Die größte Kuckucksuhr der Welt steht doch nicht in Wiesbaden

In der Wiesbadener Burgstraße steht die „größte Kuckucksuhr der Welt“ - zumindest wenn man dem Geschäft selbst Glauben schenkt. Ganz richtig ist das zwar nicht, beliebt ist die Uhr aber trotzdem.

Die größte Kuckucksuhr der Welt steht doch nicht in Wiesbaden

„Kuckuck, Kuckuck“ — tönt es alle halbe Stunde aus der Wiesbadener Burgstraße. Der auffällige Ton kommt aus einer vor allem bei Touristen besonders beliebten Sehenswürdigkeit der Stadt. Denn in der Burgstraße steht die „größte Kuckucksuhr der Welt“ — so betitelt sie das Souvenir-Geschäft dahinter zumindest selbst. Ganz richtig ist das allerdings nicht.

Titel veraltet

Tatsächlich ist dieser Titel veraltet. Als die Kuckucksuhr 1946 aus einer Schnitzerei im Odenwald nach Wiesbaden kam, war sie noch die größte ihrer Art. Der Souvenirhändler Emil Kronenberg gab sie kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Auftrag. Er investierte staatliche Gelder, die er als Wiedergutmachung für Kriegsschäden erhalten hatte. Sein Ziel war es, mit der großen Uhr Touristen anzulocken und das Stadtbild mit einem für damalige Verhältnisse teuren Luxusartikel zu prägen.

Den Titel „Größte Kuckucksuhr der Welt“ bekam die Uhr 1953. 41 Jahre später lief ihr eine andere allerdings den Rang ab. Von 1990 bis 1994 wurde im Schwarzwald eine neue Kuckucksuhr gebaut, die seitdem vom Guinness-Buch der Weltrekorde offiziell als "weltweit größte" geführt wird. Ihr Durchmesser liegt bei rund 2,60 Meter, das Ziffernblatt der Wiesbadener Uhr hat nur einen Durchmesser von etwa zwei Metern. Die sechs Tonnen schwere Uhr steht im „Eble Uhrpark“ in Triberg, wo Besucher sie regelmäßig besichtigen können.

„Die Uhr im Schwarzwald ist wesentlich moderner gebaut. Sie hat keine Handschnitzereien wie unsere Wiesbadener.“ - Zeev Stern, Inhaber der Kuckucksuhr

Zeev Stern, Inhaber der Kuckucksuhr in Wiesbaden lässt sich davon aber nicht beirren. Für ihn sind die beiden Uhren nicht miteinander zu vergleichen: „Die Uhr im Schwarzwald ist wesentlich moderner gebaut. Sie hat keine Handschnitzereien wie unsere Wiesbadener", sagt er. Während die Wiesbadener Uhr von echter Handwerkskunst zeuge, habe man im Schwarzwald nur versucht eine Touristenattraktion zu schaffen. „Das Uhrwerk in Triberg ist in einem Haus verbaut. Die Mechanik ist nicht traditionell, stattdessen hat man nur versucht, die Uhr so groß wie möglich zu bauen", erklärt Stern. "Bei Reparaturen haben schon viele traditionelle Uhrmacher bestätigt, dass die Uhr von Wiesbaden authentisch ist.“

Ob sie nun die größte Kuckucksuhr der Welt ist, oder nicht, bei Touristen ist der Souvenir-Laden nach wie vor beliebt. Vor allem asiatische Touristen würden laut Stern Mitbringsel wie Räuchermännchen, Nussknacker und Holzpyramiden als Andenken an ihre Deutschlandreise mit Nachhause nehmen, so Zeev Stern. "In unserem Laden wurde seit der Gründung etwa eine Dreiviertel Millionen Kuckucksuhren verkauft. Das sind 750.000 Stück", bestätigt Stern auch den Werbeeffekt der großen Uhr an der Hausfront.

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