Kiezkaufhaus steht vor dem Aus

Vier Jahre lang hat das Kiezkaufhaus in Wiesbaden regionale Produkte mit dem Lastenrad von A nach B gebracht. Jetzt legen die Verantwortlichen eine Pause ein.

Kiezkaufhaus steht vor dem Aus

Es war eine Idee, die eigentlich vor allem im Umwelt-Jahr 2019 hätte einschlagen müssen: Vor vier Jahren startete das Kiezkaufhaus Wiesbaden damit, regionale Produkte mit dem Lastenrad auszuliefern. Der Gedanke dahinter: Anstatt Waren von Lkw in die Innenstädte fahren zu lassen, sollten regionale Produkte umweltfreundlich an den Mann gebracht werden. Das Konzept kam gut an — und muss jetzt dennoch eine Pause einlegen.

Nicht genug Kunden, wenig Unterstützung

„Wir hatten einfach nicht genug Kunden.“ - Karina Bareis, Kiezkaufhaus

„Wir hatten einfach nicht genug Kunden“, erklärt Karina Bareis, Projektleiterin beim Kiezkaufhaus, in einer Mitteilung. Im Schnitt wurden täglich nur zwischen zehn und 15 Bestellungen ausgeliefert. Um schwarze Zahlen zu schreiben, hätte das Kiezkaufhaus aber 40 Bestellungen gebraucht. „Wir wurden fälschlicherweise als weiterer Marktplayer wahrgenommen und nicht als Förderer eines alternativen urbanen Lebens in Wiesbaden“, so Bareis weiter. „Hier hätten wir uns zum Beispiel auch von Seiten der Stadt mehr Unterstützung gewünscht.“

Kiezkaufhaus-Gründer Michael Volkmer sieht das ähnlich. Er meint, dass Städte und Länder die digitale Infrastruktur für Konzepte wie das hinter dem Kiezkaufhaus bereitstellen sollten, wenn sie Innenstädte am Leben halten und das Geschäft nicht vollkommen Firmen wie Amazon und Zalando überlassen wollen.

Pause ab dem 31. Januar

Schon 2018 machten sich viele treue Kunden Sorgen um das Kiezkaufhaus, weil es ruhig um das Projekt geworden war. Damals sagten die Verantwortlichen noch, es liefe gut. Es gab viele Pläne, unter anderem sollte die Webseite neu gestaltet werden. Tatsächlich ging die neue Seite 2019 an den Start, mehr Kunden hat sie aber offenbar nicht gebracht.

Deshalb legt das Team jetzt eine Pause ein — vor allem, um Kräfte zu sammeln und sich neu zu erfinden, wie die Verantwortlichen sagen. Die Webseite bleibt aber online. Ausgewählte Produkte der Wiesbadener Händler können dort weiterhin angesehen, aber ab dem 31. Januar eben nicht mehr über das Kiezkaufhaus bestellt werden. In Bad Honnef bei Bonn, wo es mittlerweile auch ein Kiezkaufhaus gibt, bleibt alles beim Alten und auch andere Kommunen können die Software weiterhin nutzen.

Kiezkurier-Dienst bleibt

Auch die Kiezkaufhaus-Fahrer bleiben in Wiesbaden weiterhin beschäftigt. Denn erst im vergangenen Jahr ging das Unternehmen mit einem Kiezkurier-Dienst an den Start und will diesen auch weiterhin betreiben. Die Kurierfahrer fahren mit ihren Cargo-Bikes täglich CO2-neutral Waren, Briefe und eilige Sendungen in Wiesbaden von A nach B. (ts)

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