Zwischenbilanz nach einem Jahr Waffenverbotszone in Wiesbaden

Seit dem 1. Januar 2019 begehen Wiesbadener eine Ordnungswidrigkeit, wenn sie Waffen oder gefährliche Gegenstände in der Innenstadt bei sich tragen. Die Initiatoren der Waffenverbotszone haben in den ersten 12 Monaten schon einiges gefunden.

Zwischenbilanz nach einem Jahr Waffenverbotszone in Wiesbaden

Pfefferspray, ein Nothammer aus dem Bus, Baseballschläger und Schreckschusspistolen — Die Liste der Gegenstände, die bei Kontrollen in der Waffenverbotszone in der Innenstadt gefunden wurden, ist lang. „Wir kommen derzeit auf 132 Gegenstände nach 104 Kontrolltagen“, fasst Hans-Peter Erkel, Leiter des Ordnungsamtes Wiesbaden zusammen.

Mehr als 100 der sichergestellten Gegenstände seien Messer gewesen, die Auswahl habe dabei von einfachen Taschenmessern bis zum doppelklingigen Karambit gereicht. Sie dürfen in den Abendstunden ab 21 Uhr nicht mehr in der Zone mitgeführt werden. „In 80 Fällen wurden bereits ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit eingeleitet, die weiteren Fälle sind Bearbeitung“, erklärt Erkel die Konsequenzen für die Träger der Gegenstände.

Rückgang von Straftaten

Mit den Ergebnissen der Kontrollen seien alle Beteiligten von Stadt, Ordnungsamt und Polizei derzeit zufrieden. Polizeipräsident Müller sieht sogar einen Zusammenhang zwischen der hohen Beamtenpräsenz im Stadtgebiet und dem Rückgang der Straftaten, die 2019 in der Innenstadt auf öffentlichen Straßen begangen wurden.

Konkret besagt die Statistik dazu, dass allein die Zahl der Straftaten mit Waffen seit der Einführung der Waffenverbotszone in den betroffenen Straßen um rund 38 Prozent gefallen ist, Sexualdelikte um 50 Prozent, Körperverletzungen um rund 10 Prozent. Dennoch zeigt eine Statistik zur Waffenverbotszone, dass sich die Funde bei den Kontrollen in bestimmten Bereichen in und rund um die Fußgängerzone häufen.

„Die meisten Sicherstellungen verzeichneten wir im hinteren Ende der Langgasse.“ - Hans-Peter Erkel, Ordnungsamt Wiesbaden

„Die meisten Sicherstellungen verzeichneten wir im hinteren Ende der Langgasse zwischen dem Schnellrestaurant und dem Kranzplatz, auf dem Mauritiusplatz und auf dem Platz der Deutschen Einheit“, nennt Erkel die Beispiele. Diese Ergebnisse, so Erkel weiter, zeigen den Verantwortlichen, dass sich die Kontrollen an diesen Plätzen besonders lohnen, und weiter intensiviert werden müssen.

„Einen traurigen Rekord bildet der jüngste Kontrollierte.“ - Hans-Peter Erkel, Ordnungsamt Wiesbaden

Auch auffällig sei, das die meisten Kontrollierten, die einen verbotenen Gegenstand bei sich führten, junge Männer unter 30 Jahren gewesen seien. Sie machen in der Statistik mehr als Hälfte aller Funde aus. „Einen traurigen Rekord bildet der jüngste Kontrollierte, bei dem wir fündig wurden“, so Erkel weiter. „Es handelte sich um einen 11-Jährigen, der ein Einhandmesser und einen Nothammer, vermutlich aus einem Bus gestohlen, bei sich trug. Er war auch zuvor schon polizeilich in Erscheinung getreten.“

80 Personen, die mit einer Waffe oder einem waffenähnlichen Gegenstand erwischt wurden, waren den Beamten nicht unbekannt. Der Großteil von ihnen sei zuvor schon durch Gewalt, Waffen- oder Sexualdelikte aufgefallen, so Müller. Auf solche Mehrfachtäter legen die Kontrolleure ein besonderes Augenmerk. Dennoch werde die Waffenverbotszone auch von einem Präventionsprogramm begleitet. So seien Beamte zum Beispiel regelmäßig in Schulen unterwegs, um in den achten Klassen über Waffen und die damit einhergehenden Gefahren aufzuklären.

„Ein abschließendes Fazit steht noch aus.“ - Bürgermeister Oliver Franz

„Ein abschließendes Fazit über die Zone und das begleitende Programm steht aber noch aus“, sagt Bürgermeister Oliver Franz (CDU). Über eine dauerhafte Fortsetzung und eventuelle Erweiterung wollen die Verantwortlichen nach drei Jahren Testphase entscheiden. So lange soll das Programm auf jeden Fall noch laufen, um genügend Daten über den Erfolg oder Misserfolg sammeln zu können. (ts)

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