Hätte Susannas Tod verhindert werden können?

Die Anklageschrift im Fall Ali B. wirft neue Fragen auf. In dem Dokument, das dem SWR vorliegt, wird beschrieben, dass Susanna eine Freundin um Hilfe gebeten haben soll. Diese informierte jedoch anscheinend nicht die Polizei.

Hätte Susannas Tod verhindert werden können?

Am Dienstag startet der Prozess gegen Ali B., den mutmaßlichen Mörder der 14-jährigen Susanna F. aus Mainz. Er muss sich vor dem Wiesbadener Landgericht wegen des Verdachts auf heimtückischen Mord, Vergewaltigung und schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie weiteren Straftaten verantworten.

„Wenn das geschehen wäre, wäre es möglich gewesen, die Tat zu verhindern.“ - Petra Kaadtmann, Anwältin von Diana F.

In der Anklageschrift, die dem SWR vorliegt, werden neue Details bekannt, aber auch neue Fragen aufgeworfen. So ist davon die Rede, dass Susanna einen Hilferuf an eine Freundin abgesetzt haben soll. In einem Messenger schrieb sie, dass sie Angst habe und dass Ali B. sie nicht gehen lassen wolle. Die Anwältin der Mutter von Susanna, Petra Kaadtmann, zeigte sich gegenüber dem SWR entsetzt davon, dass diese Freundin im Anschluss weder Polizei noch sonst wen informiert hatte. „Wenn das geschehen wäre, […] wäre es möglich gewesen, die Tat zu verhindern“, sagt sie. Susannas Freundin habe ihr lediglich geantwortet, dass sie nach Hause fahren soll.

Auch erhebt Susannas Mutter im Gespräch mit dem SWR Vorwürfe gegenüber der Polizei. Sie habe mehrmals täglich angerufen, der Polizei von mysteriösen Nachrichten von ihrer verschwundenen Tochter erzählt. „Irgendwann sagte man mir, ich solle mich nur melden, wenn ich konkrete Hinweise habe.“ Die Mainzer Polizei weist die Vorwürfe zurück, erklärt man habe jeden Hinweis bewertet und ernst genommen.

Ali B. will aussagen

Im Prozess gegen Ali B. tritt Susannas Mutter als Nebenklägerin auf. Wie die Bild von den Anwälten des Irakers erfahren habe, will dieser bei den Verhandlungen aussagen. Vor dem Landgericht sind zunächst elf Verhandlungstage angesetzt, weitere könnten folgen. In einer gesonderten Verhandlung geht es um die Rolle von Mansoor Q., den die Staatsanwaltschaft auf mindestens 14 Jahre schätzt (wir berichteten). Ob auch er an dem Mord beteiligt war, soll vor der Jugendstrafkammer geklärt werden.

(nl/lp)

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