Abweichende Corona-Fallzahlen: Welche Werte gelten für neue Maßnahmen

Einige Corona-Maßnahmen gelten in Hessen ab Freitag immer dann, wenn der 7-Tage-Inzidenz den Wert von 35 überschreitet. Doch genau dieser Wert stimmt auf der Homepage der Stadt nicht immer mit dem des RKIs überein.

Abweichende Corona-Fallzahlen: Welche Werte gelten für neue Maßnahmen

43,1 Neuinfizierte pro 100.000 in den letzten sieben Tagen in Wiesbaden — So lautet der aktuelle Wert von Mittwoch, den das Hessische Ministerium für Gesundheit und Soziales in seinem täglichen Bulletin veröffentlicht. Ab 35 greifen einige Beschränkungen, die auf Bundes- und Landesebene beschlossen wurden (wir berichteten). Auf der Homepage der Stadt Wiesbaden liegt der Wert jedoch nur bei 41,24. Am Dienstag gingen die Zahlen sogar noch weiter auseinander: Das Land meldete einen Wert von 44,9, die Stadt nur 25,1.

Abweichende Zahlen sorgen für Verwirrung

Die abweichenden Zahlen haben in den vergangenen Tagen zu vielen Fragen geführt. So haben Merkurist-Leser berichtet, dass ihr Arbeitgeber die interne Homeoffice-Regelung an den Zahlen festmacht, und Mitarbeiter nicht wussten, ob sie im Büro erscheinen müssen. Andere waren unsicher, ob die Maßnahmen, die Bund- und Land beschlossen haben, schon greifen oder nicht, etwa als Gastgeber, der die maximale Teilnehmerzahl für eine Veranstaltung wissen wollte.

Dass es zu Abweichungen kommt, weiß das Gesundheitsamt — und kennt auch die Erklärung dafür. Schon am Montag erklärte die Stadt via Twitter, dass dem Robert-Koch-Institut (RKI) eine falsche Einwohnerzahl für die Berechnungen vorliege. Darauf habe die Stadt das Institut inzwischen aber hingewiesen. Die große Differenz konnte allein dadurch aber noch nicht geklärt werden. Stattdessen, so das Amt, liegen unterschiedliche Berechnungsgrundlagen vor. Während das RKI, von dem auch das Ministerium die Zahlen übernimmt, Fälle erst dann mit einrechnet, wenn ein positiver Test gemeldet wurde, orientiere sich das Gesundheitsamt am eigentlichen Ausbruch der Krankheit. „Die Berechnung der Sieben-Tage-Inzidenz und weitere Werte basieren auf den Tagen, an denen Personen erste Symptome aufweisen“, heißt es in der Erklärung.

Unterschiedliche Berechnungsmethoden

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Angenommen, eine Frau zeigt am 1. Oktober erste Symptome, zum Beispiel Husten. Am 3. Oktober geht die Frau zum Arzt, am 4. Oktober erfolgt ein Abstrich für einen Corona-Test und am 5. Oktober liegt das Testergebnis dem Gesundheitsamt Wiesbaden vor. Das Land Hessen datiert die Neuinfektion auf den 5. Oktober, das Gesundheitsamt auf den 1. Oktober. In der Statistik des Landes wird der Fall als Neuinfektion in der letzten Woche also noch eine Woche nach dem 5. Oktober mitgezählt, in der Statistik der Stadt nur bis zum 8. Oktober - also bis sieben Tage nach Auftreten der ersten Symptome.

Weil sich die Zahlen in den vergangenen Tagen so enorm unterschieden haben, hat sich die Stadt Wiesbaden nun dazu entschlossen, ab Donnerstag immer beide Zahlen auf ihrer Homepage zu veröffentlichen. So können sich Bürger über beide Werte informieren.

Ausschlaggebend für das Ergreifen von Maßnahmen nach dem hessischen Präventions- und Eskalationskonzept sind dabei die Zahlen nach der Berechnungsmethode des Landes. Die Zahlen nach der städtischen Berechnungsmethode werden hingegen genutzt, um die Lage vor Ort detaillierter einschätzen zu können. (ms)

Logo