Fall Susanna: Wer waren Ali B's Helfer?

Am Mittwoch wurde der Prozess gegen Ali B. vor dem Wiesbadener Landgericht fortgesetzt. Die dort vernommenen Zeuginnen erklärten, dass Ali B. Susannas Leiche scheinbar nicht alleine vergraben hat.

Fall Susanna: Wer waren Ali B's Helfer?

Im Prozess um den Mord an der 14-jährigen Susanna F. aus Mainz wurden am Mittwochvormittag zwei Freundinnen der Schülerin vor dem Wiesbadener Landgericht als Zeuginnen vernommen. Beide waren auch mit Mansoor Q. befreundet. Dieser war zunächst als „Kronzeuge“ im Fall Susanna in Erscheinung getreten. Mittlerweile ist seine Rolle in dem Fall mehr als fraglich.

Die bisher getätigten Aussagen zu Ali B’s jüngerem Bruder Haji und dem Afghanen Mansoor Q. deuteten darauf hin, dass die beiden jungen Männer stets hilfsbereit und nett waren. Die beiden Zeuginnen zeichneten aber ein anderes Bild.

Bislang war aus vorangegangenen Verhandlungstagen bekannt, dass Ali B. die Tat seinem Freund Mansoor Q. gestanden haben soll. Dieser beichtete sein Wissen erst der Polizei, als B. bereits mit seiner Familie das Land verlassen hatte — aus Angst vor Rache. Zuvor teilte Q. sein Wissen aber bereits zwei jungen Mädchen im Alter von 15 und 16 Jahren mit, die darüber am Mittwoch befragt wurden. Beide waren gut mit Susanna befreundet.

Wer half beim Vergraben der Leiche?

Q. selbst hatte zuvor vor Gericht ausgesagt, dass B. verlangt habe, ihm beim Vergraben von Susannas Leiche zu helfen, was er — eigenen Angaben zufolge — aber verneint habe. Laut den beiden Zeuginnen soll Q. ihnen jedoch erzählt haben, dass er gemeinsam mit Ali B. und dessen jüngerem Bruder Haji am Tatort war. Gemeinsam hätten sie den leblosen Körper um 5 Uhr morgens am Tag nach der Tat in ein Erdloch geschleppt und dort mit Erde, Zweigen und Blättern versteckt.

Auch, so die Zeuginnen, sei die Gruppe vor der Tat zusammen gewesen. Haji habe Susanna noch zur Bushaltestelle bringen wollen, doch sie wollte nicht nach Hause. Zwar habe sie fliehen wollen, als sie mit Ali auf einem Feld war und er mit ihr schlafen wollte, doch Ali habe gedroht, sie bis nach Hause zu verfolgen, wenn sie jetzt gehen würde. Im weiteren Verlauf der Nacht sei dann die Tat geschehen.

Alis Bruder hingegen habe gegenüber den Zeuginnen geschworen, Susanna nach dieser Nacht noch lebend gesehen zu haben. Sein Bruder habe die 14-Jährige nicht ermordet. Q. habe die Zeuginnen dann aber an den Tatort geführt und ausführlich über die Tat erzählt. Mehrfach sei dabei auch Thema gewesen, wie er gemeinsam mit Ali und Haji die Leiche transportiert habe. Haji habe dabei die ganze Zeit geweint.

Klima der Angst

Der Angeklagte selbst nahm die Äußerungen regungslos zur Kenntnis. Auch, als eine der Zeuginnen schilderte, wie Ali sie angeschrieben habe und Bilder von ihrem Hintern verlangt hatte. Dies soll er auch bei anderen Mädchen, unter anderem einer 11-Jährigen, versucht haben. Sie sei nervös gewesen, wenn sie Ali gesehen habe, sagt eine Freundin über die Zeugin. „Sie wollte immer schnell weg, wenn er da war.“ Haji habe die 15-Jährige immer wieder vor seinem Bruder gewarnt. „Halt dich von ihm fern“, soll er nicht nur einmal gesagt haben.

„Ich hatte Angst, dass Ali kommt.“ - Zeugin

Ali sei der 15-Jährigen einmal auch in der Stadt hinterhergelaufen. „Ich hatte Angst vor ihm und bin weggelaufen.“ Dieser habe sie dann über ein paar Meter verfolgt. Diese Erlebnisse führten auch dazu, dass die Zeugin nicht zur Polizei gegangen ist. „Ich hatte Angst, dass Ali kommt“, sagte sie. Letztendlich fingierte sie einen anonymen Anruf, durch den sie angeblich über das Verbrechen gegenüber ihrer Freundin Susanna informiert worden sei. Anschließend rief sie Susannas Mutter an und gab die Informationen weiter, die sie eigentlich von Mansoor Q. erlangt hatte. (nl)

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