Fotograf verbindet die Geschichte Wiesbadens mit der Moderne

Um die Veränderung der Stadt zu zeigen, fotografiert Thomas Weinsheimer alte Postkarten vor bekannten Wiesbadener Motiven. Um dabei den richtigen Winkel zu finden, ist Einiges an Vorarbeit nötig.

Fotograf verbindet die Geschichte Wiesbadens mit der Moderne

Es ist ein schöner Sommertag in der Wiesbadener Taunusstraße. Männer mit Zylinder und Gehstock schlendern gemeinsam mit Frauen in großen Kostümen die Geschäfte entlang. Als sich aus Richtung des Kurparks eine Straßenbahn nähert, müssen die zahlreichen Pferdekutschen auf der Straße weichen.

Man merkt schnell, dass wir uns nicht im Wiesbaden des Jahres 2018 befinden, sondern eher in der Kaiserzeit um 1900. Dass man diese zwei Epochen aber sehr gut miteinander verbinden kann, will der Fotograf Thomas Weinsheimer zeigen. In einem Projekt stellt er alte Postkarten aus Wiesbaden den Motiven der heutigen Zeit gegenüber.

Veränderungen zeigen

„Ich fand es faszinierend zu zeigen, was sich in der Zeit verändert hat und was nicht.“ - Thomas Weinsheimer

Die Idee für das Projekt hatte Weinsheimer schon vor zwei Jahren, als der gebürtige Rüdesheimer alte Postkarten aus dem Rheingau vor den aktuellen Hintergründen ablichtete. „Ich fand es faszinierend zu zeigen, was sich in der Zeit verändert hat und was nicht“, erklärt er. Jetzt möchte er das Projekt auch in Wiesbaden realisieren. Dazu hatte er sich zunächst bei verschiedenen Händlern eine große Sammlung alter Postkarten aus Wiesbaden besorgt. Bei den ersten Rundgängen durch die Stadt stellte er aber schnell fest, dass sich nicht alle Karten für eine Gegenüberstellung eignen: „Wenn sich das Umfeld des Motivs komplett verändert hat, also etwa ein Gebäude gar nicht mehr steht, mach ein Vorher-Nachher Vergleich wenig Sinn.“

Durch die geringe Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bietet Wiesbaden aber genug Perspektiven für einen historischen Vergleich. „Gerade das Kurhaus bot sich natürlich besonders gut an“, so Weinsheimer, „aber ich werde dort sicher noch ein paar Bilder knipsen, wenn mehr Publikumsverkehr herrscht.“

Die Bilder entstehen dabei nach längerer Vorarbeit: „Bis man die richtige Perspektive hat und sich alle Blickwinkel genau betrachtet hat, vergeht schon etwas Zeit“, so Weinsheimer. Bei anderen Motiven war es zunächst ein Problem, herauszufinden, wo sich diese genau befanden: „Ich hatte eine Postkarte eines Cafés, wo mir erst vor Ort aufgefallen war, dass ich mich in der falschen Straße befinde.“ Weinsheimer findet, dass man mit der Postkarte in der Hand einen ganz neuen Blick auf die Stadt erhält: „Besonders fällt einem auf, wie anders die Straßen ohne die Autos aussehen.“

Panoramabild

Zwar sind die ersten Bilder schon gemacht, das Projekt soll aber noch die nächsten Monate fortgesetzt werden. Weinsheimer hat auch schon das nächste große Projekt vor sich: „Ich plane das größte Panoramafoto Wiesbadens.“ Aus über 1000 Einzelbildern ensteht dabei ein großes Motiv. Durch eine entsprechend hohe Auflösung sollen dabei alle Motive noch gut erkennbar zu sehen sein.

Mehr zu Thomas Weinsheimer und seinen Bildern kann man auf seiner Homepage nachlesen.

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