Straße in Wiesbaden behält Name von Nazi-Verehrer

Mit den Stimmen von FDP und CDU hat sich der Ortsbeirat Nordost gegen die Umbenennung der Pfitznerstraße entschieden. Statdessen werden dort Tafeln angebracht, die auf Pfitzners antisemitische Gesinnung hinweisen.

Straße in Wiesbaden behält Name von Nazi-Verehrer

So eine Sitzung hatte der Ortsbeirat Nordost wohl noch nicht erlebt. Die extra in den Festsaal des Rathauses verlegte Debatte wurde von lauten Zwischenrufen, hitzigen Debatten und tränenreichen Gefühlsausbrüchen bestimmt. Auf der Tagesordnung stand ein Thema, welches in den vergangenen Monaten über die Grenzen Wiesbadens hinweg für Schlagzeilen gesorgt hatte: Die Diskussion um die Umbenennung der Pfitznerstraße im Komponistenviertel.

Langjähriger Verehrer

Dass der Name der Straße diskutiert wird, liegt an der Vergangenheit ihres Namensgebers Hans Pfitzner. Der 1949 verstorbene Komponist galt als Verehrer von Adolf Hitler und der Nazi-Diktatur. Selbst nach Ende des Dritten Reichs verherrlichte er die Judenverfolgung und verteidigte Hitler. Wie groß der Wunsch ist, durch eine Umbenennung der Straße die Ehrung eines Antisemiten in Wiesbaden zu beenden, zeigte sich etwa an den zahlreichen Wortbeiträgen aus dem Publikum. Darunter auch die ehemalige Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul aus Wiesbaden: „Wir sollten zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz ein klares Signal setzen.“ Auch heute nehme der Hass auf Juden in Deutschland immer weiter zu, daher sei es nicht vereinbar, eine Person wie Pfitzner mit einer Straße zu ehren.

Kritik an dem Antrag gab es von der FDP-Fraktion. Diese hatte sich, anders als die Grünen, dagegen ausgesprochen, die Straße umzubenennen. Stattdessen sollen die Straßenschilder um Hinweisschilder ergänzt werden, die auf die Gesinnung Pfitzners hinweisen. Ein ähnliches Modell hatte die österreichische Hauptstadt Wien vor kurzem eingeführt. Zudem argumentierten FDP und CDU, dass eine Umbennung zu Unannehmlichkeiten für die Anwohner führe, wie der Beantragung neuer Ausweise, mit sich bringe.

„Der Tod von sechs Millionen Juden ist kein Vergleich zu den kleinen Unannehmlichkeiten der Anwohner.“ - Gabriel Dessauer

„Der Tod von sechs Millionen Juden ist kein Vergleich zu den kleinen Unannehmlichkeiten der Anwohner“, entgegnete Gabriel Dessauer von Wiesbadener Kulturbeirat. Aus seiner Sicht würde Pfitzner so weiterhin geehrt. Auch eine Anwohnerin der Straße meldete sich zu Wort: „Ich schäme mich, in so einer Straße zu wohnen.“ Für sie sei eine Beibehaltung des Namens nicht tragbar, einige Anwohner würden sogar überlegen, dort wegzuziehen.

Norman Gabler von der FDP argumentierte, dass erst durch die Debatte um die Straße die Gesinnung Pfitzners in der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Aus seiner Sicht sollten Straßennamen als Teil der Stadtgeschichte wahrgenommen werden. Für ihn sei eine Beibehaltung des Namens keine Ehrung Pfitzners, sondern ein Mittel, um die Diskussion um die Vergangenheit wachzuhalten. Dem entgegnete Lukas Schnabel (SPD), dass solche Hinweistafeln nur von sehr wenigen wahrgenommen werden, dazu etwa auf Straßenkarten oder Adressen gar nicht sichtbar seien.

Name bleibt

Schnabels Fraktion schloss sich einem Antrag der Grünen an, die eine Umbenennung der Straße forderten. Zusätzlich sollte ein Hinweisschild auf den früheren Namen der Straße und die Vergangenheit Pfitzners hinweisen. Unterstützt wurden sie dabei etwa von Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD), der auch eine Übernahme der durch die Umbenennung entstandenen Kosten in Aussicht stellte. Doch davon ließen sich die Abgeordneten von FDP und CDU nicht überzeugen und stimmten gegen den Vorschlag der Grünen und für den Vorschlag der FDP. (ts)

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