AfD trifft Antifa?

Die Wiesbadener AfD hat in der Facebook-Gruppe „Antifa never surrender“ eine Einladung zu ihrem nächsten Themenabend ausgesprochen. Laut der Partei will man damit auf Diskussionen setzen, statt Feindbilder zu schüren.

AfD trifft Antifa?

„Auch eine Wirtin vom Restaurant 'Im Ländchen' wird weiter mit Protest rechnen müssen. Denn wo Menschen den Rechten einen Raum bieten, muss man mit Widerstand rechnen“, schreiben die Betreiber der Facebook-Gruppe „Antifa never surrender“ nach dem Farbbeutelangriff auf ein Vereinsheim und Restaurant, in dem die AfD regelmäßige Themenabende abhält.

Trotz oder gerade wegen der deutlich in die Öffentlichkeit getragenen Antipathie gegenüber der Partei, hat die Wiesbadener AfD die Antifa via Facebook nun zum Gespräch im Rahmen ihres Themenabends in Erbenheim in das besagte Lokal eingeladen.

„Wir sind Leute, die den Dialog suchen“, begründet AfD Pressesprecher der Partei in Wiesbaden, Robert Lambrou, diesen Schritt. „Wenn jemand der Meinung ist, dass wir Nazis oder was auch immer sind, hauen wir nicht zurück, sondern versuchen ins Gespräch zu kommen“, führt er fort.

“Wir beißen nicht“ - Robert Lambrou, AfD

Die Partei versucht schon seit dem vergangenen Jahr immer wieder, AfD-Kritiker zu Dialogen einzuladen. Bis auf ein paar Vertreter der JuLis und JuSos sei dies aber meist nicht angenommen worden, so Lambrou. Diese Diskussionen seien aber fair und respektvoll verlaufen, betont der Pressesprecher der Partei.

Ob alle Sympathisanten oder Parteimitglieder eine friedliche Diskussion mit der Antifa anstreben ist fraglich. Unter der Einladung der AfD werden Sätze wie „Ob das gut geht? Argumente haben die ja keine, dafür Farbbeutel und ... nee ich schreibs lieber nicht“ oder „Kuchen mitbringen oder Morgenstern?“ gesposted.

Keine Reaktion

Bezüglich der aktuellen Einladung an die Antifa-Gruppe hat es noch keine Rückmeldung gegeben. „Wir hoffen, dass sich mal einer traut. Wir beißen nicht“, formuliert Lambrou seine Hoffnungen, einen Dialog mit Kritikern beim nächsten Themenabend am 8. Juni zustande bringen zu können.

Angst vor Angriffen oder einer Eskalation der Runde - wenn sie denn zustande kommt - hat die Partei nicht. Zwar seien die Farbbeutel-Attacken und Schmierereien nicht in Ordnung gewesen, doch gingen die Angriffe nie ins Körperliche oder in schwerwiegendere Beschädigungen wie das Einwerfen von Fensterscheiben über, so Lambrou.

Misstrauen auf beiden Seiten

„Wenn man sich mal in Antifa-Foren umschaut, wird gesagt, man kann der AfD nicht trauen und man solle sie nicht mit Gesprächen aufwerten. Wenn man dann in die Foren der AfD guckt, findet man exakt dieselben Argumente gegen die Antifa“, ist Robert Lambrou amüsiert. Genau aus diesem Grund - dem Misstrauen auf beiden Seiten - hofft die Partei, in Zukunft vermehrt ihren Kritikern in Diskussionen gegenübertreten zu können.

Merkurist