Nach 57 Jahren: Stadt Wiesbaden löst Rettungshundestaffel auf

Vor kurzem wurde die Wiesbadener Rettungshundestaffel aufgelöst – von der Feuerwehr selbst, deren Teil sie bisher war. Die Mitglieder wollen das nicht hinnehmen und haben eine Petition gestartet.

Nach 57 Jahren: Stadt Wiesbaden löst Rettungshundestaffel auf

Seit rund 57 Jahren bereits ist die Rettungshundestaffel (RHS) in Wiesbaden Teil der Feuerwehr. Doch vor kurzem wurde sie aufgelöst, mit „sofortiger Wirkung“ von der Berufsfeuerwehr und damit der Stadt selbst. „Die Gründe für die Auflösung wurden uns schriftlich durch die Feuerwehr mitgeteilt“, erklärt Sara Müller, die Mitglied der RHS ist, gegenüber Merkurist.

In dem Schreiben, das im Namen des Wiesbadener Oberbürgermeisters Gert-Uwe Mende verfasst wurde und Merkurist vorliegt, begründet die Feuerwehr diesen Schritt. Die Entscheidung sei „keineswegs leichtgefallen“, jedoch sorgfältig geprüft und abgewogen worden. Prinzipiell könne die „dauerhafte Sicherstellung innerhalb der bestehenden Strukturen“ nicht mehr gewährleistet werden, heißt es in dem Schreiben. Das liege vor allem an der „personellen Verfügbarkeit, Defiziten in der Ausbildungs- und Prüfungsstruktur sowie fehlender Dokumentation“.

Demnach hätte es bereits über einen längeren Zeitraum hinweg innerhalb der RHS zwischenmenschliche und strukturelle Probleme gegeben sowie der Suche nach Lösungen nur „Lippenbekenntnisse“ der Mitglieder. Verbessert worden sei jedoch wenig. Zudem sei es zu Tierschutzproblemen sowie aggressivem Verhalten einzelner Tiere gekommen. Anfang des Jahres sei dann die Leiterin der RHS kurzfristig zurückgetreten.

Bedeutender Beitrag zur Gefahrenabwehr und Sicherheit

Gleichzeitig sei man sich auch bei der Feuerwehr bewusst, dass die Mitglieder professionell und mit hoher Einsatzbereitschaft tätig gewesen seien und damit „einen bedeutenden Beitrag zur Gefahrenabwehr und zur Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt geleistet“ hätten - dafür danke man ihnen.

Die Entscheidung, die Einheit aufzulösen, habe man mit Vertretern der Freiwilligen Feuerwehr, der Amtsleitung, der zuständigen Abteilungsleitung sowie der Stadtbrandinspektion abgestimmt. „Dabei wurde übereinstimmend festgestellt, dass es in der bestehenden personellen und strukturellen Konstellation keine tragfähige Perspektive besteht.“ Sogar die damalige Leitung der Staffel habe empfohlen, die Einheit aufzulösen, schreibt Mende weiter. Die Mitglieder sollen ihre Ausrüstung an die Stadt zurückgeben.

Rettungshundestaffel widerspricht Vorwürfen der Stadt

„Wir widersprechen den Vorwürfen“, so Müller von der RHS. Viele hätten bereits seit Jahrzehnten hier ehrenamtlich ihre Zeit und Energie investiert, die Arbeit ist rein ehrenamtlich. „Dass eine solche gewachsene Einheit von heute auf morgen beendet wird, ist für viele kaum nachvollziehbar.“

„Wir haben ein umfangreiche Ausbildung bei der Freiwilligen Feuerwehr absolviert und viel Zeit sowie Engagement investiert. Daher können und wollen wir die Entscheidung nicht hinnehmen“, sagt Müller. Sie hätten sich gewünscht, die Entscheidung mit allen Beteiligten besprochen zu haben. Das hätte die „Wertschätzung für die geleistete Arbeit und das Engagement der Mitglieder“ widergespiegelt, schreiben die Mitglieder in einem Antwortschreiben an Mende.

Die „unkonkreten Querelen“ hätte die Mannschaft nicht nachvollziehen können. Zudem würden sie keine rechtliche Grundlage für die Auflösung sehen. Hier bitte man um „Klarstellung“. Viele Absprachen seien außerdem über die Köpfe der Mitglieder hinweg getroffen worden. Die fehlende Dokumentation habe außerdem an einem fehlenden Zugang zur entsprechenden Plattform des städtischen Amts gelegen. Alle Vorgänge seien jedoch schriftlich festgelegt worden. Auch fehlten Belege für die erwähnten „Beißvorgänge“ oder „tierschutzrelevanten Fälle“ sowie die fehlende Fachkompetenz. „Viele der behaupteten ‘Mängel’ weisen offensichtlich auf Unstimmigkeiten zwischen Amtsleitung und Staffelleitung hin.“ Die Mannschaft selbst sei darüber nie informiert worden.

Mitglieder fordern klärendes Gespräch

Daher haben einige Mitglieder eine Petition gestartet, in der sie ein „zeitnahes klärendes Gespräch mit den Verantwortlichen“ fordern sowie ein Konzept, das den Fortbestand der Rettungshundestaffel sichert. „Die Staffel rettet Leben bei der Suche nach vermissten Personen, insbesondere Kindern und älteren Menschen, sowie nach Katastrophen wie Erdbeben. Jede Verzögerung kann im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden“, schreiben sie. Andernfalls könnten in Notfällen wertvolle Zeit und Ressourcen verloren gehen. „Die Staffel muss umgehend wieder aktiviert werden, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten und Menschenleben zu schützen.“

Tatsächlich unterstütze auch die Stadt Wiesbaden eine Neugründung der Rettungshundestaffel, heißt es in dem Schreiben von Mende abschließend. Voraussetzung sei dafür jedoch, dass klare Strukturen aufgebaut würden und „fachliche Standards entsprechend den Empfehlungen des Deutschen Feuerwehrverbands“ eingehalten würden. Die Mannschaft der Rettungshundestaffel indes wünscht sich etwa einen „Runden Tisch“. Es solle nun miteinander gesprochen und Themen transparent gemacht werden.