Aartalbahn: Rheingau-Taunus-Kreis drängt auf Reaktivierung

Nach dem Aus der Citybahn wird eine Neuauflage der stillgelegten Bahnstrecke zwischen Diez und Wiesbaden diskutiert. Der Rheingau-Taunus-Kreis hat jetzt erste Pläne präsentiert - und hofft auf ein Ja aus Wiesbaden.

Aartalbahn: Rheingau-Taunus-Kreis drängt auf Reaktivierung

Das Aus für die Citybahn durch den Wiesbadener Bürgerentscheid bedeutet auch das Ende einer jahrelangen Verkehrsplanung für Wiesbaden und die Region. Denn die geplante Straßenbahn sollte nicht nur Wiesbaden zugutekommen, sondern durch entsprechende Verbindungen auch den Nachbargemeinden im Rheingau-Taunus-Kreis sowie Mainz. Während Wiesbaden jetzt das Bussystem verstärken will, denkt man im Untertaunus über die Reaktivierung der Aartalbahn nach.

Durchgehende Strecke von Diez nach Wiesbaden

Die 1983 stillgelegte Bahnstecke von Diez über Bad Schwalbach und Taunusstein nach Wiesbaden zu reaktivieren, wurde in der Vergangenheit immer wieder diskutiert. Realistische Chancen zur Inbetriebnahme hätte die Bahn durch die Citybahn gehabt. Diese sah vor, die Züge der Straßenbahn von der Hochschule entweder durch Dotzheim oder Klarenthal mit der Strecke der alten Bahn zu verbinden, sodass die Züge bis nach Bad Schwalbach hätten fahren können.

„Die Region benötigt eine attraktive, umweltfreundliche und vor allem moderne Schienenverbindung in das Rhein-Main-Gebiet.“ - Sandro Zehner, Bürgermeister Taunusstein

Obwohl diese Pläne mit dem „Nein“ zur Citybahn vom Tisch sind, wollen Politiker dennoch die Reaktivierung der Bahn vorantreiben. In einer gemeinsamen Erklärung haben sich jetzt der Rheingau-Taunus-Kreis sowie die betroffenen Gemeinden Bad Schwalbach und Taunusstein für den Neubau der Bahn stark gemacht: „Die Region benötigt eine attraktive, umweltfreundliche und vor allem moderne Schienenverbindung in das Rhein-Main-Gebiet“, betonte Taunussteins Bürgermeister Sandro Zehner (CDU).

Der Plan des Rheingau-Taunus-Kreises sieht vor, die komplette Strecke beginnend in Limburg und Diez bis zum Wiesbadener Hauptbahnhof wieder zu befahren. Der Oberbürgermeister von Wiesbaden, Gert-Uwe Mende (SPD), sei über die ersten Ideen des Kreises und der Städte informiert, so Landrat Frank Kilian (parteilos). Unterstützung für die Pläne kamen auch aus dem rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium, denn über 20 Kilometer der Aartalbahn gehen durch den dortigen Rhein-Lahn-Kreis. „Rheinland-Pfalz hält eine schienengebundene Verbindung aus dem Aartal nach Mainz und Wiesbaden weiterhin für sinnvoll“, sagt der zuständige Staatssekretär Andy Becht (FDP). Er schlägt auch eine Verlängerung der Strecke bis nach Mainz vor.

„Damit bietet sich den Wiesbadener die große Chance, den Taunus als Erholungsgebiet mit ÖPNV kennen und schätzen zu lernen.“ - Frank Kilian, Landrat Rheingau-Taunus-Kreis

Welchen Nutzen die Aartalbahn für die Region hätte, untersuchen Hessen und Rheinland-Pfalz seit 2019 in einer gemeinsamen Studie. Diese ist laut dem hessischen Verkehrsministerium zwar noch nicht abgeschlossen, für Landrat Kilian sei der Nutzen für alle Beteiligten aber jetzt schon klar, besonders für Wiesbaden: „Damit bietet sich den Wiesbadenern die große Chance, den Taunus als Erholungsgebiet mit ÖPNV kennen und schätzen zu lernen.“

Die Reaktionen aus Wiesbaden zu den Plänen des Kreises sind noch verhalten. Unterstützung gibt es bisher besonders von der FDP, welche sich gegen die Citybahn ausgesprochen hatte. „Die Aartalbahnreaktivierung sollte nun ernsthaft und ergebnisoffen geprüft werden“, so Alexander Winkelmann von der FDP-Fraktion. Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) zeigte sich bisher verhalten zu den Plänen und verwies auf Studien, welche für die Bahn einen schlechten Kosten-Nutzen-Wert errechneten.

Moderne Wasserstoffbahn

Für die konkrete Gestaltung der Bahn legte der Rheingau-Taunus-Kreis auch schon erste Pläne vor. Die Strecke soll demnach mit Zügen auf Normalspurbreite von 1,435 Metern befahren werden. Da die alte Aartalbahn mit Dieselloks betrieben wurde, befinden sich an der Strecke keine Oberleitungen. Diese zu bauen ist nach den Plänen aber nicht nötig, da der Kreis moderne Züge mit Wasserstoff-Brennzellen plant. Es habe dazu bereits Gespräche mit der Hochschule Rhein-Main zur Nutzung von Wasserstoff und zum Aufbau von Wasserstofftankstellen im Kreis gegeben. Weitere Kosteneinsparungen würden sich dadurch ergeben, dass die vorhandene Trasse genutzt werden kann und so keine Baumaßnahmen in der Wiesbadener Innenstadt nötig seien.

Auch die bei der Citybahn vorgesehene Verlängerung der Strecke vom Bad Schwalbacher Bahnhof in die Ortsmitte würde so entfallen, wodurch weitere Kosten eingespart werden können. Mit der Verlängerung sollte das Zusteigen für die Bad Schwalbacher deutlich erleichtert werden, da sich der Bahnhof, anders als in Taunusstein, am Stadtrand befindet.

Landrat Kilian ist überzeugt, dass die Aartalbahn viele Menschen von der Straße auf die Schiene holen könnte. Außerdem könnten die stark belasteten Wiesbadener Straßen so entlastet werden. Er hofft jetzt auf eine Zustimmung der Projektpartner in Wiesbaden. Der nächste Schritt wäre dann, zu prüfen, ob eine Schienenverbindung von Diez bis Wiesbaden einen Nutzen-Kosten-Quotienten von mehr als 1 erreichen kann. Dann könnten auch entsprechende Fördermittel abgerufen werden. (ms)

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