„Wenn Du aussagst, ficke ich Dich!“ - Ali B. bedroht Zeuge

Im Prozess um die getötete Mainzer Schülerin Susanna F. hat am Mittwoch ein Mithäftling des Angeklagten ausgesagt. Dieser belastet Ali B. schwer und wurde von diesem bedroht.

„Wenn Du aussagst, ficke ich Dich!“ - Ali B. bedroht Zeuge

Am Mittwoch hat ein Mithäftling von Ali B. im Prozess um die getötete Susanna F. aus Mainz ausgesagt. Dieser hatte im Vorfeld in der JVA ein Schreiben erhalten, in dem ihm mutmaßlich der Angeklagte gedroht hatte, wenn er vor Gericht reden würde.

Der Mithäftling hatte sich zuvor in einem Brief an Staatsanwältin Kolb-Schlotter gewandt. Der Angeklagte habe ihm beim gemeinsamen Besuch eines Malkurses in der JVA in Frankfurt Details über den Mord und die Vergewaltigung von Susanna F. erzählt, die sich stark von seiner Aussage vor dem Wiesbadener Landgericht unterscheiden. Daraufhin wurde auch er vor Gericht geladen.

Drohbrief erhalten

„Sag nicht aus, wenn Du keine Probleme haben willst.“ - Ali B.

Am vergangenen Sonntag habe er dann von einem Mithäftling ein Schreiben aus „Haus G“ bekommen, dem Bereich, in dem Ali B. untergebracht ist. In dem Schreiben, das mit „Hi du Pisser“ beginnt, steht sinngemäß, dass er nicht vor Gericht aussagen solle. „Pass auf Dich auf und halt Deinen Mund. Wenn ich Dich im Knast sehe, ficke ich Dich“, steht darin weiter. „Sag nicht aus, wenn Du keine Probleme haben willst.“ B. selbst sei dieses Schreiben nicht bekannt, wie er am Mittwoch sagte, der Mithäftling war sich jedoch sicher, dass das Schreiben von dem Angeklagten ist und nehme dieses sehr ernst.

In einem Malkurs sollen sich B. und sein Mithäftling angefreundet haben. Nach und nach habe man sich immer besser kennengelernt und sich dann auch erzählt, warum man im Gefängnis säße. Demzufolge habe B. gesagt, dass Susanna in der besagten Nacht keinen Sex mit ihm haben wollte. B. habe gesagt, er habe sich dann aber „geholt, was er haben wollte“. Dabei sei auch explizit das Wort „Vergewaltigung“ gefallen.

Im Anschluss habe Susanna angekündigt, zur Polizei gehen zu wollen, woraufhin B. sie erwürgt habe. Als sie bereits tot war, so die Schilderungen B.’s gegenüber seinem Mithäftling, habe B. ihren Kopf überstreckt, um ihr dadurch einen Wirbel zu brechen. Anschließend habe er seinen 12-jährigen Bruder und Mansoor Q. angerufen, die ihm daraufhin beim Ausheben einer Grube geholfen haben sollen. Q., der auch bereits als Zeuge vernommen wurde, hatte ein Mitwirken an der Tat bislang bestritten.

Hoffen auf Jugendstrafe und Totschlag

B. habe dem Mithäftling auch erzählt, dass er vor Gericht bewusst gelogen habe. „Er hofft dadurch, wegen Totschlags verurteilt zu werden und nicht wegen Mordes“, sagt er. Außerdem hoffte der Iraker darauf, nach Jugendstrafrecht verurteilt zu werden. „Aber er hat mir gesagt, dass er damals 21 war, also geht das ja gar nicht“, so der Mithäftling vor Gericht.

Auch neue Details zu der Vergewaltigung einer 11-Jährigen, wegen der Ali B. und Mansoor Q. in einem gesonderten Verfahren angeklagt sind, offenbarte B. seinem Mitgefangenen. Demnach berichtete er diesem, er habe die 11-Jährige zweimal in seinem Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft in Erbenheim vergewaltigt, auch Mansoor Q. habe mitgemacht. B.’s jüngerer Bruder habe die Tat mit seinem Handy gefilmt. Dass Mansoor B. verraten habe, werde Konsequenzen haben, soll B. außerdem gesagt haben. „Meine Onkel werden sich an ihm rächen“, habe er erklärt.

„Das ist abartig.“ - Mithäftling über die Taten von Ali B.

„Das ist abartig“, so der Mithäftling vor Gericht über die Vergehen des Angeklagten. Weil er nicht wollte, dass B. um seine „gerechte Strafe“ herumkommt, habe er sich an seine Anwälte und die zuständige Staatsanwältin gewandt. Und auch er hofft, durch seine Mithilfe an der Aufklärung im Fall Susanna F. eine mildere Strafe zu bekommen. Zunächst muss er aber besonders geschützt werden, da ihm mehrere Mitarbeiter der JVA von einer Aussage abgeraten hätten.

Konkret sollen die Pfarrerin, die Psychologin sowie die Abteilungsleiterin und der Bereichsleiter der JVA ihm nahegelegt haben, nicht auszusagen. „Sie haben gesagt, ich würde dann Probleme bekommen. Und die JVA soll auch keine Probleme bekommen“, so der Zeuge vor Gericht. Auch diese Aussagen müssen nun genauer untersucht und aufgeklärt werden.

Sollte das Gericht den Ausführungen des Zeugen folgen, könnten seine Aussagen den Angeklagten schwer belasten. Es kamen aber auch Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen auf, da er sich teilweise in Widersprüche verstrickt hatte und auch die Verteidigung mehrmals ungläubig nachfragte, ob man ihm tatsächlich von einer Aussage abgeraten hätte. Der Prozess wird am Mittwoch, den 29. Mai, fortgesetzt.

Logo