Bäume weg und viele Ampeln? So soll die Biebricher Allee mit Citybahn aussehen

Während sich viele Anwohner der Biebricher Allee einen Bürgerentscheid wünschen, um über den Bau der Citybahn zu entscheiden, haben sich die Verantwortlichen schon einen Streckenplan ausgedacht. Wie würde die Allee mit Citybahn aussehen?

Bäume weg und viele Ampeln? So soll die Biebricher Allee mit Citybahn aussehen

Wie sollen Citybahn, Autos, Radfahrer und im Notfall auch Rettungskräfte gleichzeitig über die Biebricher Allee fahren? Was, wenn Autofahrer auf Parallelstraßen ausweichen? Und wie viele Bäume müssen für den Bau gefällt werden? Diese und ähnliche Fragen stellten Anwohner den Planern der Citybahn auf einer Infoveranstaltung zur möglichen Streckenführung über die Biebricher Allee. Immer wieder ging ein Raunen durch den Saal — vor allem wenn es hieß, die Citybahn würde die Allee aufwerten. Und trotzdem: Ein erster Plan steht.

Drei Haltestellen, neue Ampeln

Dieser besagt, dass die Citybahn in der Mitte der Biebricher Allee fahren soll, erklärt Michael Kraus, technischer Projektleiter der CityBahn GmbH. Die Autos fahren daneben in jeder Richtung einspurig. Die Bahn würde vom Hauptbahnhof kommend bis Biebrich drei Mal halten. Nach ihrem Halt in der Bahnhofstraße würde sie bis zur nächsten Haltestelle an der Ecke Fischerstraße fahren, dann an der Kreuzung Theodor-Heuss-Ring halten und schließlich noch einmal an der Kreuzung Gottfried-Kinkel-Straße. Auf welchen Streckenabschnitten sie ebenerdig fahren könnte, und wo ein erhöhtes Gleisbett notwendig wäre, sei noch nicht final geklärt, so die Planer.

„Der Individualverkehr wird mithilfe von Lichtsignalanlagen gestoppt, wenn die Bahn hält.“ - Nicolai Thern, Schüßler-Plan

So weit so gut. Doch dass die Bahn in der Mitte der Fahrbahn fahren soll, warf während der Plan-Präsentation bei einigen Anwohnern Fragen auf. Denn dann müssen Autofahrer nicht nur auf die Bahn, sondern auch auf ein- und aussteigende Fahrgäste Rücksicht nehmen — immer dann, wenn diese über die Fahrbahn zur Haltestelle wollen. „Der Individualverkehr wird mithilfe von Lichtsignalanlagen gestoppt, wenn die Bahn hält“, erklärt Nicolai Thern, Teilprojektleiter der Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft. Wieder Unverständnis bei einigen Anwohnern: „Wie kommen dann Rettungswägen durch?“, fragte eine Anwohnerin. „Das gibt doch Stau, wenn die Autos alle fünf Minuten wegen der Bahn anhalten müssen“, sagte ein anderer. „Und immer wieder Anfahren am Berg ist auch nicht gut für die Luft.“ Einige Anwohner sind außerdem überzeugt, dass viele Autofahrer dadurch auf umliegende Straßen ausweichen würden.

Planer stehen noch vor Herausforderungen

Über diese Fragen machen sich auch die Planer Gedanken. Im Falle eines Falles könnten Rettungswagen und die Feuerwehr auch über die Gleise fahren, erklärt Thern. Zum Thema Stau findet Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) klare Worte: „Der Verkehr muss anders aus der Biebricher Allee geholt werden.“ Für viele sei es aktuell wegen der Baustelle auf der A66 angenehmer in Biebrich abzufahren und über die Allee in die Innenstadt zu fahren.

„Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen“, so Kowol. Wenn der Bau der Salzbachtalbrücke abgeschlossen ist, sei es für viele wieder sinnvoller, die gut ausgebaute Mainzer Straße zu nutzen. Wie man es bis dahin schafft, den Verkehr aus den umliegenden Straßen herauszuhalten, damit beschäftigt sich aktuell das Tiefbauamt. Die direkten Parallelstraßen zur Allee wolle man nach wie vor für den Radverkehr freigeben und die Einbahnstraßenregelung beibehalten.

Baumschutz hat hohe Priorität

„Dafür haben wir bereits Wurzelsondierungen durchführen lassen.“ - Nicolai Thern

Dass die Planer die Bahn trotz einiger noch ungeklärter Fragen in der Mitte der Fahrbahn fahren lassen wollen und nicht etwa am Rand, habe verschiedene Gründe, erklärt Nicolai Thern. Der wohl wichtigste: Die Bäume, die die Straße erst zur Allee machen. Denn für den Bau der Bahn muss die Fahrbahn in der Biebricher Allee um rund 80 Zentimeter pro Seite verbreitert werden. „Dafür haben wir bereits Wurzelsondierungen durchführen lassen“, so Thern. Ein Baumgutachter habe dabei festgestellt, dass die Bäume durch den Eingriff in die seitlichen Grünflächen der Straße nicht beschädigt werden.

Von den 430 Bäumen in der Allee müssten aber trotzdem 44 für den Bau der Haltestellen gefällt und an anderer Stelle neu gepflanzt werden — das sind weniger als zunächst erwartet. Ob die Bahn im Bereich zwischen Hauptbahnhof und Gottfried-Kinkel-Straße tatsächlich ohne Oberleitung fahren wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Falls nicht, dann würden die Oberleitungen in erneuerte Laternenmasten integriert werden, und die stehen schon jetzt alle 25 Meter in der Allee. (js/ts/lp)

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