Wegen Auschwitz: Neuer Straßennamne „An der Rampe“ stößt auf Kritik

Der Ortsbeirat Kostheim hat für das neue Wohngebiet auf dem ehemaligen Linde-Gelände die zukünftigen Straßennamen beschlossen. Einer davon stößt jedoch auf Kritik, da dieser an den Holocaust erinnern würde.

Wegen Auschwitz: Neuer Straßennamne „An der Rampe“ stößt auf Kritik

Um den angespannten Wohnungsmarkt in Wiesbaden zu entlasten, plant die Stadt aktuell eine Reihe von Neubauprojekten, darunter auch auf dem Linde-Gelände in Kostheim. Zwar wird es noch ein paar Jahre dauern, bis die Wohnhäuser dort fertig sind, an dem Projekt gibt es aber jetzt schon vereinzelte Kritik. Diese bezieht sich aber nicht auf das Bauprojekt an sich, sondern auf eine Entscheidung des Ortsbeirats im Vorfeld der Planungen.

Straße hieß schon vor 100 Jahren „Rampe“

Dieser hatte in seiner Sitzung Ende Januar die Straßennamen für das neue Viertel beschlossen. Diese orientieren sich an bestehenden Ortsmarken rund um Kostheim, wie etwa an Bushaltestellen. Eine der neuen Straßen soll „An der Rampe“ heißen. Damit sollte ein alter Straßenname wiederbelebt werden, der bis ins Jahr 1907 zurückreicht. Laut dem Mainzer Stadtarchiv wurde die Straße anlässlich der Überbrückung der Taunusbahn 1907 mit Material aus dem Bau des Floßhafens errichtet. Das Linde-Werk trug lange Zeit die Adresse „An der Rampe 21.“

Doch trotz dieses historischen Hintergrunds stößt sich der „Arbeitskreis, Umwelt, Frieden“ (AUF) aus dem Kostheimer Ortsbeirat an dem Namen. „Es war ein Fehler von uns, nicht schon in der Sitzung deutlich auf die Problematik dieses Namens hinzuweisen,“ erklärte AUF-Fraktionssprecherin Marion Mück-Raab zum Beschluss des Kostheimer Ortsbeirates. Das Problem aus Sicht von AUF: Der Name würde zu sehr an die Rampe des Vernichtungslager Auschwitz erinnern. An der Rampe des Lagers wurden die Gefangenen von der SS „aussortiert“ und in ihren Tod in die Gaskammern geschickt.

„Es ist geschichtsvergessen und unsensibel.“ - Marion Mück-Raab, AUF

„Sicher verbindet nicht jeder mit dem Begriff ‘Rampe’ den Ort in Auschwitz, an dem Millionen Menschen in die Gaskammern geschickt wurden“, so die Sprecherin. Für die Opfer des Holocaust und deren Angehörige wäre aus Sicht der AUF der Name aber schon ein Problem. „Es ist geschichtsvergessen und unsensibel, einen solchen Namen zu wählen“, so Mück-Raab. Der AUF will nun den Ortsbeirat bitten, den Beschluss zu korrigieren. Dessen nächste Sitzung findet am 2. März statt. (ts)

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