Warum ein Teil der Berliner Mauer in Wiesbaden steht

Ausgerechnet auf dem „Platz der Deutschen Einheit“ steht sie noch: Seit zehn Jahren erinnert ein Segment der Berliner Mauer an das geteilte Deutschland. Ein zweites steht nur wenige Kilometer entfernt.

Warum ein Teil der Berliner Mauer in Wiesbaden steht

Bei einem Spaziergang am Wochenende staunte Merkurist-Leserin Patricia nicht schlecht: Zum ersten Mal bemerkte sie auf dem Platz der Deutschen Einheit zwischen Elly-Heuss-Schule und Sporthalle ein 3,60 Meter hohes Betonelement — auf einer Seite übersät mit buntem Graffiti. Das Baustück konnte sie schnell einordnen, doch glauben konnte sie es erst mal nicht. Handelt es sich bei dem Teil auf dem Platz tatsächlich um ein Stück der Berliner Mauer? Diese Frage hat Patricia in einem Snip gestellt.

Echtes Mauerteil

Und tatsächlich erklärt eine Infotafel am Fuß des Mauerelements, dass es sich um ein Original handelt. Seit zehn Jahren steht es inzwischen in Wiesbaden und war zum 20. Jahrestag des Mauerfalls ein Geschenk der „Bild“ an das Land Hessen.

„Ein Stein des Anstoßes“ - Ex-Ministerpräsident Roland Koch

Im Jahr 2009 nahm der damalige Ministerpräsident Roland Koch (CDU) das Geschenk entgegen. Seine Reaktionen auf das Erinnerungsstück finden sich heute im Archiv das Axel-Springer-Verlages. In einem Artikel über die Übergabe wird der damalige Ministerpräsident zitiert. Als einen „Stein des Anstoßes, der nicht nur Schüler zum Nachdenken anregen soll“, hat er das Mauersegment damals vor 200 anwesenden Schülern der benachbarten Elly-Heuss-Schule bezeichnet.

Viele Einzelstücke

Ziel des Verlags war es, die Mauerteilstücke in ganz Deutschland als Erinnerung an das geteilte Deutschland aufzustellen. Spaziergänger wie Patricia, die an den fast 3 Tonnen schweren Betonsegmenten vorbei laufen, sollen angeregt werden, über die deutsche Geschichte nachzudenken. Deshalb sicherte sich der Verlag 16 Originale und überreichte je eines von ihnen 2009 jedem Bundesland. So steht das nächstgelegene Stück gar nicht weit entfernt von Wiesbaden: Rheinland-Pfalz hat sein Exemplar an der Auffahrt zur Theodor-Heuss-Brücke in Mainz aufgestellt.

Neu ist ein Mauerteil vor dem Eingang zur Hessischen Staatskanzlei. So neu, dass es die DDR noch nicht miterlebt hat. Bei dem Betonsegment, das am Sommer gegenüber vom Kochbrunnen aufgestellt wurde, handelt es sich nämlich nur um einen Nachbau.

Er soll auf die hessenweiten Feierlichkeiten rund um den 30. Jahrestag des Mauerfalls aufmerksam machen. Im Rahmen des Festivals gab es in Wiesbaden unter anderem schon eine Fotoausstellung vor dem Staatsgebäude. Bis zum Ende der Feierlichkeiten folgen zudem noch Konzerte und Theaterstücke in Wiesbaden. Danach wird der Nachbau wohl wieder verschwinden. (ts)

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