Das passiert mit dem Busverkehr, wenn die Citybahn kommt

Stimmen die Wiesbadener am 1. November für die Citybahn, wird sich der öffentliche Nahverkehr in der Stadt deutlich verändern. Dann rollt nicht nur eine Straßenbahn durch Wiesbaden - auch der Busverkehr wird angepasst.

Das passiert mit dem Busverkehr, wenn die Citybahn kommt

Die Citybahn erhitzt die Gemüter — gerade mehr denn je, denn der Bürgerentscheid zur Umsetzung des Straßenbahn-Projektes rückt näher. Am 1. November entscheiden die Wiesbadener darüber, ob die Citybahn schon bald über den Rhein-Taunus-Kreis und Wiesbaden nach Mainz rollen soll. Entscheidet sich die Mehrheit der Wiesbadener Bürger für die Bahn, wird der öffentliche Nahverkehr in der Stadt auf neue Füße gestellt. Auch auf die Wiesbadener Busse hat das Auswirkungen — welche das sind, fragt unter anderem Merkurist-Leserin Silvia in ihrem Snip.

Bei den Auswirkungen geht es nicht nur um Fahrpläne und Linienführung, sondern auch um die Zahl an eingesetzten Bussen. „Der Betrieb einer möglichen Citybahn würde dazu führen, dass der Busfuhrpark von ESWE Verkehr um etwa 30 Busse reduziert würde“, sagt Christian Giesen, Pressesprecher von ESWE Verkehr. Statt der aktuell rund 297 Fahrzeuge wären dann rund 260 Busse im Einsatz.

Anpassungen gäbe es darüber hinaus natürlich auch am Busnetz. Grundsätzlich werde, so Giesen, linienweise geprüft, wo auf Parallelverkehre von bestehenden Buslinien und der Citybahn verzichtet werden kann. Konkrete Pläne gibt es dabei vor allem für die Abschnitte, auf denen die Linienführung der Citybahn schon feststeht.

Diese Veränderungen sind geplant

„Die Citybahn soll tagsüber im Fünf-Minuten-Takt und abends im Zehn-Minuten-Takt nach Biebrich fahren“ - Christian Giesen, Pressesprecher ESWE Verkehr

So zum Beispiel in Biebrich. Dort sollen die Buslinien 4 und 14 durch die Citybahn ersetzt werden. „Die Citybahn soll tagsüber im Fünf-Minuten-Takt und abends im Zehn-Minuten-Takt nach Biebrich fahren, und weiter nach Mainz tagsüber im Zehn-Minuten-Takt“, so Giesen.

Der Streckenabschnitt der Buslinie 14 in Richtung Parkfeld soll von der Buslinie 3 übernommen werden, die ab dem Biebricher Rheinufer verlängert werden soll. Vom Äppelallee-Center über Parkfeld, Rheinufer, Breslauer Straße und Mainzer Straße soll sie den Stadtteil Biebrich umsteigefrei per Bus mit dem Hauptbahnhof verbinden. „Hierdurch entsteht zugleich eine neue Direktverbindung zwischen Äppelallee, Parkfeld und Mainzer Straße“, so Giesen.

Die Buslinie 6 soll es, wenn die Citybahn kommt, nicht mehr geben. Zwischen Mainz-Kastel und der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz wird sie durch die Citybahn, auf den restlichen Streckenabschnitten durch andere Buslinien ersetzt. Zwischen Michelsberg und Kasteler Straße beziehungsweise Otto-Suhr-Ring fahren weiter die Buslinien 3 und 33, teilweise soll der Takt erhöht werden. Der Ast der Linie 6 zum Nordfriedhof werde von anderen Buslinien, die verlängert werden, abgedeckt, so Giesen.

Noch nicht ganz klar ist, wie die Linie 9 fahren soll, wenn die Wiesbadener sich für die Citybahn entscheiden — im Grundsatz soll sie aber erhalten werden. Weil die City-Bahn über die Rheingaustraße und Biebricher Straße fahren soll, kann die Linie 9 über den Bahnhof Wiesbaden Ost und die Breslauer Straße oder alternativ die Kasteler Straße/Straße der Republik oder die Glarusstraße geführt werden — basierend auf einer alten Forderung einiger Fahrgäste. Der Ortsbeirat Biebrich hat sich bezüglich dieser drei Varianten bislang nicht festgelegt.

Erhalten bleiben auch die Linie 39 sowie die Linie 47. Letztere soll in der Biebricher Allee auch die nicht von der Citybahn angefahrenen Bushaltestellen bedienen, damit keine Haltestellen entfallen.

Shuttles und neue Buslinien

Ergänzt werden könnten die Citybahn und das bestehende Busnetz außerdem durch weitere Buslinien oder On-Demand-Shuttles — letzteres gibt es seit Anfang September mit dem „Mainz Rider“ in Mainz, der Menschen aus weniger zentralen Stadtteilen auf Anfrage hin von innerstädtischen Haltestellen in die Vororte bringt. Ähnliches könnte sich Giesen auch für Wiesbaden vorstellen: „So könnten Menschen aus Stadtteilen, die keinen Anschluss an die Straßenbahn haben, sich mit einem selbst fahrenden Kleinbus auf Anfrage hin an eine Haltestelle der Bahn bringen lassen.“

„Mit dieser Fragestellung wird sich die Planung von ESWE Verkehr verstärkt nach dem Bürgerentscheid am 1. November auseinandersetzen“ - Christian Giesen, Pressesprecher ESWE Verkehr

Dazu werde geprüft, wo ein solches System das Busnetz sinnvoll ergänzen kann und wo weitere Haltestellen oder neue Buslinien sinnvoll wären. „Mit dieser Fragestellung wird sich die Planung von ESWE Verkehr verstärkt nach dem Bürgerentscheid am 1. November auseinandersetzen“, so Giesen. (ms)

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