem Grund: „Die Landeshauptstadt von Hessen hat zwar einen hübschen historischen Ortskern und gehört zu den wohlhabendsten Städten, mit viel mehr kann sie jedoch nicht punkten.“ Was den Nutzern von Foren an der Stadt nicht gefallen hat und welche Rankings das Portal als Quelle für sein eigenes genutzt hat, erfährt der Leser nicht. Auch gegenüber Merkurist haben sich die Verantwortlichen bisher nicht dazu geäußert.

In Rankings anderer Unternehmen und Institutionen konnte Wiesbaden immerhin schon besser abschneiden. So landete die Stadt in Sachen „Wohlstand“ bei einer Studie der DekaBank auf dem ersten Platz. Von 25 untersuchten Städten gibt es in Wiesbaden außerdem die günstigsten Sehenswürdigkeiten und laut der Polizeilichen Kriminalstatistik von 2018 gehört die Stadt auch zu den sichersten des Landes.

Betreiber von „Meine Orte“ von Medienanstalt beobachtet

Die Betreiber der Seite „Meine Orte“ mussten übrigens schon einmal in einem anderen Fall Stellung beziehen — damals gegenüber der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB). Denn hinter der Seite steckt die „Ströer Social Publishing GmbH“. Das Unternehmen gehört seit 2016 zum Werbevermarkter Ströer, der mit T-Online.de auch ein seriöses Nachrichtenportal in Berlin betreibt.

Nach Recherchen der Nachrichtenwebsite „Buzzfeed News“ soll das Unternehmen Facebook-Gruppen mit vielen Fans gekauft haben, um möglichst hohe Reichweiten zu erzielen. Medien wie Brigitte, Gala, Bild, Bunte oder Bento hätten dann über die Gruppen bei „Ströer Social Publishing“ Werbe-Postings gekauft, ohne dass diese als Anzeigen gekennzeichnet wurden. Ströer kooperierte laut Medienberichten mit der MABB und nahm Stellung zu den Vorwürfen, der Verdacht auf Schleichwerbung habe sich nach Ermittlungen der MABB aber nicht erhärtet. (ab)

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