Hat Wiesbaden tatsächlich so wenig Elektrobusse?

Eigentlich sollte die Busflotte in Wiesbaden bis Ende des Jahres emissionsfrei werden. Wie nah ist ESWE Verkehr dem Ziel gekommen und an was scheitert das Vorhaben? Das sagt der Verkehrsverbund.

Hat Wiesbaden tatsächlich so wenig Elektrobusse?

23 neue Elektrogelenkbusse wurden erst kürzlich in Mainz angeschafft, mittelfristig sollen bis zu 100 elektrisch betriebene Busse im Linienverkehr der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt eingesetzt werden, so das erklärte Ziel bis 2030. Fünf Jahre später soll es nur noch klimaneutrale Antriebe in den MVG-Fahrzeugen geben. Einen Investitionszuschuss von über 10 Millionen Euro hat die Stadt dazu Mitte November zur Verfügung gestellt (wir berichteten).

Und in Wiesbaden? Manche Merkurist-Leser wundern sich, dass hier nicht mehr in Richtung klimafreundlichem ÖPNV getan werde. „Mainz hat nun 27 Elektrogelenkbusse. Warum sagt ESWE immer, dass es das nicht auf dem Markt gibt?“ fragt etwa Leser Manuel in einem Snip. Ein anderer verweist auf einen Bericht in der „Hessenschau“ vom Mai 2022, nach dem die Busflotte von ESWE-Verkehr eigentlich bis Ende des Jahres emissionsfrei werden sollte. Stattdessen würden wegen „Planungsfehler der alten Geschäftsführung“ weiterhin Dieselbusse bestellt.

Mehr Batteriebusse als in Mainz

Tatsächlich fahren in Wiesbaden weitaus mehr Batteriebusse als in Mainz: 120 hat ESWE Verkehr jetzt im Fuhrpark, teilt Pressesprecher Micha Spannaus auf Merkurist-Anfrage mit. „Eine so große Flotte emissionsfreier Busse haben nur sehr wenige Verkehrsunternehmen in Deutschland.“ Jedoch sei das Unternehmen damit an der aktuellen Kapazitätsgrenze für Batteriebusse angekommen. „Unser aktueller Betriebshof bietet nicht genug Platz, um noch mehr elektrifizierte Fahrzeuge samt der benötigten Ladeinfrastruktur unterzubringen“, so Spannaus. Auch die Werkstatthallen seien nicht für eine größere Flotte von Batteriebussen ausgelegt.

So seien beispielsweise für die Wartung der Fahrzeuge besondere Hocharbeitsplätze nötig, weil sich die Batterien auf dem Dach der Busse befinden. Es brauche also erst einmal mehr Platz, weitere Betriebshofflächen – und eine bessere Auswahl an verfügbaren Fahrzeugen, sagt Spannaus.

Dennoch brauche es in Wiesbaden neue Busse, aufgrund des bundesweiten Fachkräftemangels „sehr schnell solche, die länger und größer sind, damit mehr Fahrgäste befördert werden können“, erklärt Spannaus. Daher werde man im nächsten Jahr zwölf Gelenkbusse „mit moderner und sauberer Dieseltechnik anschaffen“.

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