Streit um Straßenumbenennungen wegen NS-Vergangenheit

Der Ortsbeirat Nordost will die Pfitznerstraße umbenennen. Während die Politik darüber diskutiert, ob auch andere Straßennamen wegen ihres NS-Bezugs verändert werden sollen, soll eine Infoveranstaltung am Samstag Raum für Diskussionen bieten.

Streit um Straßenumbenennungen wegen NS-Vergangenheit

Der Ortsbeirat Nordost und eine Bürgerinitiative wollen, dass die Pfitznerstraße im Komponistenviertel umbenannt wird. Grund dafür ist die NS-Vergangenheit des für die Straße namensgebenden Musikers Hans Pfitzner (wir berichteten).

Das Thema erhitzt nicht nur die Gemüter vieler Wiesbadener, sondern auch die einiger Politiker. Mittlerweile hat sich eine Grundsatzdebatte darüber entwickelt, wie man mit Straßennamen umgehen soll, deren Namensgeber rassistisches oder antisemitisches Gedankengut verbreitet haben.

Linke fordert Gründung einer Kommission

„Über diesen konkreten Fall hinaus ist es — gerade angesichts aktueller neonazistischer, antisemitischer und rassistischer Aktivitäten bis hin zu Morden — an der Zeit, sich endlich einmal umfassend damit zu beschäftigen, welche Personen in der hessischen Landeshauptstadt mit der Benennung von Straßen, Gebäuden und Einrichtungen geehrt werden“, heißt es in einem Antrag der Linke&Piraten Rathausfraktion. Darin fordert die Fraktion, dass der Magistrat eine Arbeitsgruppe einberuft, die Kriterien zur Überprüfung von Namensgebungen erarbeitet und Umbenennungen vorschlägt. Solche Kommissionen gibt es beispielsweise in Neumünster und Freiburg.

Kritikpunkt: Großer bürokratischer Aufwand

„Auch die große Zahl von Namen, die es zu beachten gilt, kann kein Grund sein, solch unerträgliche Benennungen wie die nach Pfitzner beizubehalten“, heißt es in dem Antrag weiter. Genau daran stört sich allerdings die AfD-Rathausfraktion. „Allein die Prüfung würde viel Geld verschlingen und die Umbenennung einer Straße bringt für alle Beteiligten einen hohen bürokratischen Aufwand mit sich“, schreibt die Partei in einer Mitteilung. Anwohner müssten ihre Adressen und Ausweisdokumente anpassen, die Verwaltung Stadtpläne und Register. Zwar bescheinigt die Partei Pfitzner „aus heutiger Sicht eine antisemitische Haltung“, eine Umbenennung der Straße wäre aber „völlig unverhältnismäßig.“

Infoveranstaltung am Samstag

Darüber, ob es tatsächlich unverhältnismäßig ist, Straßen umzubenennen, deren Namensgeber eine antisemitische oder rassistische Haltung hatten, will der Ortsbeirat Nordost am Samstag diskutieren. Bei einer Infoveranstaltung will er die Meinung der Anwohner hören und über die Umbenennung informieren. Die Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Brigitte Streich, wird ebenfalls vor Ort sein, um Interessierten mehr über die Namensgebung und die Vita von Hans Erich Pfitzner zu erzählen.

Die Veranstaltung „Umbenennung der Pfitznerstraße – pro & kontra“ des Ortsbeirats startet am Samstag, den 19. Oktober um 11 Uhr im Antonius-Saal des Antoniusheims, Idsteiner Straße 109-111. Sie richtet sich an alle Anwohner, aber auch an andere Wiesbadener, die sich für die Thematik interessieren. (ts)

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