Warum Wiesbadener Lokale am Wochenende rot leuchten

Mit der „Broken Heart“-Aktion will die hessische Gastronomie- und Hotelbranche am Wochenende auf sich aufmerksam machen. Die Branche werde in Bezug auf Lockerungen vergessen, so der Gastronomieverband. Auch Wiesbadener Lokale beteiligen sich.

Warum Wiesbadener Lokale am Wochenende rot leuchten

Während am Montag die 2G-Regel im Einzelhandel weggefallen ist, gilt in hessischen Restaurants, Cafés und Bars nach wie vor die strenge 2G-Plus-Regel. Um auf die Lage des Gastgewerbes aufmerksam zu machen, beteiligen sich am Wochenende mehrere Lokale hessenweit an der „Broken Heart“-Aktion und beleuchten ihre Räume rot. Auch Wiesbadener Betriebe wie Tillys Café Walz, das Heaven, die Badhaus Bar und das Lenz machen mit.

Branche will ein Zeichen setzen

„Wir haben endlich die Möglichkeit mal wieder ein Zeichen zu setzen, zumindest optisch“, sagt Sascha Lenz von der Bar „Lenz-Genuine Drinks“ in der Wagemannstraße. Seine Bar wird von Samstag bis Dienstag außen rot leuchten, obwohl sie zurzeit geschlossen ist. Sascha Lenz hatte Ende Januar entschieden, sein Lokal wegen der Corona-Lage vorerst zu schließen. Am 17. Februar wird die Bar wieder öffnen. Er hofft, dass die „Broken Heart“-Aktion etwas bewirkt. „Vielleicht reagiert ja die Politik mal auf uns, werden wir doch meistens bei Öffnungsstrategien übergangen.“ Die Branche fühle sich bei der Umsetzung der Maßnahmen wie der „verlängerte Arm der Politik“. Man kontrolliere mehr als jede andere Branche, „meistens sogar mehr als verschiedene Ordnungsbehörden.“

„Ich will endlich wieder Gastgeber sein und meinen Gästen einen schönen Abend bereiten.“ - Sascha Lenz, Lenz-Genuine Drinks

Lenz wünscht sich ein Umdenken in der Politik und einen fairen Umgang mit der Branche. „Weg mit 2G+, weg mit Abständen im Außenbereich und endlich Schluss mit dem Kontrollwahnsinn, den wir bei den Gästen beim Einlass anwenden müssen“, sagt der Bar-Betreiber. „Ich will endlich wieder Gastgeber sein und meinen Gästen einen schönen Abend bereiten.“

Ähnlich geht es vielen anderen Lokalbetreibern in Hessen. Die „Broken Heart“-Aktion wird gemeinsam von den Betreibern und dem Hotel- und Gastronomieverband Dehoga organisiert. „Dass das Gastgewerbe in Bezug auf Lockerungen wieder einmal vergessen worden ist, ist nicht mehr hinnehmbar“, so der Dehoga. „Deshalb sagen die gastgewerblichen Betriebe hier und jetzt: Stopp!“. Dieses „Stopp“ soll durch die rote Beleuchtung an den Lokalen sichtbar gemacht werden. Außerdem wendet sich die Branche vor der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz an die Landtags- und Bundestagsabgeordneten. „Die Mandatsträger sollen verstehen: Wenn das Gastgewerbe ausblutet, bricht’s dem Ort das Herz.“

Forderungen an die Politik

Der Dehoga hat gemeinsam mit seinen Mitgliedern mehrere Forderungen an die Politik verfasst. So erwarte die Branche einen „einheitlichen, verantwortungsvollen und verständlich erklärten Kurs hinein in das Frühjahr“. Nachdem die 2G-Regel im Handel abgeschafft wurde, sollte nun zumindest die 3G-Regel in der Innengastronomie und in Hotels gelten. In der Außengastronomie sollten nach Meinung des Dehoga die Einschränkungen wegfallen. Aktuell gilt dort die 2G-Regel.

Außerdem soll die Politik die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen entfristen. Das wäre ein „Mut machendes Signal, ein Zeichen der Wertschätzung“ und würde die Unternehmen stärken, so der Verband. Auch die Mehrwertsteuer auf Getränke soll reduziert werden. Fünfzig Prozent der Betriebe müssten außerdem Kurzarbeit anmelden und ab April die Sozialversicherungsbeiträge in voller Höhe zahlen. „Zum Erhalt und der Sicherung der Arbeitsplätze benötigen die Unternehmen rückwirkend zum 1. Januar die volle Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge.“ Ebenso müsse bei der Überbrückungshilfe nachgebessert werden: Der Dehoga fordert eine Erhöhung des Eigenkapitalzuschusses.

„Das langsame Sterben der Betriebe muss ein Ende haben.“ – DEHOGA

Der Unmut nach zwei Jahren Pandemie sei im Gastgewerbe groß, so der Verband. Existenzen und Arbeitsplätze seien in Gefahr, weshalb jetzt gehandelt werden müsse. „Das langsame Sterben der Betriebe muss ein Ende haben.“

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