Im April 2025 meldete die Firma Colt Data Centre Services, dass neuen Rechenzentren geplant sind – unter anderem in der Region Frankfurt am Main. Wenig später war klar, zwei Rechenzentren sollen in „dem Stadtgebiet Wiesbaden“ entstehen. Die Standortentscheidung wurde, laut Medienberichten, von Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) begrüßt. Mittlerweile ist der konkrete Standort klar: in der Anna-Birle-Straße in Mainz-Kastel, kurz vor der Brücke über die A66.
Die Bauvoranfrage wurde genehmigt, der Bauantrag werde derzeit bearbeitet, schreibt die Wiesbadener Pressestelle auf Merkurist-Nachfrage. Währenddessen finden auf dem Gelände im Petersweg-Ost bereits Erdarbeiten statt. Es handele sich um vorbereitende Arbeiten, wie Kampfmittelsondierungen und archäologische Untersuchungen und nicht um den Beginn der eigentlichen Bauarbeiten so die Pressestelle, die sich auf Angaben des Unternehmens bezieht.
Ortsbeirat nicht eingebunden
In der Sitzung des Ortsbeirats Mainz-Kastel am 10. September 2026 stellte die AUF-Fraktion (Arbeitskreis Umwelt und Frieden) einen Dringlichkeitsantrag. Ortsbeiräte müssten bei Ansiedlungen, Verlegungen oder wesentlichen Erweiterungen von Betrieben, die im jeweiligen Ortsbezirk von besonderer Bedeutung sind, beteiligt werden, heißt es zur Begründung der Dringlichkeit.
Im vorliegenden Falle, Errichtung zweier großer Rechenzentren im Gewerbegebiet Petersweg-Ost, sei dies nicht erfolgt. Laut Antrag wird der Magistrat gebeten, dem Ortsbeirat Mainz-Kastel umfassend über den Planungsstand der von Colt Data Centre Services angekündigten Rechenzentren „Frankfurt 4 und 5“ im Gewerbegebiet Petersweg Ost zu berichten.
Offene Fragen
Die Frage, warum der Ortsbeirat Kastel/Kostheim bislang nicht über das Vorhaben informiert wurde, beantwortet die Wiesbadener Pressestelle so: „Das Projekt ist im Rahmen des Bebauungsplans möglich, der vom Ortsbeirat genehmigt wurde. Eine weitere Information des Ortsbeirats ist deshalb nicht zwingend erforderlich.“ Das Unternehmen selbst will auf der Ortsbeirats-Sitzung am 20. Oktober das Projekt vorstellen und Fragen beantworten. Anwohner und Anlieger seien bereits informiert worden.
Fragen, die sowohl die Ortsbeiratsmitglieder beschäftigen, als auch für die Bevölkerung in Kastel interessant sein dürften, betreffen die Stromversorgung für die Rechenzentren, deren Kühlung, den Wasserverbauch. Auch die Lärmemissionen sowie die Nutzung der Abwärme für die kommunale Fernwärmeversorgung sind von Interesse. Diese Punkte sind im Dringlichkeitsantrag der AUF-Fraktion vom 10. September formuliert.
Vorteile für Wiesbaden?
Laut der Pressestelle Wiesbaden werde derzeit eine möglichst weitgehende Nutzung der Abwärme von ESWE-Versorgung geprüft: „Nach Angaben des Unternehmens ist eine Auskopplung von Abwärme in der Planung beider Gebäude technisch vorgesehen.“ Man stehe hierzu im technischen und vertraglichen Austausch mit einem lokalen Fernwärmenetzbetreiber mit dem Ziel, einen Teil der anfallenden Abwärme für die Wärmeversorgung bereitzustellen.
Wie hoch tatsächlich der Anteil der abfallenden Abwärme sein wird, dürfte eine der Fragen sein, die in der Sitzung des Ortsbeirats Kastel/Kostheim am Dienstag (20. Oktober) den Unternehmens-Vertretern gestellt wird. Vielleicht kann dabei auch geklärt werden, wie viele dauerhafte Arbeitsplätze entstehen, welche lokale Wertschöpfung und welche Gewerbesteuereinnahmen erwartet werden und ob die steuerlich maßgebliche Betriebsstätte in Wiesbaden liegt.