Mehr als 600 Wiesbadener Spieler wegen Suchtgefahr gesperrt

Wer unter Spielsucht leidet, kann sich in Hessen auf eine Liste setzen lassen, die allen Spielhallen vorliegt. Wer registriert ist, soll keinen Zutritt mehr zu Spielautomaten bekommen. Doch nicht alle Betreiber kontrollieren ausreichend.

Mehr als 600 Wiesbadener Spieler wegen Suchtgefahr gesperrt

Seit 2014 gibt es in Hessen ein landesweites Sperrsystem in Spielhallen, dass den Zutritt für Spielsüchtige und Suchtgefährdete verhindern soll. Unter dem Namen OASIS (kurz für Onlineabfrage Spielerstatus) ermöglicht das Präventionssystem den Spielhallenbetreibern Zugriff auf eine Online-Liste, in der gefährdete Spieler aufgeführt sind. Erkennen Spielhallenbetreiber einen gelistet Spieler in ihrem Betrieb, sind sie sogar verpflichtet, ihn nach Hause zu schicken.

Spieler nutzen Liste

Eine Studie zeigt nun, dass das System in Hessen angenommen wird - vor allem von den Spielern. Tatsächlich seien es bisher in 99 Prozent der Fälle die Suchtgefährdeten selbst gewesen, die sich in die Liste eintragen lassen, nur in Ausnahmefällen habe es Einträge durch die Hallen gegeben.

In Wiesbaden gibt es seit dem Start 653 Einträge von Suchtgefährdeten. Damit belegt die Stadt Platz 4 in der Liste. Die meisten Fälle wurden in Frankfurt gemeldet. 1286 Einwohner der Bankenstadt sind registriert. Dabei handelt es sich laut Studie derzeit hessenweit bei 88 Prozent der Registrierten um Männer, fast jeder zweite hat einen Migrationshintergrund. Fast ein Drittel der Registrierten ist unter 27 Jahre alt.

Personal getestet

„Unsere Regelungen zum Spielerschutz sind erfolgreich, aber wir dürfen nicht nachlassen, Schutzmechanismen gegen diese Sucht auszubauen“, schränkt Hessens Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner, den Erfolg von OASIS ein. Denn vor Ort haben Stichproben-Kontrollen gezeigt, dass in vielen Fällen der Zutritt zur Spielhalle auch für Registrierte kein Problem war.

Das Institut für Psychologie und Kognitionsforschung an der Universität Bremen hat im Zuge der Studie zum Erfolg des Systems getestet, wie das Spielhallenpersonal vor Ort mit der Liste umgeht. Dabei habe es nur in vier von fünf Fällen überhaupt Einlasskontrollen gegeben. Jede dritte registrierte Testperson konnte zudem problemlos an Glücksspielautomaten spielen. Zudem habe das Personal nur in Ausnahmefällen (7 Prozent) in angemessener Weise auf die Testpersonen, die eindeutiges Glücksspielverhalten simulierten, reagiert.

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