Die langen Wartezeiten am Bahnübergang Gibber Straße/Erich-Ollenhauer-Straße sind für viele Autofahrer ein tägliches Ärgernis. Eines, mit dem sie sich aber laut der Deutschen Bahn (DB) bis auf Weiteres arrangieren müssen. Denn sowohl technische, als auch fahrplanbedingte Ursachen führen zu den langen Rot-Phasen, die sich laut DB nicht so leicht abschaffen lassen.
Dauer-Rot seit 2007
Die Problematik der lange verschlossenen Schranken an der Gibber Straße existiert nicht erst seit gestern: Bereits 2007 wurde im Ortsbeirat Biebrich auf Antrag der CDU beschlossen, bei der DB wegen des „Aufstellens einer elektronischen Hinweistafel“ anzufragen, die bei lang geschlossener Schranke den Autofahrern eine Ausweichroute anzeigen sollte. Die CDU sprach 2007 von einer positiven Rückmeldung seitens der Deutschen Bahn und einer „echten Win-Win-Situation“, die die öffentliche Meinung über die Bahn verbessere, und Autofahrern eine Alternative gebe.
Das fast 20 Jahre alte Sitzungsprotokoll schildert die Situation nahezu deckungsgleich mit dem, was Merkurist-Leser heute berichten: Die Schranken des Bahnübergangs seien oft bis zu 25 Minuten am Stück geschlossen, und dann wieder nur sehr kurz passierbar. Dies sei wohl so seit Wegfall des Schrankenwärters. Doch was hat es damit auf sich?
Deutsche Bahn erklärt die Hintergründe
Auf Nachfrage von Merkurist erklärt die Deutsche Bahn nun die Hintergründe für die oft minutenlang geschlossenen Schranken. Der Hauptgrund für die langen Stopps sei die hohe Dichte an Zügen auf dieser Strecke, erklärt ein Bahnsprecher. Die Taktung der Verkehre sei hier besonders eng. Um einen sicheren und störungsfreien Bahnbetrieb zu gewährleisten, müssten die Schranken zwingend frühzeitig schließen. Die Sicherheit habe dabei höchste Priorität.
Seit der Umstellung auf neue Stellwerkstechnik in den 1980er-Jahren gäbe es keinen Schrankenwärter mehr vor Ort, der die Anlage manuell bedient. Vor dieser Umstellung hätte der Schrankenwärter im Vergleich zu heute öfter die Möglichkeit genutzt, die Schranken auch in kürzeren Zeitabständen zu öffnen. Stattdessen wird der Bahnübergang heute automatisch gesteuert. Zwar könnten sich die Schranken zwischen zwei Zügen öffnen, aber nur, wenn der Abstand zwischen ihnen groß genug ist. Aufgrund der engen Taktung sei das aber oft nicht der Fall.
Keine Anzeigetafel für Wartende
Die Hoffnung mancher Autofahrer auf eine elektronische Anzeigetafel, die über die Dauer der Schließung informiert, wurde von der Bahn zerschlagen. Eine solche Tafel habe es nie gegeben und sei auch künftig nicht geplant. Der Grund dafür sei technischer Natur. Der nachträgliche Einbau einer Anzeigetafel würde eine grundlegende und aufwendige Veränderung der Leit- und Sicherungstechnik erfordern. Dies sei in der Planung und Umsetzung zu komplex, so die Bahn. Autofahrer in Biebrich müssen sich also auch weiterhin in Geduld üben.