Sorge wegen Corona-Zahlen im Rheingau-Taunus-Kreis

Im Rheingau-Taunus-Kreis entsteht derzeit ein Maßnahmenkatalog, der greifen könnte, wenn die Zahl der Corona-Infizierten weiter steigt. Der Krisenstab kämpft zudem mit Verschwörungstheoretikern und „schwarzen Schafen“ in der Gastronomie.

Sorge wegen Corona-Zahlen im Rheingau-Taunus-Kreis

Mit mehr als 35 Infizierten pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen hat auch der Rheingau-Taunus-Kreis die nächste Warnstufe der Corona-Ampel erreicht. Wie der Kreis am Montag mitteilt, seien allein im Verlauf des Wochenendes 40 Neuinfizierte gemeldet worden.

„Der Krisenstab des Rheingau-Taunus-Kreises hat sich mit der Entwicklung und den rasant steigenden Zahlen heute eingehend und ausführlich beschäftigt“, berichtet Landrat und Leiter des Krisenstabs, Frank Kilian. Er kündigt an, dass es im Kreis erweiterte Corona-Maßnahmen geben könnte, wenn die Zahlen in den kommenden Tagen weiter steigen. Ein Katalog mit möglichen Regelungen sei bereits in der Ausarbeitung.

Viele Hotspots im Kreis

Während in den vergangenen Wochen Reiserückkehrer vor allem für das Infektionsgeschehen verantwortlich zeichneten, verändert sich das Bild laut Krisenstab derzeit: „Wir haben kleinere und größere Hotspots im Kreis, für die ganz unterschiedliche Anlässe der Grund sind.“ Familien- und private Feiern mit bis zu 150, 200 Gästen dienen demnach vermehrt als Ansteckungsherd, ebenso wie Veranstaltungen, bei denen sich die Organisatoren nicht an ihr Hygienekonzept halten, das zuvor vom Gesundheitsamt abgenommen wurde. „In einem Restaurant im Kreis gab es unter den 74 Gästen aus dem In- und Ausland sowie dem Personal einen Corona-Ausbruch, der große Auswirkungen hatte, so dass das Personal des Gesundheitsamtes tagelang nur mit diesem einen Fall gebunden war“, berichtet Kilian.

Auch Liane Schmidt, zuständige Fachbereichsleiterin in der Kreisverwaltung, kann bestätigen, dass die Infektionen an unterschiedlichen Stellen aufgetreten sind. „Es gibt positive Corona-Infektionen in unterschiedlichen Orten im Kreisgebiet, etwa Gemeinschaftsunterkünften, in Kindertagesstätten und in weiteren Einrichtungen, die einen riesigen Arbeitsaufwand für das Gesundheitsamt zur Folge habe, den wiederum viele Außenstehende nicht erkennen können.“ Nach Angaben des Gesundheitsamtes mussten in den vergangenen Tagen rund 300 Quarantäne-Anordnungen im Kreis geschrieben und an die betreffenden Personen übergeben werden. Zu all diesen Personen mussten die Mitarbeiter des Amtes zudem Kontaktpersonen erfassen und nachverfolgen. Damit seien viele Mitarbeiter täglich von 6:30 Uhr bis in den späten Abend hinein beschäftigt gewesen.

Einen ähnlich hohen Arbeitsaufwand beschreibt auch Simone Witzel vom Bürgertelefon des Rheingau-Taunus-Kreises. „Derzeit steht das Thema innerdeutsche Hotspots ganz oben auf der Liste“, nennt sie das am häufigsten erfragte Thema.

Verschwörungstheoretiker und schwarze Schafe

Dabei habe der Kreis auch mit vielen Verschwörungstheoretikern zu kämpfen. So berichtet Gesundheits-Dezernentin Monika Merkert von Flyern, die im Gebiet verteilt wurden. Mit ihnen sollen die Verfasser die Bürger dazu aufgerufen haben, keine Mund-Nasen-Bedeckungen in der Öffentlichkeit zu tragen. Zudem habe es im Kreisgebiet schon mehrfach Meldungen von Gaststätten gegeben, in denen Gäste ohne Abstand beieinander saßen und in denen Tische nicht regelmäßig desinfiziert wurden. „Die große Zahl an Besitzern von Restaurants und Gaststätten halten sich sehr penibel an die Regeln und verringern somit ihre Einnahmen, wodurch deren Existenz bedroht ist. Es gibt aber leider einige ‚schwarze Schafe‘ in der Branche, denen die Auswirkungen ihres Handelns vollkommen egal sind. Diese setzen sich über die vorgegebenen Vorsichtsmaßnahmen einfach hinweg. Das werden wir nicht hinnehmen!“, sagt Kilian und erklärt, dass das Gesundheitsamt diesen Hinweisen — zum Teil auch mit Hilfe der Bürgermeister — nachgehe. (pk)

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