Schwimmbad-Vorfall wird zum Politikum

Ein Malheur im Schwimmbecken löste einen Ekel-Skandal in Wiesbaden aus. Die AfD sieht die Mitarbeiter der Mattiaqua als verantwortlich für die Fäkalien im Wasser. Oberbürgermeister Sven Gerich hingegen nimmt die Bäder-Teams in Schutz.

Schwimmbad-Vorfall wird zum Politikum

Fäkalien im Schwimmbecken im Thermalbad Aukammtal sorgten am Donnerstag für großen Aufruhr. Eine Badbesucherin hatte sich über einen Vorfall beschwert, der Fall ging durch die Presse und sorgte nicht nur bei Wiesbadenern für Ekel und Entsetzen. Die Mattiaqua hat gegenüber Merkurist bereits erklärt, welche Vorkehrungen in solchen Fällen in den Bädern getroffen werden und auch bestätigt, dass Zwischenfälle dieser Art nur selten vorkommen.

Mitarbeiter auf dem Prüfstand

„Sobald eine Verunreinigung bemerkt wird, wird das Becken umgehend gereinigt.“ - Michael David

Dennoch wurde das Thema nicht nur unter Badegästen zum Stadtgespräch - auch Politiker äußern sich nun zu dem Vorfall und suchen einen Verantwortlichen. Dimitri Schulz, AfD-Stadtverordneter und sportpolitischer Sprecher der Partei, führt den Vorfall auf Unachtsamkeiten durch die Bademeister zurück. „Die Bademeister und andere Mitarbeiter der Bäder für solche Vorfälle an sich verantwortlich zu machen, halte ich für abwegig“, entgegnet Michael David, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Rathaus. In einer Pressemitteilung der SPD heißt es weiter: „Dass Fäkalien im Schwimmbecken nicht auf die leichte Schulter genommen werden, zeigen die Mitarbeiter der Wiesbadener Schwimm- und Thermalbäder immer wieder. Sobald eine Verunreinigung bemerkt wird, wird das Becken umgehend gereinigt.“

„Es grenzt an Rufschädigung.“ - Sven Gerich

Auch Oberbürgermeister Sven Gerich weist die Vorwürfe zurück: „Daraus eine generelle Pflichtverletzung der Bademeister abzuleiten, grenzt an Rufschädigung“, so Gerich, der auch Vorsitzender der Betriebskommission des städtischen Bäderbetriebes Mattiaqua ist.

Kleiderordnung

Die AfD beklagt aber auch weitere Missstände in den Bädern, etwa, dass Bademeister generell unachtsam seien oder Badegäste nicht regelmäßig auf die Einhaltung der Kleiderordnung hingewiesen werden. „In den Hallenbädern lässt sich beispielsweise immer wieder beobachten, dass Jugendliche unter ihren Badeshorts noch die Unterhose tragen“, so Schulz. Die SPD zieht in dieser Beobachtung jedoch keinen Zusammenhang mit dem Fäkalien-Vorfall. „Eine striktere Einhaltung der Kleiderordnung bei Jugendlichen wird wohl kaum zu weniger Fäkalien im Badewasser führen“, sagt David. Gerich geht einen Schritt weiter und fragt: „Eine Kontrolle, ob unter der Badehose noch eine Unterhose getragen werde, stelle ich mir in der Praxis allerdings schwer vor. Sollen wir vor der Beckenbenutzung einen Blick in die Badehose werfen?“

Lob an die Teams

Während Schulz das Kleiderproblem als ein Beispiel für „unkonsequente Mitarbeiterführung“ durch die Mattiaqua sieht, findet David, dass der Eigenbetrieb in den vergangen Jahren für ein „gutes Arbeitsklima“ gesorgt habe und führt dies auf einen „sensiblen und wertschätzenden Umgang“ mit den Mitarbeitern zurück.

„Die Mitarbeiter haben ein wachsames Auge.“ - Sven Gerich

Gerich hingegen lobt vor allem den Einsatz der Bäderteams im Alltag: „Wer den Trubel in den Schwimmbädern kennt, der weiß, dass die Kollegen dort trotz der Lautstärke und Weitläufigkeit immer ein waches Auge und einen kühlen Kopf bewahren.“

Vorwürfe macht er hingegen der AfD und moniert, dass Schulz seine Kritik an den Schwimmbädern bisher noch nicht in offiziellen Sitzungen angesprochen hat. „Dabei ist das doch die Aufgabe von Stadtverordneten: in den Gremien vermeintliche Missstände thematisieren und den Magistrat um Abhilfe bitten“, so Gerich. Auch in der Betriebskommission sei die jetzt presseöffentlich geäußerte Kritik seitens der AfD-Vertreter niemals Thema gewesen.

Merkurist