In Wiesbaden soll Künstliche Intelligenz vor dem Ertrinken retten

Im Kleinfeldchen wird derzeit ein neues System getestet, das Badeunfälle verhindern soll. Wir haben bei Mattiaqua nachgefragt, wie es funktioniert.

In Wiesbaden soll Künstliche Intelligenz vor dem Ertrinken retten

Einen Badeunfall verhindern, bevor er überhaupt entsteht? Das ist kaum möglich – bis jetzt. Denn genau das erhofft sich der Wiesbadener Schwimmbadbetreiber Mattiaqua von einem neuen System, das derzeit im Frei- und Hallenbad Kleinfeldchen getestet wird. Künstliche Intelligenz (KI) hilft den Bademeistern dabei, gefährliche Situationen schnell zu erkennen.

Sensoren registrieren auffällige Bewegungen

An einem Indoor-Becken des Schwimmbads sind seit dem 2. August seitlich mehrere Sensorkameras angebracht. Diese erfassen das Bewegungsprofil der Badegäste. Mit der Zeit lerne die Künstliche Intelligenz dazu und erkenne, welche Bewegungen normal für Schwimmer sind und welche nicht, erklärt Mattiaqua. Registriert das System auffällige Bewegungen, also zum Beispiel, dass jemand ungewöhnlich lang unter Wasser ist, werde dem Bademeister auf seiner Smartwatch ein roter Punkt angezeigt. Dann kann er sofort reagieren und eingreifen. Die Kameras würden dabei nichts aufzeichnen, sondern könnten lediglich Umrisse von Personen erkennen.

„Wir haben dies sofort für gut befunden und entschieden, das System zu testen.“ - Thomas Baum, Mattiaqua

Aufmerksam auf das System wurde Mattiaqua über den Schwimmbadverband „Bäderallianz“. „Der israelische Hersteller hatte Pilotprojekte angeboten“, erklärt Thomas Baum, Betriebsleiter von Mattiaqua. „Wir haben dies sofort für gut befunden und entschieden, das System zu testen.“ Derzeit sind drei der Smartwatches im Kleinfeldchen im Einsatz, die das Badpersonal je nach Dienst weiterreicht. Das Personal soll durch die Künstliche Intelligent nicht ersetzt, sondern unterstützt werden. Vor allem in vollen Bädern im Sommer könne es sehr hilfreich sein.

System wird sechs Monate lang getestet

Bevor sich Mattiaqua dazu entscheidet, das System tatsächlich einzuführen, werden es die Mitarbeiter sechs Monate lang testen. „Grundsätzlich sind wir bisher sehr zufrieden“, sagt Baum. „Natürlich gibt es an der einen oder anderen Stelle kleinere Probleme. Allerdings sind wir sehr zuversichtlich, dass sich im Laufe der nächsten Wochen und Monate alles einspielt.“

Die Kosten für die Anschaffung hängen von der Beckengröße und der Zahl der Kameras ab. In Wiesbaden würden sie bei circa 25.000 Euro zur Anschaffungs- und 3000 bis 4000 Euro Betriebskosten liegen. Das System wird bereits im nordrhein-westfälischen Lippstadt genutzt und in Hamburg und Köln ebenfalls getestet.

Logo