Wer steckt hinter der Künstlerin „Erika Mustermann“, die Wiesbaden verschönert?

Unter dem Namen „Erika Mustermann“ tauchen in letzter Zeit goldene Kunstwerke in der Stadt auf. Wir haben mit dem oder der Künstlerin unter ihrem Alias gesprochen und gefragt, was hinter den Installationen steckt.

Wer steckt hinter der Künstlerin „Erika Mustermann“, die Wiesbaden verschönert?

Mitten im Wellritztal ragt ein goldener Mast in die Höhe. Zwei ebenfalls goldene Überwachungskameras sind daran angebracht. Sie sind so montiert, dass sie den Weg, der zu ihnen führt, scheinbar in beide Richtungen überwachen. Mittig an dem Pfahl ist ein Hinweisschild angebracht. Darauf zu sehen ist ein Symbol, das Videoüberwachung ankündigt. Darunter die Inschrift: „Nice Ass!“ - Schöner Hintern! Auch eine Erklärung, was es mit der Installation auf sich hat, findet man auf dem Schild: „Mahnmal für die goldene Freiheit. Gesponsert der Stadt Wiesbaden“. Unterschrieben hat das Schild eine „Erika Mustermann“.

Die Installation wurde mittlerweile durch die Stadt wieder entfernt. Etwas ähnliches trug sich aber vor Kurzem auf dem Sedanplatz zu: Dort entstand über Nacht ein Grab. Blumen und ein goldenes Kreuz mit der Inschrift „Kulturschatz“. Ebenfalls „unterschrieben“ mit „MfG, Erika Mustermann.“ Doch wer ist der oder die Künstler/in und welche Botschaft sollen die Installationen vermitteln?

Erika Mustermann meldet sich

Via E-Mail kommt der Kontakt zu Erika zustande. „Mich kennt jeder“, sagt sie, auch, wenn sie ansonsten nicht viel über sich preisgeben möchte. Jahrgang 1964, geboren in Berlin mit goldenem Haar und goldenen Adern, die sich durch ganz Wiesbaden ziehen, beschreibt sie sich. „Und ich arbeite mit verschiedenen Wiesbadener Künstler*innen zusammen“, schreibt sie.

Mit ihren Installationen hege sie den großen Wunsch, dass der Mensch durch äußere Impulse an eine wacher werdende, goldene Metamorphose für sich und seine Mitmenschen glauben kann. „Die Aufgabe von ‘Kunst im öffentlichen Raum’ ist es, Öffentlichkeit zu diskutieren, indem sie an spezifischen Orten künstlerische Anstöße zur Auseinandersetzung gibt und zum Mitdenken bei Fragen der Stadtentwicklung mobilisiert“, sagt die Künstlerin. Ein neuer Raum für Veränderungen soll daraus entstehen, dass Bekanntes aus anderen Perspektiven betrachtet wird.

Kritik an der Stadt Wiesbaden?

Dabei lassen sich die Kunstwerke durchaus in Zusammenhang mit aktuellen Geschehnissen in der Stadt bringen. Die goldenen Überwachungskameras etwa könnten Kritik an der Kameraüberwachung an der Kreativfabrik sein, die für Diskussionen gesorgt hatte. Der zu Grabe getragene Kulturschatz könnte sich auf das Walhalla beziehen, das zuletzt auch als „Kulturschätzchen“ bezeichnet wurde und generell für das kulturelle Sterben in Wiesbaden stehen.

Begeistert scheint die Stadt jedenfalls nicht von Erika Mustermann zu sein: Innerhalb von einer Woche wurden die Überwachungskameras abgebaut. „Deshalb stelle ich mir gerade die Fragen: Wer ist Wiesbaden? Was will Wiesbaden? Was darf Wiesbaden? Wie gestalten WIR unsere Stadt und Gesellschaft?“, schreibt die Künstlerin.

Weitere Aktionen geplant

Entmutigen oder entmündigen lässt sie sich davon aber nicht: „Natürlich plane ich weitere Aktionen“, sagt sie. „Angekündigt werden diese wie gewohnt auf zeitgemäßem Wege, mit goldenem Brief oder via Instagram“, so Mustermann. (ms)

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