Was sich in der Moritzstraße ändern soll

Als Durchgangsstraße leidet die Moritzstraße unter starkem Verkehr. Das wirkt sich auch auf die dortige Gastronomie aus. Denn kaum ein Café kann dort im Moment Außensitzplätze anbieten.

Was sich in der Moritzstraße ändern soll

Zwischen Hauptbahnhof und Rheinstraße zieht sich auf gerader Strecke rund 600 Meter die Moritzstraße. Lieferverkehr, Pendler und Anwohner prägen vor allem zu Stoßzeiten das Bild: Zweite-Reiheparker, Autotüren, die sich plötzlich öffnen und versperrte Sicht an den Kreuzungen sind Alltag in der kleinen, aber wichtigen Verbindungsstraße im Stadtzentrum.

Auch Merkurist-Leserin Gaby kennt die Strecke gut. Ihr ist aufgefallen, dass zwischen Traditionsgeschäften, Restaurants, Imbissläden und Kiosken in letzter Zeit viele Cafés in der Moritzstraße leer stehen. Dabei reicht die Welle der Schließungen nicht nur bis zur Corona-Krise zurück. Das „Café de Paris“ in der Hausnummer 17 hat etwa schon im Februar geschlossen. Gründe für die Schließungen gaben die Betreiber nicht bekannt.

Viele Autos, wenig Platz

Leser Rudi vermutet, dass die Infrastruktur in der Straße mit den Schließungen zusammenhängen könnte. Er vergleicht die Umstände mit denen in der Wellritzstraße. „Wer geht denn da noch hin zum Einkaufen? Keine Parkplätze, keine Infrastruktur!“, sagt er. Dabei gibt es in der Straße durchaus Läden, die die Lage besonders schätzen und sich seit vielen Jahren halten.

So hat sich Steffen Engel 1999 ganz bewusst dazu entschieden, in der Hausnummer 52 die „c/o* food/bar/lounge“ zu eröffnen. Damals betrieb er gleichzeitig noch eine Bar im Westend. „Die ebenfalls etwas dezentrale Lage des c/o* und die damit verbundene im Verhältnis günstigere Miete hat sicherlich eine Rolle gespielt“, erinnert er sich an die Anfänge. Dennoch sei die Lage keine richtige Randlage, sondern auch per Rad oder fußläufig für die meisten Innenstädter gut erreichbar.

Unterschiedliche Platzverhältnisse

„Etliche neue Gäste sind sehr verblüfft was sich hinter unserer Hoftür verbirgt.“ - Steffen Engel, Gastronom

In sein Lokal käme vor allem Stammkundschaft. Einige Gäste kommen dafür bewusst aus anderen Stadtteilen. Dennoch sei auch der Anteil der Laufkundschaft höher, als mancher es bei der Lage erwarten würde. „Etliche neue Gäste sind sehr verblüfft was sich hinter unserer Hoftür verbirgt“, sagt der Betreiber und spricht von seinem Biergarten, der im Innenhof des Gebäudes liegt.

Über eine solche grüne Oase verfügt jedoch nicht jedes Lokal in der Moritzstraße. Vor allem Cafés können oft keine Außensitzplätze anbieten, denn die Bürgersteige sind schmal und parkende Autos und der Verkehr bieten keine schöne Aussicht. „Allgemein wäre eine Verkehrsberuhigung der allgemeinen Stimmung in der Moritzstraße durchaus zuträglich und würde die klassische Laufkundschaft vielleicht ein wenig erhöhen“, vermutet Egel.

Umgestaltung in Planung

Pläne dafür gibt es tatsächlich schon (wir berichteten). Sie sehen vor, dass die Straße eindeutig als einspurig markiert wird. Damit soll das Problem der zweite-Reihe-Parker verschwinden und mehr Platz für Außenbestuhlungen entstehen. Die Seitenstraße „Gerichtsstraße“ soll zudem zu einem autofreien Platz umgewandelt werden — allerdings erst, wenn die jetzige Baustelle am Alten Gericht abgeschlossen ist.

Dort wird nämlich seit Jahren umgebaut. Entstehen sollen in dem Gebäude knapp 50 Mietwohnungen und ein Gewerbebereich, in den kreative Köpfe einziehen sollen. Denn der Betreiber des nahe gelegenen Cafés und Coworking-Bereichs, Dominik Hofmann, will dort Büros, ein Café und Ausstellungsräume auf rund 1800 Quadratmetern einrichten. Genauso wie die Hochschule Fresenius, die im Frühjahr 2019 einen Campus an der Ecke Gerichtsstraße/Moritzstraße eröffnet hat, könnte das Bauprojekt deutlich mehr Besucher in die Moritzstraße ziehen, die dort Pausen und Feierabende verbringen. Für die Gastronomen bedeutet das mehr potentielle Kundschaft. Doch bis zur Fertigstellung ist noch etwas Geduld gefragt. (ms)

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