Aktivisten wandeln Parkplätze in Wiesbaden zu Wohnungen um

Parallel zum weltweiten Klimastreik fand am Freitag auch der 4. Wiesbadener PARK(ing) Day statt – einen Tag lang wurden öffentliche Parkplätze zu Räumen der Begegnung. Wir waren für euch unterwegs und haben uns umgeschaut.

Aktivisten wandeln Parkplätze in Wiesbaden zu Wohnungen um

Garten, Wohnzimmer, Schreibtisch, Bett und Bücherregal, wo sonst Autos parken. Direkt vor dem Tag.Werk am Bismarckring ist an diesem Freitag eine 3,5-Zimmer-Wohnung aus dem Nichts entstanden - wenn auch nur symbolisch. Leute sitzen zusammen, unterhalten sich, trinken und feiern. Was wie ein Mix aus lockerer WG-Party und Straßenfest aussieht, ist Teil des internationalen Aktionstags, an dem seit 2005 einmal jährlich für einen Tag Parkflächen von der und für die Öffentlichkeit „zurückerobert“ werden. In Wiesbaden wurde der Aktionstag in diesem Jahr schon zum vierten Mal von der Fahrrad-Botschaft Wiesbaden und dem VCD Wiesbaden / Rheingau-Taunus organisiert.

„Zwei Zimmer, Küche, Bad“

Wo sonst fünf Autos stehen, können jetzt mindestens 25 Leute sitzen.“ - Dave vom Tag.Werk-Team

„Wir sind dieses Jahr das erste Mal beim Parking Day dabei“, erzählt Dave vom Tag.Werk-Team. Auf den Aktionstag aufmerksam geworden sei man ziemlich kurzfristig durch einen Workshop bei der Diakonie zum Thema Wohnungslosigkeit. Das sei auch der Ursprung der Idee gewesen, die Parkplätze in eine Wohnung zu verwandeln: „Wir wollten zeigen, was mit diesem Platz alternativ alles möglich wäre: Eine komplette Wohnung mit zwei Zimmern, Küche und Garten. Wo sonst fünf Autos stehen, können jetzt mindestens 25 Leute sitzen.“

„Urban Jungle“

Direkt neben der „Wohnung“ vor dem Tag.Werk haben Landschaftsarchitektur -Studenten von der Hochschule Geisenheim eine Garten-Lounge aufgebaut. Ihr Projekt „Urban Jungle“ schafft aus Möbeln und jeder Menge Topfpflanzen eine grüne Insel auf dem Asphalt - einen Ort zum gemütlichen Beisammensein, wo sonst Autos stehen.

„Als Landschaftsarchitekten wollen wir Grün in die Öffentlichkeit bringen und urbane Freiräume erschließen“, sagt Sabrina Köpke, Initiatorin der Aktion. Das achtköpfige Team war in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Seit 8 Uhr morgens haben sie aufgebaut - die Pflanzen, die Möbel und die restliche Dekoration sind fast alle von zuhause mitgebracht.

Malen und spielen vor der Blücherschule

Vor dem Eingang zur Blücherschule in der Scharnhorststraße wird eifrig gemalt. Kinder gestalten Holzfiguren, die später aufgestellt werden, um Autofahrer in der Straße auf die Schulkinder aufmerksam zu machen, die hier oft die Straße überqueren. Drum herum wird geredet und gespielt, es gibt Kaffee und Kuchen - auch hier auf Stellplätzen, auf denen sonst Autos parken. „Wir haben schon vor zwei Tagen die Parkplätze mit eigenen Autos geblockt, damit das heute klappt“, erzählt Michaela Arndt von der Stadtteilgruppe Lebenswertes Westend, welche die Aktion organisiert hat. Es gehe um Aufmerksamkeit für den Klimaschutz und auch darum, mehr Raum für Menschen und Tiere zu fordern „und weniger für Blech.“

Positive Reaktionen

Bis 23 Uhr ging der PARK(ing) Day - danach mussten die Parkplätze wieder freigegeben werden. Alle drei Gruppen zogen am Nachmittag ein positives vorläufiges Fazit. Das Interesse sei groß und die Aktionen kämen gut bei den Wiesbadenern an. Probleme oder Beschwerden habe es wegen der blockierten Parkplätze auch keine gegeben. „Vorhin war die Stadtpolizei kurz hier“, erzählt Dave vom Tag.Werk - „die wussten zwar nichts von dem Aktionstag, haben uns aber viel Spaß und Erfolg gewünscht.“ Zu befürchten habe man aber ohnehin nichts gehabt, die Aktionen seinen alle ordentlich angemeldet. (nl)

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