Warum die Parkplatznot in der Wiesbadener Innenstadt ein Mythos ist

Zu teure und zu wenige Parkplätze: So wird häufig die Situation der Wiesbadener Parkhäuser beschrieben. Dabei gibt viele Häuser, die für wenig Geld noch freie Parkplätze bieten — doch viele scheinen diese nicht zu kennen.

Warum die Parkplatznot in der Wiesbadener Innenstadt ein Mythos ist

Wenn man die Wiesbadener Bürger fragt, was sie an ihrer Innenstadt auszusetzen haben, werden verschiedene Punkte genannt. Während einige die Auswahl der Geschäfte entlang der Kirch- und Langgasse bemängeln, ist vielen die vermeintlich schlechte Parkplatzsituation ein Dorn im Auge. Dabei wird entweder die zu geringe Anzahl an Parkplätzen rund um die Einkaufsstraßen genannt oder die viel zu hohen Preise der Parkhäuser werden kritisiert.

Doch wie schlecht ist die Situation wirklich? Wir haben uns die Preise und Auslastung der Häuser genauer angeschaut.

Unter 25 Prozent Auslastung

Beobachtet man die Auslastungen der Wiesbadener Innenstadt-Parkhäuser an einen typischen Wochentag, unterscheiden sich diese deutlich. Während einige Häuser schon am frühen Morgen fast vollständig belegt sind, herrscht in anderen selbst zu Stoßzeiten gähnende Leere. Darunter auch das Parkhaus am RheinMain CongressCenter (RMCC), wie auch Merkurist- Leserin Carolin aufgefallen ist:

Tatsächlich parken in dem Haus selten mehr als 150 Autos, was bei den mehr als 700 Plätzen in der Garage einer Auslastung von unter 25 Prozent entspricht. Zwar wird diese Kapazität während Messen im RMCC stark beschränkt, ansonsten ist das Parkhaus aber frei zugänglich und mit 2 Euro pro Stunde und maximal 10 Euro pro Tag für Wiesbadener Verhältnisse günstig.

„Das liegt unseres Erachtens daran, dass sich ihr Vorhandensein sowie die Möglichkeit, dort preisgünstig in unmittelbarer Innenstadtnähe parken zu können, noch nicht hinreichend unter den Wiesbadenern herumgesprochen hat“, erklärt ein Sprecher von „Contipark“, dem Verwalter des Parkhauses. Die Parkhausgesellschaft ist aber zuversichtlich, dass sich dies in den kommenden Monaten noch ändern werde.

Nähe kein Argument

Neben der Unbekanntheit des Parkhauses scheint auch die Entfernung zur Innenstadt ein Grund für die Leere zu sein, wie Leser Ronny meint:

Betrachtet man die Parkhäuser, welche unmittelbar an die Wiesbadener Fußgängerzone angrenzen, sind einige davon tatsächlich schon am frühen Mittag stark frequentiert. Dazu gehören etwa die Plätze der bekannten Kaufhäuser Karstadt, Kaufhof, oder Luisenforum. Auch das Parkhaus am Markt, direkt unter dem Dern’schen Gelände, ist trotz des hohen Preises von 3 Euro pro Stunde oftmals sehr voll.

Ein ganz anderes Bild bieten da aber die Parkhäuser in der Coulinstraße und der Mauritius-Passage. Zwar grenzen diese ebenfalls direkt an die Fußgängerzone an, doch werden sie ähnlich schwach angefahren wie das deutlich weiter entfernte Haus im RMCC. Während sich das Haus an der Coulinstraße mit 3 Euro in der Stunde zwar im oberen Wiesbadener Preissegment bewegt, gehört das Maurtitius-Parkhaus mit 1,80 Euro in der Stunde zu den günstigsten Parkmöglichkeiten der Innenstadt.

Ein Grund für die maue Nutzung der beiden Häuser könnte, ähnlich wie beim RMCC, der niedrige Bekanntheitsgrad der Bauwerke sein — beide wurden erst vor wenigen Jahren neu gebaut. Zudem sind sie, besonders für Ortsfremde, nicht direkt zu finden. Denn das Wiesbadener Parkleitsystem weist die Häuser im Karstadt, Kaufhof oder Markt direkt aus, zeigt die Parkflächen entlang der Schwalbacher Straße aber lediglich als eine gemeinsame Parkzone an. Neben den genannten Parkhäusern in der Coulinstraße und dem Mauritius-Haus zählen auch die beiden städtischen Parkhäuser City I und II dazu, was es nicht einfacher macht, die Häuser direkt zu finden. (js)

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