Haben Busfahrer ein 'geheimes Verspätungs-Display'?

Damit Busfahrer immer genau sehen, ob sie eine Haltestelle planmäßig, zu früh oder zu spät anfahren, zeigt ihnen ein Display genau diese Informationen an. Doch müssen diese auch für die Fahrgäste sichtbar sein?

Haben Busfahrer ein 'geheimes Verspätungs-Display'?

Das große Display neben dem Lenkrad ist für Busfahrer ein wichtiges Kontrollinstrument bei ihrer Fahrt. Es zeigt unter anderem an, welche Haltestelle an nächstes angefahren werden muss - und wie das Fahrzeug im Zeitplan liegt. Merkurist-Leser Matthias ist aufgefallen, dass einige Busfahrer die Anzeige mit einem gefalteten Blatt Papier bewusst abdecken und fragt: Sollen somit Verspätungen verschleiert werden?

„So etwas ist uns noch nicht aufgefallen.“ - Lisa Uphoff, ESWE

Der ESWE Verkehr ist dieser Sachverhalt neu. „So etwas ist uns noch nicht aufgefallen“, sagt Pressesprecherin Lisa Uphoff. Beim Verbesserungsmanagement des Verkehrsunternehmens, wo unter anderem Kundenbeschwerden zusammenlaufen, sei das Abdecken des Displays noch kein Thema gewesen. „Trotzdem kann es natürlich sein, dass ein Fahrer so etwas schon einmal gemacht hat“, so Uphoff.

Warten auf Fahrgäste

Grundsätzlich sei das Display für die Fahrer gedacht, sagt Uphoff. Komme ein Bus etwa fünf Minuten zu früh an einer Haltestelle an, so zeige das Display dies dem Fahrer an. „Er wartet dann, damit die Fahrgäste, die noch nicht an der Haltestelle stehen, noch zusteigen können.“ Erst wenn die planmäßige Zeit auch erreicht sei, färbt sich ein bestimmter Bereich in der Anzeige grün und der Fahrer weiß, dass er dann weiterfahren kann.

„Wir wollen keine Informationen vorenthalten.“ - Lisa Uphoff

Andersherum werden bestimmte Bereiche aber auch rot markiert, wenn eine Haltestelle zu spät angefahren wird. Es sei aber nicht so, dass die Fahrgäste dies nicht sehen sollen: „Wir wollen den Passagieren keine Informationen vorenthalten, beziehungsweise es sind keine Daten, die die Fahrgäste nicht nicht sehen sollen“, so Uphoff. Eine Dienstanweisung oder Vergleichbares gebe es in dieser Hinsicht nicht.

Busfahrern nicht bekannt

Auch dem Wiesbadener „Lolly-Busfahrer“ Michael Beltz ist das Phänomen nicht bekannt. „So etwas habe ich noch nie gesehen oder gehört“, sagt er. „Selbst wenn ein Fahrer nicht will, dass dies gesehen wird, stellt er den Bildschirm einfach auf Dunkel“, so Beltz.

Immerhin sind Verspätungen ja nicht nur auf der Anzeige des Busfahrers ersichtlich. Ein einfacher Blick auf die Zeiten des Fahrplans und der eigenen Armbanduhr reichen, um eventuelle Verspätungen einzusehen. Grundsetzlich, so Uphoff, könne man einem „Abdecken“ des Displays auch nur entgegenwirken, wenn Kunden die betroffene Linie nennen. „Dann können wir auch mit den Fahrern über ihre Gründe sprechen.“

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