Woher kommen diese nervigen Tierchen?

Wer öfter am Rhein sitzt oder seine Wäsche draußen aufhängt, kennt sie vermutlich: kleine Insekten, die hartnäckig auf den Klamotten sitzen. Vielen gehen sie auf die Nerven. Aber wer sind die kleinen Tierchen?

Woher kommen diese nervigen Tierchen?

Diese Mittagspause hatte sich Sarah-Maria anders vorgestellt. Eigentlich wollte sie sich am Dienstag in Ruhe auf eine Bank am Rheinufer setzen und eine Kleinigkeit essen. Stattdessen war sie die meiste Zeit damit beschäftigt, kleine Tierchen wegzuschnipsen. „Bis zu 30 Stück saßen auf meiner Kleidung, meinem Rucksack, in meinen Haaren.“ Auch in den vergangenen Jahren waren ihr die schwarz-weißen „Viecher“ aufgefallen, in diesem Sommer sei es aber besonders schlimm. Eigentlich machten sie nicht viel, außer dazusitzen - das aber sehr hartnäckig. Doch wer sind die kleinen Insekten, die vielen Mainzern auf die Nerven gehen?

Aus Nordamerika eingeschleppt

Laut Rainer Michalski von der NABU-Regionalstelle Rheinhessen-Nahe handelt es sich bei den Tierchen um Platanen-Netzwanzen. Sie sind etwa zwischen drei und vier Millimetern groß. „In Mainz gibt es sie erst seit 1999. Zuvor waren sie in den 60er Jahren von Nordamerika nach Südeuropa eingeschleppt worden“, so Michalski. Seitdem arbeiteten sich die Netzwanzen Richtung Rhein-Main-Gebiet vor und ließen sich besonders gerne in größeren Städten nieder. „In Mainz haben sie gute Bedingungen, weil es warm ist und es am Rhein viele Platanen gibt“, so Michalski.

Denn wie der Name sagt, halten sich die Insekten vor allem auf Platanen auf. Unter der Rinde überwintern sie, im Sommer saugen sie an den Blättern - und sorgen damit auch für Schäden. „Mit dem Abfallen der Rinde haben sie aber nichts zu tun“, so Michalski. Erkennbar seien die Schäden eher an den Blättern. Doch nicht nur die Tierchen selbst können zum Problem werden: Auch ihr Kot kann beispielsweise den Lack von Autos angreifen.

Wie wird man sie los?

Die Tiere treten in zwei Generationen auf: im Juni/Juli und Ende August. Wie Michalski sagt, habe der sehr trockene und heiße Sommer ihre Ausbreitung in diesem Jahr stark begünstigt. Und zum Leidwesen der Mainzer bleiben sie nicht nur auf den Platanen sitzen. Oft fallen sie einfach auf Spaziergänger oder Am-Rhein-Sitzer runter. Wer in Platanennähe wohnt, weiß außerdem, dass sich die flugfähigen Tierchen auf der Wäsche im Garten oder auf dem Balkon niederlassen. Von dort kriegt man sie nur schwer los - nicht einmal schütteln hilft. „Ich würde empfehlen, eine alte Gardine oder ähnliches über die trocknende Wäsche zu hängen, dann gehen sie immerhin da drauf“, sagt Michalski.

„Je stärker die Population der Platanen-Netzwanze wächst, desto mehr Feinde wird sie auch bekommen“ - Rainer Michalski vom Nabu

Dass die Insekten aber nun von Sommer zu Sommer mehr werden, glaubt Michalski nicht. „Je stärker die Population der Platanen-Netzwanze wächst, desto mehr Feinde wird sie auch bekommen.“ Das sei ein natürlicher Vorgang: Wenn mehr Pflanzenfresser da sind, sind irgendwann auch mehr Räuber da. Das könnten beispielsweise Raubmilben oder Waldwächter sein. Wer allerdings in diesem Sommer am Rhein sitzt, muss mit den vielen ungebetenen Gästen zurechtkommen. Gegenüber Wespen oder Zecken hat die Platanen-Netzwanze immerhin einen Vorteil: Weder sticht noch beißt sie.

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