Gift-Cocktail in hessischen Flüssen: Diese Stoffe werden nachgewiesen

Wegen des Niedrigwassers in Hessen steigt die Schadstoff-Konzentration in den Flüssen. Experten finden einen Cocktail aus Arznei-Resten, Süßstoff und krebserregenden Stoffen.

Gift-Cocktail in hessischen Flüssen: Diese Stoffe werden nachgewiesen

Die langanhaltende Trockenheit und die niedrigen Pegelstände stellen die Flüsse in Hessen vor große Herausforderungen. Weil weniger Wasser fließt, können Schadstoffe nicht mehr so stark verdünnt werden. Das teilt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) mit. Die Folge: Die Konzentration bestimmter Stoffe im Flusswasser erhöht sich, und die Belastung der Gewässer verstärkt sich.

Für die Gewässerökologie ist diese Entwicklung problematisch, da auch die Wassertemperaturen erhöht sind und der Sauerstoffgehalt schwankt. Vor allem in den frühen Morgenstunden kann dieser niedrig sein. Unter diesen Bedingungen ist die natürliche Selbstreinigungskraft der Gewässer eingeschränkt.

„Niedrigwasser verändert die Bedingungen im Fließgewässer grundlegend. Stoffeinträge, die bei höherer Wasserführung stärker verdünnt werden, können bei geringer Wasserführung zu höheren Konzentrationen führen“, erläutert Prof. Dr. Thomas Schmid, Präsident des HLNUG. „Deshalb ist es gerade in solchen Phasen wichtig, die Gewässerqualität kontinuierlich zu beobachten.“

Süßstoff, Arznei-Reste und Industriechemikalien

Um die aktuelle Situation zu bewerten, nutzt das Landesamt ortsfeste Messstationen, die kontinuierlich Parameter wie Sauerstoffgehalt und Wassertemperatur erfassen. Zusätzlich werden regelmäßig Wasserproben im Labor auf zahlreiche Einzelstoffe untersucht. Diese Kombination ermöglicht eine umfassende Bewertung der Gewässerbelastung.

Die Messungen zeigen eine Zunahme verschiedener Stoffe. Dazu gehören Indikatoren für Einträge aus Haushalten und Industrie wie der Süßstoff Sucralose, das Korrosionsschutzmittel Benzotriazol sowie AMPA, ein Abbauprodukt von Glyphosat. Auch schwer abbaubare Substanzen wie das PFAS Perfluorheptanoat (PFHpA) und Valsartansäure, ein Abbauprodukt von Blutdrucksenkern, werden nachgewiesen. Zudem beobachten die Experten erhöhte Konzentrationen des krebserzeugenden Stoffes o-Anisidin und des langlebigen Fungizids Boscalid.

Verbesserte Abwasserreinigung als Lösung

Bei der Bewertung der Wasserqualität müssen nicht nur einzelne Stoffe, sondern auch deren Zusammenspiel betrachtet werden. Auch wenn die Konzentrationen einzelner Substanzen niedrig sind, kann die dauerhafte Belastung durch diesen Stoffmix für Wasserorganismen schädlich sein und etwa das Immunsystem beeinträchtigen.

Die aktuelle Situation verdeutlicht laut HLNUG, dass sich der Gewässerschutz neuen Herausforderungen stellen muss. Um die Belastung der Gewässer zu reduzieren, spiele die Verbesserung der Abwasserreinigung eine wichtige Rolle. Sogenannte vierte Reinigungsstufen in Kläranlagen mit Ozonung oder Aktivkohlefiltration könnten einen zusätzlichen Beitrag leisten, um Spurenstoffeinträge zu verringern.