„Angstplätze“ im Westend stehen im Fokus von Stadt und Polizei

Ein Präventionsprogramm und Stadtteilanalysen geben Aufschluss über das Leben im Westend. Stadt und Polizei wollen Probleme wie Überbelegung von Mietshäusern, Vermüllung und Trinkertreffs jetzt gemeinsam angehen.

„Angstplätze“ im Westend stehen im Fokus von Stadt und Polizei

Rund 18.000 Einwohner leben im Wiesbadener Stadtteil Westend. Damit zählt es nicht nur zu einem der am dichtesten besiedelten Gebiete der Stadt, sondern deutschlandweit. „Wo so viele Menschen aufeinander treffen, kommt es auch zu Problemen“, weißt Bürgermeister Oliver Franz (CDU). Die Ergebnisse von Stadtteilanalysen und Studien zeigen ihm, dass im Stadtteil Handlungsbedarf besteht.

„An vielen Stellen konnten wir schon ansetzen.“ - Polizeipräsident Stefan Müller

Die wichtigsten Infos über das alltägliche Leben im Stadtteil, so Franz, habe jetzt das Präventionsprojekt „Kompass“ geliefert. „An vielen Stellen konnten wir schon ansetzen, doch wir haben noch viele mittel- bis langfristige Maßnahmen vor uns“, sagt Stefan Müller, Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen.

Überbelegung von Mietshäusern

„Es kommt im Bereich des Inneren Westendes zu Immobilienkonzentrationen bestimmter Familien“, sagt er. Dabei agieren laut Müller die Familien als Investoren für Mehrfamilienhäuser, und vermieten die Wohnungen weiter. „Das kann zum einen zu einer Millieubildung führen, zum anderen beobachten wir in diesen Gebäuden oft Überbelegungen“, sagt Müller.

Auch Franz kennt das Problem. „Oft wird das Objekt dann nach wenigen Jahren weiter verkauft. Die Instandhaltung der Gebäude kommt in der Regel zu kurz, stattdessen versuchen die Mieter die Investition durch zu hohe Mieten für zu kleine Wohnflächen wieder reinzuholen“, erklärt er die Vorgehensweise. Er findet, dass die Stadt den Käufern zuvor kommen muss, wie genau, stehe aber noch nicht fest.

Neunutzung in Planung

„Man könnte die Überbelegung der Miethäuser stoppen, indem die Stadt die leeren Gebäude kauft und wohnungswirtschaftlich sinnvoll nutzt“, so Franz’ Idee. Konkret denke er dabei an Studenten- oder Auszubildenden-Wohnheime.

„Was oft auffällt, ist, dass es in diesen Wohnobjekten auffällig viele Anhäufungen von Haus- und Sperrmüll gibt“, zeigt Müller eine weitere Folge der Überbelegungen auf. Die Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW) haben bereits ihre Reinigungs- und Sammelintervalle im Stadtteil erhöht, dennoch klagen viele Wiesbadener über Dreck auf den Straßen des Stadtteils.

Platz der Deutschen Einheit

Ebenso stehe der Platz der Deutschen Einheit weiter im Fokus des Programms „Kompass“. Eine Studie der Stadt Wiesbaden hat erst vor Kurzem gezeigt, dass viele junge Bewohner den Platz als „Angstplatz“ sehen. „Das liegt zum Teil an den Alkoholikern, die sich regelmäßig dort aufhalten“, sagt Müller. Zwar herrsche dort ein Alkoholverbot, an dieses halte sich das Klientel jedoch nicht. „Es gibt mehrfach am Tag Kontrollen. Doch wer des Platzes verwiesen wird, sucht sich in den Nachbarstraßen einen neuen Platz“, beschreibt Müller den Alltag.

„Das Problem wird nicht gelöst, es wird nur verlagert.“ - Bürgermeister Oliver Franz

„Dadurch wird das Problem nicht gelöst, es wird nur verlagert“, stimmt auch Franz zu, der das Verbot um zwei Jahre verlängert hat. „Wir brauchen hier eine andere Herangehensweise“, räumt er ein. Der Bürgermeister will jetzt mit anderen städtischen Gremien besprechen, welche Möglichkeiten es gibt. „Wir brauchen ein Konzept mit Sozialarbeitern und müssen ins Gespräch kommen, welche anderen Möglichkeiten wir haben.“

Haltestelle in der Bleichstraße

Nicht zuletzt will die Polizei außerdem die Bushaltestelle am Platz der Deutschen Einheit in der Bleichstraße mehr ins Visier nehmen. „Die Bussteige B bis D sind Kriminalitätsschwerpunkte“, sagt Müller. Allein 2019 habe es dort 68 Straftaten gegeben. „Die Bussteige sind zu klein für die Ströme an Menschen, die sich dort täglich aufhalten“, sagt er. Unter anderem steigen laut ESWE Verkehr rund 1000 Fahrgäste (Schätzzahl) täglich an der Haltestelle ein und aus, sagt Müller. Hinzu kommen Umsteiger und Passantenströme sowie Besucher des dort ansässigen Wettbüros. (df)

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