Wiesbadener Wirte: Hygienemaßnahmen kaum umzusetzen

In einem offenen Brief an Wiesbadens Oberbürgermeister Mende haben sich 39 lokale Gastronomen über die derzeitige Situation beklagt. Sie machen außerdem klar: Wenn sich nicht bald etwas ändert, werden viele von ihnen nicht überleben.

Wiesbadener Wirte: Hygienemaßnahmen kaum umzusetzen

Die Wirte von 39 inhabergeführten Gastronomien in Wiesbaden haben sich in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) gewandt. Sie fühlen sich im Stich gelassen und sagen: „Wenn neben den angekündigten Lockerungen nicht eine weitere echte finanzielle Soforthilfe kommt, werden viele Betriebe die nächsten Wochen nicht überleben.“

Die Gastronomen haben sich zu Beginn der Coronakrise für das Gutscheinprojekt „Heimatliebe“ zusammengetan. Durch den Verkauf von Gutscheinen können die Verluste auf einen längeren Zeitraum verteilt und so die Auswirkungen abgemildert werden (wir berichteten).

Lage ist ernst

Zwar dürfen Gastronomien durch die zuletzt beschlossenen Lockerungen ab dem 15. Mai wieder öffnen, die Bedingungen sind dadurch aber alles andere als attraktiv: „Die Auflagen werden den Sterbeprozess für diejenigen unter uns, die unter diesen Bedingungen überhaupt öffnen können, nicht aufhalten, sondern nur verlangsamen“, so die Wirte. „Und wir reden hier über Wochen, nicht über Monate.“

Durch die lange Durststrecke seien die Soforthilfen schon aufgebraucht, Kredite würden zwar bewilligt, sorgten aber nur für ein Aufschieben der Probleme, nicht für deren Lösung. Aber wie kann man die Probleme der Wiesbadener Gastronomen lösen? „Durch Dialog. Sprechen Sie mit uns!“, fordern sie an OB Mende gerichtet. So könne man sich viele Strategien vorstellen, um Wiesbaden weiter zu bereichern, es brauche aber gewisse Rahmenbedingungen.

Was brauchen die Gastronomen?

In erster Linie fordern die Wirte schnell einen „runden Tisch“, um über ihre gemeinsame Zukunft zu sprechen. Sie wünschen sich außerdem Unterstützung bei Landes- und Bundesentscheidungen über Steuernachlässe anstelle von Stundungen und Aufschiebungen, eine Aussetzung der Insolvenzvantragspflicht. Auch brauche es rechtlichen Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen aufgrund von Dauerschuldverhältnissen.

Darüber hinaus gebe es einige Maßnahmen, die die Stadt Wiesbaden schon jetzt konkret umsetzen könnte, die den Gastronomen helfen würden. Dazu gehören eine unbürokratische Erlaubnis für mehr Außenplätze, ein weiteres Soforthilfepaket und die Option, auf dem Wochenmarkt einen Stand mit regionalen Gastronomieprodukten aufstellen zu können. Auch ein Ausschank wäre denkbar. Der Stand könnte dann regelmäßig von einem anderen Wiesbadener Gastronomen betrieben werden.

„Wir waren immer für Wiesbaden da. Für die Bürger und Touristen. Und wir wollen auch morgen noch da sein. Helfen Sie uns. Sonst sind wir insolvent und einfach weg“, schließt der Brief an den Oberbürgermeister. (rk)

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