Das Hofgut in Alt-Klarenthal ist historisch eng mit Klarenthal verbunden und liegt in einer Lage, die für Wiesbaden städtebaulich und kulturell viel Potenzial hat. Gerade deshalb sorgt der zunehmende Verfall seit Langem für Unmut. Die leer stehenden oder nur teilweise genutzten Gebäude haben in den vergangenen Jahren deutlich gelitten. Nun soll sich das Blatt wenden. Dazu geht die Stadt neue Wege abseits des klassischen Verkaufs.
Wer als Träger infrage kommt
Die Stadt Wiesbaden will das Areal über ein Konzeptverfahren im Erbbaurecht vergeben, um es sanieren und langfristig neu nutzen zu lassen. Im Gespräch sind vor allem gemeinwohlorientierte Modelle mit Wohnen, Bildung, Soziokultur, kleineren Gewerbeflächen und Gastronomie. Mit dem Erbbaurecht bleibt das Grundstück im öffentlichen Besitz, während ein Träger das Hofgut über Jahrzehnte entwickeln, sanieren und betreiben kann.
Gesucht werden Partner, die nicht nur investieren, sondern auch langfristig Trägerschaft übernehmen können. Laut Ausschreibung kommen dafür unter anderem Bauträger, Wohnungsbaugesellschaften, Stiftungen und Genossenschaften infrage. Auch andere gemeinwohlorientierte Gesellschaftsformen sowie private Gruppen oder Einzelpersonen können sich bewerben, sofern ihr Konzept überzeugend ist.
Entscheidend ist dabei nicht allein die Größe eines Akteurs, sondern die Qualität des Nutzungskonzepts. Wie aus der Ausschreibung des Konzeptverfahrens und dem Wohnprojekte-Portal von „KlarA stadt.land.gut“ hervorgeht, soll das Hofgut kein reines Renditeobjekt werden, sondern ein Ort mit öffentlichem Mehrwert. Genau deshalb gelten Träger mit sozialem oder kooperativem Profil als besonders aussichtsreich.
Welche Nutzungen diskutiert werden
Inhaltlich dreht sich vieles um eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Lernen und Begegnung. Im Fokus stehen gemeinschaftliche und inklusive Wohnformen, ergänzt um Bildungsangebote, kulturelle Nutzung, kleinere Arbeits- und Gewerbeflächen sowie Gastronomie. Die Stadt beschreibt das Hofgut selbst als mögliches „Denkmal der Zukunft“.
Das historische Ensemble soll zu einem offenen Ort mit unterschiedlichen Nutzungen weiterentwickelt werden. Die inhaltliche Grundlage dafür liefern vor allem die städtische Projektseite zum Hofgut Klarenthal und die Ausschreibung zum Konzeptverfahren, in der von einer gemeinwohlorientierten, öffentlichkeitswirksamen Nutzung sowie einer teilweisen öffentlichen Zugänglichkeit die Rede ist.
Welche Konzepte besonders realistisch wirken
Zu den Akteuren, die sich seit Jahren mit der Zukunft des Hofguts beschäftigen, zählt das Bürgerprojekt „KlarA stadt.land.gut“. Der Verein setzt sich für einen offenen, gemeinschaftlich genutzten Stadt- und Naturraum ein und versteht sich als Impulsgeber für eine gemeinwohlorientierte Entwicklung. Gemeinsam mit der „Gemeinschaftlich Wohnen eG“ und weiteren Partnern werden Modelle erarbeitet, die Wohnen, Arbeiten, Lernen und Begegnung an einem Ort verbinden.
Auch die Hochschule RheinMain hat sich mit der Transformation des Hofguts beschäftigt und nachhaltige Nutzungsmodelle für das historische Areal untersucht. Im Raum stehen dabei vor allem gemeinschaftliche Wohnformen, Familienhöfe und inklusive Wohnkonzepte.
Zwischennutzung als Testlauf
Zusätzliche Bewegung kommt durch die World Design Capital (WDC). Wiesbaden ist 2026 ein aktiver Teil davon. Rund 30 Projekte aus und mit Sitz in der hessischen Landeshauptstadt wurden in das Programm aufgenommen. Sie decken Bereiche wie Kreativwirtschaft, Kultur, Bildung, Wirtschaft, Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft ab.
Im Zuge der WDC plant „KlarA stadt.land.gut“ einen „Aufruf für Ideen und Macher“. Ziel ist, dass Teile des Hofguts, vor allem der Nordflügel mit den Scheunen und die Freiflächen des Anwesens im August/September zwischen genutzt werden. Je nach Projekt sollen die Zwischennutzungen auf dem Hofgut mit Optionen auf Verstetigung vergeben werden.
Der Verein sieht darin eine gute Chance für sein formuliertes Ziel, „einen lebendigen Ort an historischer Stelle zu schaffen“. Aus einem lange vernachlässigten Denkmal könnte so ein offener Stadt- und Naturraum mit neuer Identität werden. „Alle Ideengeber und Macher helfen mit, einen gemeinschaftlichen Prozess und konkrete Nutzungs- und (Bau-)Vorhaben für das Hofgut vorzubereiten“, so der Ansatz des Bürgerprojekts.
Ob das gelingt, hängt nun davon ab, wer sich auf das Verfahren einlässt und welches Konzept am Ende überzeugt. Weitere Informationen und Unterlagen sind auf der Website der Stadt Wiesbaden zu finden.