Wegen Antisemitismus: Ortsbeirat Nordost will Pfitznerstraße umbenennen

Hand Erich Pfitzner war ein deutscher Komponist und Unterstützer der NSDAP. Im Wiesbadener Stadtteil Nordost ist eine Straße nach ihm benannt. Wenn es nach dem Ortsbeirat geht allerdings nicht mehr lange.

Wegen Antisemitismus: Ortsbeirat Nordost will Pfitznerstraße umbenennen

Der Ortsbeirat Nordost will, dass die Pfitznerstraße umbenannt wird. Die Fraktion der Grünen hatte zuvor bereits zum zweiten Mal einen Antrag dazu gestellt, den der Ortsbeirat in seiner letzten Sitzung angenommen hat. Grund für den Antrag ist die NS-Vergangenheit des für die Straße namensgebenden Komponisten Hans Pfitzner.

„Die Kernfrage lautet: Wollen wir einen Mann wie Pfitzner weiterhin mit einer Straßenbenennung ehren?“, fragt Gabriela Schuchalter-Eick, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Ortsbeirat Nordost, in einer Mitteilung zur Ortsbeiratssitzung. Hans Erich Pfitzner war ein deutscher Komponist, Dirigent und Autor, oft mit antisemitischer Zielrichtung.

Antisemitische Äußerungen

In verschiedenen Dokumenten nannte er das Judentum eine Gefahr für das „Deutsch-Nationale“. Er unterstützte die NSDAP beim Wahlkampf und lud Adolf Hitler zu seinen Aufführungen ein. In einer Glosse nannte er das „Weltjudentum“ 1945 zudem ein Rassen- und Weltanschauungsproblem. Darin hielt er fest: „Hitler hat richtig gehandelt, Europa von den Juden befreien zu wollen.“ Lediglich „die stümperhafte Durchführung“ seiner Ideen könne man Hitler vorwerfen.

Vorbereitende Maßnahmen zur Umbenennung geplant

Bereits 2017 hatte der Ortsbeirat Nordost auf einen Antrag der Grünen hin die Umbenennung der Straße im Magistrat vorgeschlagen. Daraufhin habe sich allerdings zunächst nichts getan. Deshalb hat der Ortsbeirat jetzt selbst Maßnahmen beschlossen. Demnach soll ein Mitarbeiter des Stadtarchivs zu einer Sitzung des Ortsbeirats eingeladen werden, um über die Namensgebung und Hans Pfitzner zu informieren. Außerdem soll es eine Informationsveranstaltung für die von der Umbenennung betroffenen Anwohner geben. Der Ortsbeirat wolle dabei herausfinden, wie die Maßnahme kostenneutral für die Anwohner gestaltet werden kann und auch, wie man die Straße stattdessen nennen könnte.

„Trotz seiner musikalischen Leistungen ist Hans Pfitzner einfach keine Person die mit einer eigenen Straße geehrt werden sollte.“ - Isabel Maino-Amer, SPD Wiesbaden-Nord

Dass nach Hans Pfitzner eine Wiesbadener Straße benannt ist, traf nicht nur bei den Grünen im Ortsbeirat auf Unverständnis. Auch eine Bürgerinitiative hatte sich gegründet, um für die Umbenennung einzutreten. 480 Menschen unterstützten das Vorhaben. Bei der letzten Ortsbeiratssitzung sicherte außerdem die SPD Nordost ihre Unterstützung zu. Der Ortsverein SPD Wiesbaden Nord schloss sich später an. „Trotz seiner musikalischen Leistungen ist Hans Pfitzner einfach keine Person die mit einer eigenen Straße geehrt werden sollte“, teilte Vorsitzende der SPD Wiesbaden-Nord Isabel Maino-Amer mit.

Wiesbaden würde anderen Städten folgen

Mit der Umbenennung der Straße würde Wiesbaden Städten wie Darmstadt, Münster, Lübeck und Hannover folgen. Viele Kommunen überprüfen derzeit außerdem ihre Straßenverzeichnisse auf nationalsozialistische Bezüge. In seinem Beschluss kritisiert der Ortsbeirat Nordost, dass die Umbenennung von Straßen aus solchen Gründen bisher kaum Thema in Wiesbaden war. „Dies ist umso befremdlicher angesichts der Zunahme rechtsextremistischer Umtriebe“, heißt es darin. (nl)

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