„Ich habe eine Schlampe getötet“ - Zeuge belastet Ali B.

Am Donnerstag hat Mansoor Q. vor dem Wiesbadener Landgericht gegen Ali B. ausgesagt. Neue Details und Einblicke in den Mordfall Susanna F.

„Ich habe eine Schlampe getötet“ - Zeuge belastet Ali B.

Als Mansoor Q. am Donnerstagmorgen den Saal im Wiesbadener Landgericht betritt, hat er Angst. Angst vor dem Mann, der im vergangenen Jahr die 14-jährige Susanna F. vergewaltigt und ermordet haben soll. Die Angst ist so groß, dass Ali B. den Raum verlassen muss und dem Geschehen nur über einen Video-Stream folgen kann. Zuvor suchte B. ständigen Blickkontakt, fixiert den Zeugen, versucht, ihn einzuschüchtern.

Diese Angst kommt nicht von ungefähr. Wie der 14-jährige Q. schildert, habe B. ihm im vergangenen Jahr im Kurpark ein Messer an den Hals gehalten. Durch das Eingreifen von Freunden konnte Schlimmeres verhindert werden.

Der Zeuge Q. wird merklich lockerer, als B. den Raum verlässt. Ließ er zunächst noch seinen Dolmetscher für sich antworten, werden die Sätze, die er zum Fall Susanna erzählt, jetzt nicht nur länger. Er spricht auch auf Deutsch. Und es sprudelt nur so aus ihm heraus.

So erfährt das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Jürgen Bonk etwa, dass Ali nicht der - wie Q. im Beisein des Angeklagten angibt - „gute Junge“ ist, der „immer bereit war, zu helfen.“ Der Messerangriff B’s im Kurpark sei auch nicht grundlos erfolgt. Vielmehr habe Q. ihn davon abhalten wollen, eine Passantin zu vergewaltigen. „Er wollte, dass ich ihm dabei helfe“, sagt Q. „Aber ich habe ihn davon abgehalten. Da wurde er sehr sauer und dann ist es passiert.“

Deutsche Mädchen waren für ihn Schlampen

Überhaupt sind es viele neue Details, die Q. als erster Zeuge im Prozess gegen B. über den Beschuldigten preisgibt. „Alle haben Angst vor Ali und seiner Familie gehabt“, sagt der 14-Jährige. Ali B. soll eine Pistole und mehrere Messer gehabt haben. Seine Brüder, die mit Drogen gehandelt haben sollen, sollen gleichwertig bewaffnet gewesen sein. So verwundert es auch nicht, dass Q. den Beschuldigten erst bei der Polizei anzeigte, als er erfahren hatte, dass dieser mit seiner Familie das Land in Richtung Irak verlassen hatte.

Damals, kurz nach dem Auffinden der Leiche von Susanna, galt Q. als Kronzeuge, als Beleg für gelungene Integration. Wenig später wurde bekannt, dass auch Q. ein Mädchen vergewaltigt haben soll, was er bestreitet. Er muss sich dafür in einem weiteren Verfahren verantworten. Für kurze Zeit war auch er einer der Verdächtigen im Mordfall Susanna F.

Q. schildert am Donnerstag, dass B. zwar gerne eine deutsche Freundin gehabt hätte, diese für ihn aber wiederum auch alle „Schlampen“ waren. Dass er Alkohol wie Wasser herunterkippte und dass alle Angst vor Ali und seiner Familie hatten. „Und wenn er gesagt hat: ‘Komm mit, mach dies oder das’, dann habe ich das gemacht.“

Der Mordfall aus der Sicht des Zeugen

Von dem Mord an Susanna hat Q. einen Tag später erfahren. „Ich habe eine Schlampe umgebracht“, soll B. gesagt haben. Mansoor habe das zunächst nicht geglaubt. Als B. dann aber beschrieb, dass er Susanna zunächst mit einem Ast die Luft weggedrückt hatte und sie dann aus Angst dem Verkehr zustimmte, glaubte er ihm. B. habe weiter erklärt, dass Susanna eine blutige Wunde von dem Ast davongetragen habe. Sie hätte zwar beteuert, nicht zur Polizei gehen zu wollen, doch B. zweifelte daran und habe sie dann so lange mit seinem Arm gewürgt, „bis etwas Weißes aus ihrem Mund kam und sich ihre Füße nicht mehr bewegt haben.“

Anschließend wollte B., dass Mansoor ihm beim Vergraben der Leiche hilft, was dieser aber nicht tat. Vielmehr versuchte er im Anschluss, Ali B. so gut es ging aus dem Weg zu gehen. Als B. dann nach Frankreich gereist war, hoffte Q., ihn nie wieder sehen zu müssen. Doch zufällig trafen sie sich wenige Tage später am Wiesbadener Hauptbahnhof wieder. „Warum bist du wieder hier?“, habe Q. ihn gefragt. „Ich musste weg aus Frankreich, ich habe jemanden getötet“, soll Ali geantwortet haben. Warum er das tat? „Muss, muss“, soll seine Antwort gewesen sein, die er, so sagt es Q., mit einem gewissen Stolz gab.

Erst als Ali und seine Familie ein weiteres Mal verschwanden, dieses Mal in den Irak, fasste Q. den Mut, zur Polizei zu gehen. „Ich habe meiner Mutter alles erzählt. Sie hat mir gesagt ich soll es der Polizei sagen.“ Doch auch vor Konsequenzen der Vergewaltigung einer 11-Jährigen hatte Q. Angst. „Aber meine Mutter sagte, es geschieht, was geschieht, Gott wird es richten.“

Für Q. war Susanna ein schüchternes, aber nettes Mädchen. „Sie war ein starkes Mädchen und mit vielen befreundet“, sagt Q. Von ihr erfuhr er auch, dass Ali sie schon zwei Mal habe vergewaltigen wollen. Es sei aber nur zum „Befummeln“ gekommen, wie er es nennt. Sex habe sie mit niemandem gehabt, „sie hat das gehasst, sie wollte das nicht. Und sie hat Ali gehasst.“ Laut Q’s Aussagen wollten er und ein Freund sie vor B. beschützen. Sie habe Angst vor ihm gehabt, der bloße Anblick habe ihr Gänsehaut bereitet. „Wir sind für dich da, du kannst uns jederzeit anrufen“, habe Q. zu ihr gesagt.

Ob sich der Beschuldigte zu den Vorwürfen äußern wird, ist unklar. Er hatte zuvor bereits angegeben, nichts mehr zur Sache sagen zu wollen. Gelegenheit dazu hat er am 2. April, wenn der Prozess fortgesetzt wird. (ms/nl)

Logo