Tägliche Verspätungen der Rheingaulinie führen zu langen Wartezeiten an den Gleisen

Personalmangel, ein Zugunglück und eine Baustelle sorgen derzeit für viele Zugausfälle und Verspätungen auf der Rheingaulinie. Besserung ist bis Ende September nicht in Sicht.

Tägliche Verspätungen der Rheingaulinie führen zu langen Wartezeiten an den Gleisen

Wer zwischen Rheingau und Frankfurt mit der Rheingaulinie pendelt, muss sich derzeit auf lange Wartezeiten einstellen. Viele Züge fallen noch mindestens bis Ende September sogar komplett aus.

Zu wenig Zugführer

„Die Anzahl ausfallender Fahrten variiert tagesaktuell.“ - Betreiberfirma VIAS

„Die Anzahl ausfallender Fahrten variiert tagesaktuell, je nach verfügbarer Mitarbeiter“, bestätigt die Betreiberfirma „VIAS“. Tatsächlich mangele es dem Unternehmen aktuell an Personal, Grund dafür seien strenge Corona-Auflagen, die die Ausbildung von neuen Fahrzeugführern verzögere. Erst im Oktober können die Auszubildenden ihre Prüfung ablegen, um als neue Mitarbeiter zugelassen zu werden. Weitere Anwärter seien in der theoretischen Ausbildung und könnten erst Anfang 2021 eingesetzt werden.

So komme es seit Anfang September vor allem auf den Linien R9 und RE10 zu Ausfällen. Das Unternehmen habe dabei anfangs versucht, die ausfallenden Züge so zu takten, dass eine Wartezeit auf die nächste Verbindung nur maximal 30 Minuten dauert. Doch ein Zugunfall in Niederlahnstein im Rhein-Lahn-Kreis führt jetzt zu weiteren Verspätungen.

Nur ein Gleis am Bahnhof

Dort war am am 1. September ein Güterzug entgleist. Durchfahrten, so teilt die Rheingaulinie mit, seien zwar seit dem 9. September wieder möglich, doch es stehe seitdem nur noch ein Gleis zur Verfügung. Deshalb müssen Züge, die in Richtung Wiesbaden und Frankfurt fahren, dort zum Teil länger warten als sonst. Konkret spricht die Rheingaulinie von sieben bis 15 Minuten Verspätung bei der Abfahrt, die bis Wiesbaden nicht immer ausgeglichen werden könnten. Derzeit schätzt das Unternehmen, dass mit den Verspätungen noch mindestens bis zum 20. September gerechnet werden muss.

Ab dem 13. September entfällt zudem eine Woche lang der Halt am Bahnhof Oestrich-Winkel im Rheingau. Dort werden Arbeiten am Bahnsteig durchgeführt. Für die Dauer der Baustelle soll am Bahnhof ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden.

Alternative: S-Bahn

Über Zugausfälle und Verspätungen informiert der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) aktuell auf seiner Homepage. Auch alternative Verbindungen werden dort angezeigt. So sind die S-Bahnen S8, S9 und S1 beliebte Alternativen für Fahrten zwischen Frankfurt und Wiesbaden. Auf Nachfrage von Merkurist bestätigte eine Bahnsprecherin, dass diese Züge genügend Platz für die Fahrgäste bieten.

„Oft sind nur die Wagen vollbesetzt, die bei der Einfahrt in einen großen Bahnhof in Treppennähe gehalten haben.“ - Bahnsprecherin

„Die Auslastung auf diesen Linien beträgt derzeit nur rund 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagt sie. Als Begründung nennt sie die Corona-Pandemie und das viele Fahrgäste derzeit auf öffentliche Verkehrsmittel verzichten. Außerdem befänden sich viele Arbeitnehmer noch im Homeoffice. Damit in den Wagen genügend Abstand gehalten werden kann, sei man aber trotzdem mit genauso vielen Wagen unterwegs wie vor der Pandemie. Allerdings beobachten die Bahnmitarbeiter, dass es an den Bahnsteigen oft sehr eng ist. „Viele Fahrgäste bleiben beim Warten in Treppennähe stehen und verteilen sich nicht am Bahnsteig“, so die Sprecherin. Das Bild setze sich dann im Zug selbst fort. „Wir empfehlen nach dem Einsteigen zu schauen, ob in anderen Wagons vielleicht mehr Platz ist. Oft sind nur die Wagen vollbesetzt, die bei der Einfahrt in einen großen Bahnhof in Treppennähe gehalten haben.“ (ts)

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