Protest gegen neues Gaskraftwerk für Wiesbaden

Eine Petition fordert den Stopp neuer Gaskraftwerke in Mainz und Wiesbaden. Die Initiatoren warnen vor massiven CO₂-Emissionen und sehen die Klimaziele in Gefahr. Die Betreiber sprechen von Energiesicherheit.

Protest gegen neues Gaskraftwerk für Wiesbaden

Mit einer Online-Petition fordern die „Scientists for Future Mainz/Wiesbaden“ den Stopp für die Planung und den Bau neuer Gaskraftwerke in der Region. Die Forderung richtet sich an Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, die Stadtverordnetenversammlung Wiesbaden und die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW). Statt auf fossile Energien zu setzen, solle der Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt werden, heißt es in dem Aufruf. Ein breiteres Bündnis aus Umweltverbänden schließt sich der Kritik an.

Die KMW plant konkret die Errichtung eines neuen Motorenkraftwerks mit rund 54 Megawatt Leistung auf der Ingelheimer Aue in Mainz, das Ende 2027 in Betrieb gehen soll. Laut KMW-Vorstand Oliver Malerius sei dies ein „strategischer Meilenstein für die Energieversorgung“. Langfristig ist zudem ein noch größeres, wasserstofffähiges Gaskraftwerk geplant, dessen Realisierung aber noch von politischen Entscheidungen abhängt.

Warnung vor massiven CO₂-Emissionen

Die Initiatoren der Petition kritisieren die Pläne scharf. Sie warnen, dass die neuen Kraftwerke im Jahr zusätzlich rund 300.000 Tonnen CO₂ ausstoßen würden. Das entspreche fast einer Verdreifachung der Abgase aller Autos in der Stadt Wiesbaden. Die Annahme, die Kraftwerke könnten bald mit klimaneutralem Wasserstoff betrieben werden, bezeichnen die Wissenschaftler als „Illusion“. Stattdessen würde der Betrieb auf Jahrzehnte mit teurem und klimaschädlichem Erdgas weiterlaufen. „Strom aus Gas ist teuer und extrem klimaschädlich“, betont auch Prof. Friedhelm Schönfeld von den Scientists for Future.

Zudem würden die neuen Kraftwerke den offiziellen Klimazielen von Wiesbaden (klimaneutral bis 2045) sowie den Zielen von Hessen und dem Bund widersprechen. Die Petition verweist auf die bereits spürbaren Folgen der Erderhitzung wie die Hitzerekorde im Juni 2026 mit über 40 Grad in Wiesbaden und die hohe Rheinwassertemperatur von fast 29 Grad.

Zweifel an Wasserstoff und Ruf nach Alternativen

Auch weitere Umweltverbände wie der BUND Mainz und Greenpeace Mainz-Wiesbaden äußern Bedenken. Sie kritisieren, dass mit der Investition von über 44 Millionen Euro „erneut eine alte, konventionelle Gaskraftwerkstechnik für Jahrzehnte zementiert“ werde, so Maren Goschke vom BUND. Die Perspektive einer Umstellung auf Wasserstoff sei fraglich. „Ob die Umstellung auf Wasserstoff jemals realistisch, ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein wird, ist jedoch mehr als fraglich. Grüner Wasserstoff ist Mangelware“, erklärt Prof. Thomas Hieke von den Christians for Future.

Die Kritiker bemängeln zudem, dass für das Projekt keine neue Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werde, obwohl die letzte aus dem Jahr 2005 stamme. Als Alternative zu den Gaskraftwerken schlagen die Verbände Batterietechnik vor. Diese sei eine bewährte und kostengünstige Alternative, deren Herstellungskosten in den letzten 15 Jahren drastisch gesunken seien. Die Bündnisse fordern nun eine offene Diskussion mit der Genehmigungsbehörde und der KMW, um Alternativen zu prüfen.