Karstadt Sports-Gebäude soll umgebaut werden

Jahre lang beherbergte der Komplex in der Langgasse 5-9 verschiedene Kaufhäuser. Nachdem Karstadt Sports seine Schließung verkündet hat, will die Stadt das Gebäude und seine Nutzung in Zukunft verändern.

Karstadt Sports-Gebäude soll umgebaut werden

Läuft man durch die Langgasse, fällt ein Gebäude etwas aus der Reihe. Fast schon fehl am Platz wirkt der graue Komplex in den Hausnummern 5 bis 9 zwischen den vielen typisch Wiesbadener Altbauten. „Das Gebäude ist mit seiner Wuchtigkeit der Fassade ein eher störendes Element in der inneren Innenstadt“, sagt Roland Presber (SPD), Ortsvorsteher in Mitte, dazu.

Seit jeher ist der Komplex ein wichtiges Geschäftsgebäude in der Straße. Bis in die 1990er Jahre hinein, beherbergte es eine Filiale des Niedrigpreiswarenhauses „Kaufhalle“, 1999 folgte die „Sportarena“, die 2016 auszog und dem Outlet „Saks Off 5th“ Platz machte. Nachdem auch das Outlet wieder schloss, zog Karstadt Sports im vergangenen September ein — und muss jetzt wieder schließen (wir berichteten). Für viele Akteure der Stadt ist der Auszug der Karstadt Sports-Filiale ein Anlass, das Aussehen des Gebäudes und seine Nutzung zu überdenken.

FDP-Fraktion fordert Stadt zum Handeln auf

„Dabei müssen alle Optionen auf den Tisch.“ - Lucas Schwalbacher, FDP-Fraktion

So fordert die FDP-Rathausfraktion, dass die Fläche neu gestaltet wird. Sie appelliert an den Magistrat, gemeinsam mit dem Eigentümer eine neue Lösung für das Grundstück zu finden, um einen möglichen Leerstand zu verhindern. „Dabei müssen alle Optionen auf den Tisch“, so der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Lucas Schwalbach.

Eine Möglichkeit sei, dass die Stadt das Grundstück kaufe und es anschließend abreiße. Ein kleiner Teil des Grundstücks könne dann zur Finanzierung hochwertig bebaut werden, der Rest als „Schützenhofplatz“ für die Allgemeinheit freigegeben werden. Alternativ käme laut FDP-Fraktion auch ein Abriss mit anschließendem Bau eines Wohnhauses mit kleinen Einzelhandelsflächen durch den bisherigen Eigentümer in Frage. Auch könnte das Staatstheater das Grundstück zwischenzeitig als Ausweichquartier nutzen.

Gebäude ist schon länger Thema in Stadtentwicklungspolitik

Ganz neu sind solche und ähnliche Überlegungen nicht. „Eine Überarbeitung der Fassade ist schon seit Jahrzehnten ein Thema in der Stadtentwicklungspolitik“, sagt Ortsvorsteher Presber. Der Idee, das Gebäude abzureißen, steht er aber kritisch gegenüber. „Ich gebe zu Bedenken, dass ein Abriss oder Neubau in diesem engen und sensiblen Innenstadtbereich nicht anzustreben ist“, sagt er. „Die Anfahrt zu einer potentiellen Großbaustelle für einen längeren Zeitraum mitten in der Fußgängerzone/Schiffchen ist schlicht nicht vorstellbar, ohne den gesamten Bereich des Umfeldes lahmzulegen.“ Er würde daher bestenfalls den Neu- oder Umbau der Fassade unterstützen.

Er wünscht sich stattdessen, dass sich auf einem anderen Platz in der Nähe etwas ändert: „Eine Umgestaltung des „Platzes“ Schützenhofstraße halte ich für sinnvoll, insbesondere die Brunnensäule oder besser Brunnenmauer sollte durch Verkleinerung ihre störenden Dominanz genommen werden“, sagt er.

Stadt steht in Gesprächen mit Eigentümer

„Die Eigentümerseite tritt gegenüber der Stadt sehr offen auf.“ - Hans-Martin Kessler, Stadtentwicklungsdezernent

Die Stadt selbst steht bereits seit einiger Zeit im direkten Gespräch mit dem Eigentümer, wie Stadtentwicklungsdezernent Hans-Martin Kessler (CDU) mitteilt: „Die Eigentümerseite tritt gegenüber der Stadt sehr offen auf und geht auf die Bedürfnisse der Stadt aktiv ein.“ Einige mögliche Veränderungen hätten sich dabei schon herauskristallisiert.

So werde mindestens ein Teilabriss mit Neuaufbau des Gebäudes angestrebt. Außerdem sieht die Stadt eine flexible Mischnutzung mit offenen Handels- und öffentlichen Nutzungsflächen im Erdgeschoss als sinnvoll an. Im oberen Geschoss könnten dann Büros und Wohnungen entstehen. Außerdem wolle die Stadt prüfen, ob man das Gebäude kurzfristig zwischennutzen könnte, um einen langen Leerstand zu verhindern. Zum Beispiel für kulturelle Projekte. Die Fassaden wolle man aufwerten. Wie es mit dem Gebäude tatsächlich weitergeht, könnte sich schon bald zeigen. Die Stadt habe dem Eigentümer empfohlen, die besprochenen Planungsziele dem Gestaltungsbeirat vorzustellen. Dieser Empfehlung will der Eigentümer nachgehen, so Kessler. (js)

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