Wie in Wiesbaden zurzeit Desinfektionsmittel hergestellt wird

Um Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen zu versorgen, haben sich mehrere Firmen aus der Region zusammengeschlossen. Sie produzieren jetzt in Wiesbaden Desinfektionsmittel.

Wie in Wiesbaden zurzeit Desinfektionsmittel hergestellt wird

Begleitet von einer Eskorte der Stadtpolizei transportieren die Mitarbeiter der InfraServ-Werksfeuerwehr derzeit ganz besondere Ware durch Wiesbaden: Sie sorgen dafür, dass hochprozentiger Alkohol in den Industriepark Kalle-Albert kommt. Dort soll er zu Desinfektionsmittel verarbeitet werden — ein Produkt, das seit Ausbruch des Coronavirus auch in Wiesbaden dringend gebraucht wird.

Desinfektionsmittel aus Alkohol

Um für Nachschub zu sorgen, haben sich mehrere Firmen aus der Region für die neue Produktion zusammengeschlossen. Grundlage für das Hygieneprodukt ist hochprozentiger Alkohol, den die Sektkellerei Henkell-Freixenet spendet (wir berichteten). Die rund 50.000 Liter, die die Firma bereitstellt, stammen laut Kommunikationschef Jan Rock aus der Produktion von alkoholfreiem Sekt und Wein, wo der Alkohol den Getränken entzogen wird. „Im engen Austausch mit der Stadt Wiesbaden haben wir die Idee entwickelt, den aus der Entalkoholisierung resultierenden Alkohol an Wiesbadener Krankenhäuser und Gesundheitsabnehmer zu spenden“, wie Rock bereits erklärte.

Der Plan wird derzeit in die Tat umgesetzt: An die Helios Dr. Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) konnten laut Industrieparkbetreiber InfraServ bereits erste Mengen des fertigen Mittels ausgeliefert werden. Weitere Ladungen gingen an das Logistikzentrum der Aukamm-Apotheke (AUMEAS-Apothekenverbund), von wo aus die Verteilung an städtische Bedarfsträger organisiert wird.

Eskorte mit Blaulicht

Um aus dem gespendeten Alkohol Desinfektionsmittel herzustellen, bringen die Feuerwehrkräfte den Grundstoff in den Industriepark Kalle-Albert. Zwar ist der Weg von der Sektkellerei in der Biebricher Allee bis zu den Industrieanlagen am Rheinufer kurz, dennoch seien viele Vorsichtsmaßnahmen für die Fahrt notwendig.

„Es ist gut zu wissen, dass wir in solchen Situationen auch die Bevölkerung und deren Versorgung unterstützen können und dürfen“ - Thorsten Wenderhold, Leiter InfraServ-Werksfeuerwehr

Der reine Alkohol wird von Henkell-Freixenet in großen Gebinden bereitgestellt. Um sicherzugehen, dass die Ladung heil bei Kalle-Albert ankommt, sichert die Stadtpolizei den Transport auf den Straßen - und zwar als Eskorte mit Blaulicht. „Für diese Art von Spezialeinsätzen mit Gefahrgut und anderen Stoffen ist die Werkfeuerwehr des Industrieparks ausgebildet und ausgerüstet“, versichert Thorsten Wenderhold, Leiter der Werksfeuerwehr bei InfraServ. Dort freue man sich über den Spezialauftrag in Biebrich. „Es ist gut zu wissen, dass wir in solchen Situationen auch die Bevölkerung und deren Versorgung unterstützen können und dürfen“, spricht Wenderhold auch für seine Kollegen.

Im Industriepark startet dann die eigentliche Produktion. Dafür hat die dort ansässige Firma Merck vor einigen Wochen eine Anlage umfunktioniert. Normalerweise, so erklärt Standortleiter Dirk Schmalz, diene sie der Herstellung von hochreinen Produkten in der Halbleiter-Industrie. Doch jetzt wird sie für das neue Gemeinschaftsprojekt zur Verfügung gestellt. Durch die kurzen Wege und die schnelle Improvisation im Industriepark konnten laut InfraServ bereits rund 20.000 Liter Alkohol in Desinfektionsmittel umgewandelt werden. Weitere 30.000 folgen in den kommenden Wochen. (ab)

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